Vortrag von Prof. Schönefeld beim KI-Forum des VDE auf der Hannover Messe 2019

„KI: Schon kreativ oder noch strohdumm?“ Dieser Frage ging Prof. Frank Schönefeld, Mitglied der Geschäftsleitung der T-Systems Multimedia Solutions GmbH, beim KI-Forum des VDE auf der Hannover Messe 2019 nach.

| VDE / Anja Rottke
03.04.2019 Kurzinformation 358 0

Künstliche Intelligenz: Hype oder ultimativer Turbo für Industrie 4.0?

Industrie trifft KI: Das Leitthema der Hannover Messe 2019 ist gleichzeitig auch Schwerpunkt des VDE-Messeauftritts. Beim VDE-Forum „Künstliche Intelligenz“ diskutierten Experten aus den Bereichen KI, Informationstechnik und Automatisierungstechnik Fragen wie: Welche Prozesse lassen sich mit KI sinnvoll automatisieren? Welche Anwendungsfelder gehen über die üblichen repetitiven und programmierbaren Roboterapplikationen hinaus? Wo stehen die deutsche Forschung und Industrie im internationalen Innovationswettbewerb? Und wann kommt der Durchbruch für KI?

Nach Sensornetzwerken und Big Data Analytics rückt das Thema Künstliche Intelligenz (KI) in den Fokus der Automatisierungsindustrie. Während Skeptiker einen Marketing-Hype vermuten, sehen viele Experten darin den nächsten Entwicklungsschritt oder sogar die Vollendung von Industrie 4.0. Denn bei KI geht es nicht nur um die Auswertung von Daten, sondern um das maschinelle Lernen aus Erfahrungen und die Nutzung dieser Erkenntnisse in Produktion und Logistik, vor allem für Predictive Maintenance, für die Optimierung von Fertigungsprozessen und Kapazitätsauslastungen und für die Mensch-Maschine-Schnittstelle.

Den Auftakt des Forums machte Prof. Hans Dieter Schotten vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI). In seinem Vortrag stellte er die Chancen und Herausforderungen beim Einsatz von KI in der Industrie heraus. Es sei die Innovationskonvergenz, die derzeit die Entwicklung von KI stark begünstige. So würden Computer immer leistungsstärker und Datenspeicherplätze immer günstiger. Als besondere Herausforderung sieht Schotten das sehr breite Anwendungsspektrum mit hoher Varianz. „Ein weiteres notorisches Problem sind Sicherheit und Vertrauen in KI“, betonte Schotten. Hier könne die Standardisierung für Vertrauen sorgen.

Best Practice für Predictive Maintenance

Thomas Hahn, Chief Expert Software bei der Siemens AG präsentierte erste erfolgreiche Beispiele für den Einsatz von Sensordaten und deren Nutzung für Predictive Maintenance. So ließ sich bei der spanischen Bahngesellschaft Renfe durch die Sensoranalyse kritischer Komponenten und Predictive Maintenance die Pünktlichkeitsrate auf 99,9 Prozent steigern. Positiver Nebeneffekt: Aufgrund der hohen Zuverlässigkeit und einer Entschädigungsregelung bei Verspätungen über 15 Minuten entscheiden sich nun 60 Prozent mehr Reisende für den Zug und gegen das Flugzeug.

KI: Schon kreativ oder noch strohdumm? Dieser Frage widmete sich Prof. Frank Schönefeld, Mitglied der Geschäftsleitung der T-Systems Multimedia Solutions GmbH. In seinem Vortrag zeigte er die Grenzen und Möglichkeiten von KI auf. Sein Fazit: KI kann selbst kreativ sein. So zeigte er an einem Beispiel wie sich mit wenigen Klicks aus dem Foto einer Häuserzeile mit Hilfe von KI ein Van Gogh kreieren lässt. Daneben könne KI heute schon Musik komponieren, Gedichte schreiben und Softwareparameter verbessern. „An ihre Grenzen stößt die Künstliche Intelligenz beim Deep Learning“, so Schönefeld. Denn wenn Deep Learning manipuliert werde, was mit einfachen Mitteln möglich ist, könne das weitreichende Folgen haben.

Mit KI die Fußballweltmeisterschaft vorhersagen?

Dass die KI schon sehr weit ist, zeigte auch Prof. Christophe Ley vom Department of Applied Mathematics, Computer Science and Statistics der Ghent University auf. Mit seinen Doktoranden versuchte er im Jahr 2018 mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz die Fußballweltmeisterschaft vorauszusagen. Dazu simulierten die Wissenschaftler den Turnierverlauf 100.000 Mal mit dem Computer. Dabei griffen sie auf Daten der WMs 2002, 2006, 2010 und 2014 sowie statistische Daten zurück. Zwar gelang es den Forschern um Prof. Ley (noch) nicht, die Ergebnisse via KI exakt vorherzusagen, aber: „Die KI hat statistisch deutlich besser abgeschnitten als Fußballexperten“.

Den Bogen zum Veranstaltungstitel, ob KI Hype oder Turbo ist, spannte Dirk Fromme, Geschäftsführer 3pluplus GmbH: Letztlich sei dies zweitrangig, denn de facto treibe KI Industrie 4.0 voran. Das größte Potenzial sieht er dabei wie auch schon viele seiner Vorredner im Bereich Predictive Maintenance. Dadurch und durch neue Möglichkeiten der Datenerhebung ließen sich gerade in der Produktion Potenziale heben und Prozesse effizienter gestalten. In der anschließenden Podiumsdiskussion waren sich die Referenten dann auch einig, dass KI großes Potenzial hat – vor allem für Industrie 4.0 – das aber weitestgehend noch gehoben werden müsse.

Zu wenig Investments und fehlende Experten bremsen Deutschland bei KI aus

Kuenstliche Intelligenz Industrie 4.0
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01.04.2019 Pressemitteilung

Laut der neuen VDE-Umfrage unter seinen 1.300 Mitgliedsunternehmen und Hochschulen, ist es fraglich, ob Deutschland bei KI aufholen kann. Unternehmen und Hochschulen fordern mehr Mut, deutlich mehr Fördermittel, mehr Experten und raus aus der Komfortzone und der Selbstgefälligkeit. Auch wenn Deutschland bei Industrie 4.0 hinterher hinkt, der Mittelstand zeigt sich optimistisch.

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