04.06.2004 Seite 17579 0

Was muss man als Schwimmer oder Taucher bei Gewitter beachten?

Fragen und Antworten aus einem Schriftverkehr mit der DLRG-Jugend Bayern

Bei Gewitter darf man nicht ins Wasser gehen, weil man sonst vom "Blitz" getroffen" wird. Es heißt, der Kopf des Schwimmers stelle den höchsten Punkt im See dar und würde deswegen getroffen. Ist dies korrekt?

Die Wahrscheinlichkeit, dass der Blitz in die Person einschlägt, ist relativ gering. Gefährlich ist der Blitzstrom, der sich im Wasser großflächig ausbreitet (s.u.) und auf den der menschliche Körper sehr empfindlich reagiert.

Bei weitläufigen Seen und am Meer ist unsere Annahme "Kopf = höchster Punkt = einschlaggefährdet" bei einer großen Wasseroberfläche durchaus einleuchtend. Wie verhält sich dies bei kleinen Seen, die von Bäumen umgeben sind? Wohin schlägt der Blitz? Welche Gefahr besteht dann für den Schwimmer?

Auch bei kleinen Seen kann ein Blitzeinschlag direkt ins Wasser erfolgen. Die Schutzwirkung höherer Bäume ist i.d.R. nicht so hoch wie allgemein angenommen.

Zur Theorie "Spannungstrichter": bei einem Blitzeinschlag bildet sich ein Spannungstrichter aus. Deshalb müssten Taucher in der Tiefe des Wassers weniger gefährdet sein als Schwimmer in der Nähe des Einschlagspunktes an der Wasseroberfläche (das elektrische Feld wird geringer je tiefer man taucht). Gibt es dafür auch genauere Zahlen? Wie stark nimmt das Feld mit steigender Wassertiefe ab? Wie verhält sich der Spannungstrichter an der Oberfläche? Als Beispiel nehmen wir die Küste an. Ein Blitz schlägt ein, wie stark nimmt das Feld in x-y-Richtung ab? D.h. wie weit muss der Schwimmer vom Einschlag weg sein, damit keine Gefahr für ihn besteht?

Der Einfluss auf den Menschen muss im Einzelfall berechnet werden und hängt von der Größe des Menschen und der spezifischen Leitfähigkeit des Wassers ab. Grundsätzlich gilt: Meerwasser besser leitfähig als Süßwasser -> Blitze wirken im Meer weiter als in Seen.
Der Einschlagort von Blitzen ist nicht bekannt. Daher muss von einem nahen Blitzeinschlag ausgegangen werden. Der einzige Schutz kann also nur sein, das Wasser zu verlassen bzw. wenn dies nicht möglich ist (Taucher), sich möglichst tief im Wasser aufzuhalten.
Bezüglich minimaler Entfernungen bzw. üblicher Tiefen, um einen Blitzeinschlag "gefahrlos" überstehen zu können, gibt es weder Erfahrungswerte noch Berechnungen, die uns bekannt sind.

Wirkung auf den Menschen: Wir diskutierten darüber, warum bei einem Blitzeinschlag im See (Annahme: der Blitz trifft nicht den Schwimmer, sondern die Wasseroberfläche) ein Schwimmer gefährdet ist. Wasser leitet Strom bekanntlich besser als der Menschliche Körper, somit müsste sich der Blitz doch über das Wasser, nicht über den Schwimmer entladen. Als Begründung fanden wir, dass es sich ähnlich einer Paralellschaltung von Widerständen verhalten müsste. Ist diese Begründung richtig?

Ja, genau! Ein kleiner Teil des Stroms fließt über den Körper und der reagiert sehr empfindlich.

4. Gibt es Fachartikeln zum Thema Blitzeinschlag in Seen?

Leider sind uns keine Publikationen zu diesem Thema bekannt.

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