Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth_Bild 2
Bernhard Thiem
01.02.2021

Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth

Beim Kraftwerk 1, 82049 Pullach i. Isartal

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VDE Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Der Standort des heutigen, Ende der 1930er Jahre erneuerten Laufwasserkraftwerks in Höllriegelskreuth an der Isar steht für die Frühzeit der Elektrizitätsversorgung von Oberbayern, ging doch hier im November 1894 ein Drehstrom-Elektrizitätswerk mit der für damalige Verhältnisse ungewöhnlich hohen Leistung von 1.360 kW in Betrieb.

Beschreibung


erbaut: 1937-39, 1950-54
Bauherr: Isarwerke AG
Betreiber: Uniper Kraftwerke GmbH


Wenige Kilometer vom Wasserkraftwerk Mühltal entfernt liegt isarabwärts südlich von München das Wasserkraftwerk Höllriegelskreuth. Das Kraftwerk wird von einem bei Buchenhain ausgeleiteten, rund 12 km langen Werkkanal, der in München bei der Braunauer Eisenbahnbrücke wieder in die Isar mündet, mit Wasser versorgt. Das Ende der 1930er Jahre erbaute und 1940 in Betrieb genommene Kraftwerksgebäude spannt sich quer über den Isarkanal. Die Unterstromfassade ist durch Dreierfenstergruppen gegliedert, über denen jeweils mittig Konsolen angebracht sind. Diese zeigen der antiken Mythenwelt entlehnte plastische Darstellungen von Poseidon, Seewesen und Blitze sprühenden Pferden. Die seitlich rechts an das Kraftwerksgebäude anschließenden Baukörper (Foto 1) stammen aus den Jahren 1950 bis 1954.

Der Standort des heutigen Kraftwerks wurde bereits kurz nach 1890 erstmals für den Bau eines Kraftwerks erschlossen, das zunächst für die Stromversorgung von München gedacht war. Dem Münchner Stadtrat war jedoch damals das Risiko zu hoch und er lehnte die angebotene Beteiligung ab. So versorgte das 1894 in Betrieb genommene und in den Jahren 1899/1900 sowie 1906 erweiterte Kraftwerk das damals noch selbständige Thalkirchen sowie weitere Gemeinden in der Umgebung von München mit Strom. Das Mitte der 1930er Jahre zu klein gewordene Kraftwerk wurde dann abgerissen und durch die heute noch vorhandene Kraftwerksanlage ersetzt. Zur Unterstützung in wasserarmen Zeiten wurde das Wasserkraftwerk um 1900 durch eine Dampfkraftanlage mit zwei Dampfmaschinen von 1.000 und 1.100 PS Leistung ergänzt. Diese Anlage wurde mehrfach erweitert und umgebaut, jedoch 1970 stillgelegt und 1977 fast vollständig abgerissen.

Das heute vorhandene Wasserkraftwerk wurde mit zwei Kaplan-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 3,1 MW ausgerüstet. Die beiden Drehstrom-Synchrongeneratoren verfügen jeweils über eine Leistung von 2.500 kVA (entsprechend 1.750 kW). Sie liefern durchschnittlich im Jahr rund 22,6 Mio. kWh elektrische Energie ins öffentliche Versorgungsnetz.
 
Informationsstand: 10.02.2018
Schlagworte: Elektrizitätserzeugung; Laufwasserkraftwerke; Stromerzeugung; Energie; Energy
Stichworte: Isarwerke AG; Uniper Kraftwerke GmbH; Werkkanal; Isar; Isarkanal; München; Thalkirchen; Dampfkraftanlage; Dampfmaschine; Kaplan-Turbine; Drehstrom-Synchrongenerator
 

Quelle(n)

  • Bernhard Thiem (VDE-Südbayern)
  • Die Isar-Amperwerke. 50 Jahre im Dienste der oberbayerischen Stromversorgung 1908 - 1958, o.O. 1958
  • Werner Kraus, Schauplätze der Industriekultur in Bayern, Regensburg 2006

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