Telekommunikationsübertragung mit Haus-Installation

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25.01.2018 Fachinformation

Blitz- und Überspannungsschutz des Telekommunikationsanschlusses

Überspannungsschutzgeräte schützen die TK-Infrastruktur und -Endgeräte

VDE-Information Blitzschutz 6.1

Die Telekommunikationsleitung ist neben der energietechnischen die wichtigste Leitungsverbindung. Für den hochtechnisierten Ablauf in Industrie, Handel und Gewerbe ist eine stets funktionsfähige Schnittstelle zur Außenwelt "überlebenswichtig". Bei der Frage der Schutzwürdigkeit geht es also nicht nur um den Schutz der Hardware, sondern vielmehr um die permanente Bereitstellung einer wichtigen Dienstleistung.

Nach den Statistiken der Schadenversicherer von Elektronikgeräten sind Überspannungen die häufigste Schadensursache. Sie entstehen meist bei direkten oder fernen Blitzeinschlägen. Überspannungen auf Grund eines direkten Einschlags in eine bauliche Anlage erzeugen die härteste Beanspruchung, sind aber relativ selten.

Telekommunikationsleitungen überdecken als Leitungsnetz oftmals eine Fläche von einigen km². Bei einer in Deutschland typischen Blitzeinschlaghäufigkeit von ca. 1 bis 6 Blitzeinschlägen pro Jahr und km² ist in diesen großflächigen Netzwerken häufig mit Überspannungen zu rechnen.

Die Telekommunikationsnetze sind mit Glasfaserkabel, Kupferkabel oder gemischt aufgebaut. Einen typischen Aufbau zeigt das Titelbild. Hier werden die Glasfaser- und Kupferkabel in Outdoor-DSLAMs zusammengeführt.

Blitzschutzsystem

Die sicherste Maßnahme zum Schutz vor schädlichen Auswirkungen von Blitzen ist ein Blitzschutzsystem nach DIN EN 62305 (VDE 0185-305). Dieses schützt eine bauliche Anlage sowohl bei direkten als auch bei fernen Blitzeinschlägen. Falls keine behördlichen Auflagen eine solche Schutzmaßnahme vorschreiben, entscheidet der Eigentümer, ob ein Blitzschutzsystem errichtet wird.

Ein Bestandteil des Blitzschutzsystems ist der Blitzschutz-Potentialausgleich. Dieser wird im Bereich des Hausanschlusses (HAK) und des Anschlusspunktes der Linientechnik (APL) / Hausübergabepunkt (HÜP) durchgeführt. Die entsprechenden Maßnahmen wie Anschluss der Kabelschirmung, Einbau von Überspannungsschutzeinrichtungen (Surge Protective Device = SPD) sind mit den zuständigen Netzbetreibern abzustimmen.

Überspannungsschutz der Telekommunikations-Übertragungseinrichtung

Die wesentliche Schutzmaßnahme ist ein örtlicher Potentialausgleich sowohl mit der Telekommunikationsleitung als auch der energietechnischen Leitung. Dabei werden diese Leitungen mit SPDs in einer sogenannten „Bypass-Schaltung“ beschaltet. Abhängig von dem Anwendungsfall und den Anforderungen kommen Blitzstromableiter (SPD Typ 1; SPD Kategorie D1), Überspannungsableiter (SPD Typ 2; SPD Kategorie C2), Überspannungsableiter für den Endgeräteschutz (SPD Typ 3; SPD Kategorie C1) oder eine Kombination der genannten SPDs zum Einsatz. Bei einer Kombination müssen die SPDs miteinander koordiniert sein (siehe VDE-Information Blitzschutz 3.4).

SPD am HÜP

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In der Kundenanlage wird die besonders überspannungsgefährdete Eingangsseite des Routers durch ein SPD in der TK-Leitung am Ausgangspunkt des Hausübergabepunktes (HÜP) (Bild) oder direkt vor dem Router (Bild) geschützt. Dieses SPD muss für eine ausreichende Übertragungsfrequenz ausgelegt sein.

