Fernsehturm Stuttgart_Bild 1
2014 Norbert Gilson
25.02.2020

Fernsehturm Stuttgart

Jahnstraße (Hoher Bopser), 70597 Stuttgart

Kontakt

VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Der im Auftrag des Süddeutschen Rundfunks nach einem Entwurf des Stuttgarter TH-Professors Fritz Leonhardt errichtete Stuttgarter Fernsehturm war weltweit das erste Bauwerk dieser Art in Stahlbetonbauweise und gilt als Vorbild für alle weiteren Sendetürme. An ihm wird zugleich der Funktionswandel der Sendetürme deutlich, der sich mit dem Übergang von der Analog- zur Digitaltechnik in der Signalverarbeitung vollzogen hat.

Beschreibung


erbaut: 1954-56
Konstruktion / Entwurf: Fritz Leonhardt, Erwin Heinle
Ausführung: Wayss & Freytag AG
Bauherr: Süddeutscher Rundfunk

Als zu Beginn der 1950er Jahre in der Bundesrepublik der Siegeszug des Fernsehens einsetzte, plante der Süddeutsche Rundfunk zur Signalversorgung des Großraums Stuttgart den Bau eines eigenen Fernsehsenders. Zunächst wurde die Errichtung eines herkömmlichen, über 200 m hohen, mit Stahlseilen abgespannten Stahlgitter-Sendemastes erwogen. Auf Anregung des bekannten Stuttgarter Bauingenieurs und Stahlbeton-Spezialisten Fritz Leonhardt (1909-1999), von 1957 bis 1974 Professor für Massivbau an der TH Stuttgart, wurde als Antennenträger dann ein schlanker Stahlbetonturm realisiert. Der in nur eineinhalbjähriger Bauzeit errichtete Fernsehturm war der weltweit erste Fernsehturm in Stahlbetonbauweise und gilt als Vorbild für alle anderen Fernsehtürme.

Der Turmschaft ruht auf einem 8 m tief in die Erde eingelassenen Fundament in Form eines Kegelstumpfes, der auf eine Spannbetonscheibe von 27 m Durchmesser aufgesetzt ist. Alleine das Fundament wiegt 1.500 t. Der Schaft verjüngt sich von 10,80 m am Fuß bis auf 5 m Durchmesser am Kopf, die Dicke der Stahlbetonwände beträgt unten 60 cm und oben nur noch 18 cm. Der Schaft ist aus einer Abfolge von steifen Stahlbetonscheiben, auf die sich jeweils 10 m hohe Stahlbetonsäulen abstützen. Diese rahmen den Aufzugsschacht ein und tragen die Leitungskanäle. In 136 m Höhe ist auf den Schaft der 23 m hohe Turmkopf aufgesetzt, ein vierstöckiger Rundbau (mit ansatzweise kegelstumpfförmigem Querschnitt), der ursprünglich außer der Sendeanlage auch ein Restaurant für 160 Personen sowie Aussichtsterassen für 400 Personen beherbergte. Die Plattform selbst hat einen Durchmesser von bis zu 15 m. Die Turmspitze bildet die 58 m hohe Antenne, die als genieteter, quadratischer Stahlgittermast ausgebildet ist. Einschließlich der Antenne hatte der Turm bei Fertigstellung eine Höhe von 211 m.

Ein Teils des Rundbaus wurde inzwischen in eine »Event-Ebene« umgewandelt, die für vielfältigste Veranstaltungen zur Verfügung steht. Seit März 2013 ist der Fernsehturm allerdings aus Brandschutzgründen für Besucher geschlossen, er soll aber im Frühjahr 2015 wieder eröffnet werden.

Die Antenne war ursprünglich für die räumliche (d.h. ungerichtete) Ausstrahlung der Sendeenergie für das Programm des »Ersten Deutschen Fernsehens« konzipiert. Um den Empfang in einigen Teilen Stuttgarts zu verbessern, ließ der Süddeutsche Rundfunk den Mast 1965 um 3,80 m aufstocken. Seitdem ist der Turm insgesamt 217 m hoch.
Im Zuge der Beendigung der Ausstrahlung der analogen Fernsehsignale änderte sich die Funktion des Stuttgarter Fernsehturms. Da zur Ausstrahlung von Programmen im digitalen DVB-T-Standard ein aufwändiger Austausch der Fernsehantenne notwendig gewesen wäre, werden seit Juli 2006 nur noch UKW- und DAB-Hörfunkprogramme abgestrahlt. Die Ausstrahlung des DVB-T-Signals wurde zum Fernmeldeturm Frauenkopf verlagert.

Im Juli 2009 würdigte die Bundesingenieurkammer den Entwerfer des Turms, Fritz Leonhardt, durch die Auszeichnung des Turms mit dem Titel »Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst«.
 
Informationsstand: 31.12.2014
Schlagworte: Sendeanlagen; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik; Fernseh- / Fernmeldetürme
Stichworte: Wayss & Freytag AG; Fritz Leonhardt; Erwin Heinle; Süddeutscher Rundfunk; Antennenträger; Stahlbetonturm; Stahlbetonbauweise; Erstes Deutsches Fernsehen; analoges Fernsehsignal; DVB-T; Fernsehantenne; UKW; DAB; Hörfunkprogramm; Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst; Fernsehturm
 

Quelle(n)

  • Roman Ciesielski (u.a.), Behälter, Bunker, Silos, Schornsteine und Fernsehtürme. Zweite, neubearbeitete Aufl., Berlin 1985
  • Willi Paul, Technische Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Band III. Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Baden-Württemberg, München 1978
  • Fernsehturm ausgezeichnet; in: industriekultur 3/2009, S. 48f.

Bilder

Karte