Wasserkraftwerk Unteropfingen_Bild 1
2016 Norbert Gilson
25.02.2020

Wasserkraftwerk Unteropfingen

Kraftwerkstraße, 88457 Kirchdorf an der Iller

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik
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Das Illerkraftwerk III in Unteropfingen ist zusammen mit den anderen beiden in den 1920er Jahren errichteten Illerkraftwerken ein wichtiges Dokument der damaligen württembergischen Elektrizitätswirtschaft und der Tätigkeit des Bezirksverbandes Oberschwäbische Elektrizitätswerke, der vornehmlich auf den Ausbau regionaler Wasserkräfte zur Sicherstellung seiner Stromerzeugung setzte.


Beschreibung

 

erbaut: 1922-24
Bauherr: Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke
Betreiber: EnBW Kraftwerke AG

Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs begann die Erschließung der Iller, des von der Wasserführung her bedeutendsten Flusses Württembergs, für die Stromerzeugung. Während der Schneeschmelze und bei Hochwasser kann der Fluss bis zu 900 cbm/s Wasser führen. Zu solchen Zeiten sind die Wehre rund um die Uhr besetzt. Im Durchschnitt liegt die Wasserführung bei 60 cbm/s.

Das Kraftwerk Unteropfingen, auch als Illerkraftwerk III bezeichnet, wurde vom Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke am Illerkanal unterhalb des Kraftwerks Tannheim als Kanalkraftwerk errichtet. Bei der Inbetriebnahme 1924 bestand die maschinelle Ausrüstung aus drei Francis-Turbinen mit stehender Welle. 1959 wurde zusätzlich eine Kaplan-Turbine eingebaut. Das Kraftwerk nutzt eine Fallhöhe von 17 m und konnte mit den vier Generatoren mit einer Höchstleistung von insgesamt 13,2 MW jährlich rund 66 Mio. kWh elektrische Energie gewinnen. In den Jahren 2009 bis 2014 wurde das Kraftwerk umfassend modernisiert, so dass die Höchstleistung auf 14,2 MW anstieg.

Ebenso wie die übrigen Illerkraftwerke wurde auch das Kraftwerk Unteropfingen für den so genannten »Schwellbetrieb« eingerichtet. Hinter dem gegenüber dem Kraftwerksgebäude stehenden, hoch aufragenden Einlaufbauwerk (Fotos 4 bis 6) wird dazu der Illerkanal aufgestaut. Der Stausee bildet einen Tagesspeicher, mit dessen Wasservorrat entsprechend den täglichen Bedarfsschwankungen zusätzlich Spitzenstrom erzeugt werden konnte. Vom Stausee gelangt das Wasser durch eine Rechenanlage zu den Turbinen (Foto 7, rechts der Rechen für die 1959 eingebaute Kaplan-Turbine, sowie Fotos 8 und 9). Seit 1985 wird diese Möglichkeit der Anpassung der Erzeugung an regionale Verbrauchsschwankungen durch die Kraftwerke der Region nicht mehr genutzt, sondern die wechselnden Bedarfsanforderungen werden aus dem Verbundnetz gedeckt. Hierbei spielt das in der Nachbarschaft des Kraftwerks gelegene Umspannwerk eine wichtige Rolle.

Mit dem Zusammenschluss der württembergischen Elektrizitätsversorgungsunternehmen 1939 in der  Energie-Versorgung Schwaben AG (EVS) ging das Kraftwerk Unteropfingen vom Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke auf das neue Unternehmen über. Nach der Fusion von EVS und  Badenwerk AG (1997) zur EnBW Energie Baden-Württemberg AG wird das Kraftwerk heute von deren Tochtergesellschaft EnBW Kraftwerke AG betrieben.

Informationsstand: 02.11.2016
Schlagworte: Elektrizitätserzeugung; Laufwasserkraftwerke; Stromerzeugung; Energie; Energy
Stichworte: Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke; EnBW Kraftwerke AG; Erster Weltkrieg; Iller; Illerkraftwerk III; Illerkanal; Kanalkraftwerk; Francis-Turbine; Kaplan-Turbine; Schwellbetrieb; Tagesspeicher; Spitzenstrom; Energie-Versorgung Schwaben AG; EVS; Badenwerk AG; EnBW Energie Baden-Württemberg AG

Quelle(n)

  • Wolfgang Leiner, Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg. Bd. 2,2. Der Weg zur Großwirtschaft (1916 - 1945), Stuttgart 1985
  • Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft e.V. (Hrsg.), Zwischen Alb und Bodensee. Blatt Ost. (TechnikTouren, Nr. 3), Frankfurt am Main 1990
  • Inbetriebnahme der drei Illerkraftwerke des Bezirksverbandes Oberschwäbische Elektrizitätswerke; in: Elektrotechnische Zeitschrift 49(1928), Heft 36, S. 1337
  • Hinweistafel am Objekt


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