Einblicke in die Kletterseil - Entwicklung: Die technischen Herausforderungen zwischen Sicherheit und Nachhaltigkeit
| Start date | 2026-04-14 | 18:00 |
| End date | 2026-04-14 | 19:30 |
Hochschule Kempten oder via Zoom
V411 (Gebäude V)
Bahnhofstr. 61
87435 Kempten / online
Die meisten Leuten, die ein Kletterseil betrachten sehen darin meist kein sehr technisches Produkt. „Ein Seil ist halt ein Seil“, heißt es dann oft – auf den ersten Blick scheint kaum offensichtlich, welche ingenieurtechnische Entwicklungsarbeit dahintersteckt. Genau darin liegt jedoch eine der großen Besonderheiten dieses Produkts. Moderne Kletterseile gehören zu den technisch anspruchsvollsten Komponenten der persönlichen Schutzausrüstung im Bergsport. Sie müssen Stürze zuverlässig auffangen, Energie kontrolliert aufnehmen, über lange Zeit mechanischen Belastungen widerstehen und dabei unter verschiedensten Umgebungsbedingungen verlässlich funktionieren. Dass weltweit nur eine Handvoll Hersteller solche Seile entwickelt und produziert, zeigt wie komplex diese Aufgabe tatsächlich ist.
Der Vortrag gibt einen Einblick in diese oft unterschätzte technische Welt der Seilentwicklung und beleuchtet zwei zentrale Herausforderungen. Im ersten Teil steht eine sicherheitskritische Fragestellung im Mittelpunkt: Seile reißen in der Praxis immer wieder. Woran liegt das? Welche Rolle spielen Faser, Konstruktion und Nutzung? Und wie lässt sich diesem Risiko technisch begegnen? Der Entwicklungsprozess wird dabei entlang der gesamten Kette betrachtet – von der Auswahl der Fasern über die Konstruktion des Seils bis hin zu Laborprüfungen und Praxisevaluierungen.
Der zweite Teil widmet sich dem ökologischen Fußabdruck eines Kletterseils. Wie groß ist er eigentlich, wodurch entsteht er und an welchen Stellen kann man ihn technisch beeinflussen, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit zu machen? Auch hier folgt der Vortrag dem Weg des Produkts von der Faser über die Konstruktion bis zur Bewertung im Labor und in der praktischen Anwendung. Gleichzeitig wird deutlich, warum textile Systeme für Ingenieure eine besondere Herausforderung darstellen: Sie sind deutlich weniger exakt berechenbar als klassische Werkstoffe wie Metalle. Der Vortrag zeigt, wie ein wissensbasierter Entwicklungsansatz und vollständig integrierte Expertise – von der Materialentwicklung bis zur Anwendung – dabei helfen, Sicherheit und Nachhaltigkeit gleichermaßen weiterzuentwickeln.
Philippe Westenberger, Wirtschaftsingenieur (M.sc.) und Entwicklungsleiter bei der Allgäuer Firma Edelrid beschäftigt sich seit mehr als 12 Jahren beruflich wie privat mit der Forschung und Entwicklung von persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz.
VDE Bayern
Hochschule Kempten
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REFA
Referent: Philippe Westenberger
Moderation: Tobias Laske
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