SPD vor dem Router

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Steckbares kombiniertes SPD an einem TK-Endgerät

| DEHN

Üblicherweise wird für den Überspannungsschutz eines TK-Endgeräts ein kombiniertes Schutzgerät (Zwischenstecker mit Schutzfunktion) verwendet, in dem der Überspannungsschutz sowohl für die Telekommunikationsleitung als auch für die Stromversorgung integriert ist (Bild). Das Schutzgerät muss in eine Schutzkontaktsteckdose gesteckt werden, denn nur so ist der örtliche Potentialausgleich mit dem Schutzleiter für alle Leitungen hergestellt. Auf der TK-Seite ist auf den richtigen Anschlussstecker zu achten, z.B. RJ 45 für die Datentechnik oder F-Stecker für die Telefontechnik.

Normen, Literatur

  • DIN EN 62305-4 (VDE 0185-305-4) Blitzschutz  - Teil 4: Elektrische und elektronische Systeme in baulichen Anlagen
  • DIN CLC/TS 61643-22 (VDE V 0845-3-2):2017-06 Überspannungsschutzgeräte für Niederspannung  - Teil 22: Überspannungsschutzgeräte für den Einsatz in Telekommunikations- und signalverarbeitenden Netzwerken  - Auswahl- und Anwendungsprinzipien
  • DIN EN 50468 (VDE 0845-7) Anforderungen zur Zerstörfestigkeit von Einrichtungen mit Telekommunikationsanschluss gegen Überspannungen und -ströme infolge Blitzschlags
  • DIN EN 61663-2 (VDE 0845-4-2) Blitzschutz  - Telekommunikationsleitungen, Teil 2: Leitungen mit metallischen Leitern
  • DIN VDE 0845 (VDE 0845) Beiblatt 1 Überspannungsschutz von Einrichtungen der Informationstechnik (IT-Anlagen)
  • Landers, E.U.; Zahlmann P.: EMV  - Blitzschutz von elektrischen und elektronischen Systemen in baulichen Anlagen, VDE Verlag, Berlin, Offenbach, 3. Auflage, 2013
  • Ackermann, G.; Hönl, R.: Schutz von IT-Anlagen gegen Überspannungen, VDE-Schriftenreihe 119, VDE Verlag, Berlin, Offenbach, 2006

Bilder

Der Blitzschutz in der Praxis

Leitfaden-Blitz-und-uebersp

Unter dieser Bezeichnung gibt der VDE-Ausschuss Blitzschutz + Blitzforschung eine Merkblattsammlung für Blitzschutz-Fachkräfte heraus. Diese VDE-Information ist Bestandteil von "Der Blitzschutz in der Praxis".

www.vde.com/blitzschutz-in-der-praxis

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Diese VDE-Information enthält allgemeine technische Empfehlungen zum Blitz- und Überspannungsschutz. Eine eigene Überprüfung der jeweils erforderlichen Handlungsweise durch den Nutzer bleibt daher immer unentbehrlich.

Der VDE hat diese VDE-Information mit großer Sorgfalt verfasst. Dennoch kann der VDE weder eine explizite noch eine implizite Gewährleistung für die Korrektheit, Vollständigkeit oder Aktualität des Dokuments übernehmen. Die Anwendung dieses Dokuments geschieht in dem Bewusstsein, dass der VDE für Schäden oder Verluste jeglicher Art nicht haftbar gemacht werden kann.

Die Blitzschutznormen (u. a. DIN EN 62305) werden erarbeitet vom Komitee 251 Blitzschutzanlagen und Blitzschutzbauteile der DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE. Es wird empfohlen, die Fassungen mit dem neuesten Ausgabedatum anzuwenden.
Bezug: VDE-VERLAG GMBH oder Beuth-Verlag GmbH

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