Funkturm Feldberg im Taunus_Bild 1
2010/13 Norbert Gilson
20.08.2020

Funkturm Feldberg im Taunus

Großer Feldberg, 61389 Schmitten (Taunus)

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Der Große Feldberg im Taunus ist ein für die Geschichte der deutschen Funktechnik bedeutender Ort. Parallel zum Bau des Senders auf dem Brocken im Harz wurde 1937 auch hier der erste Spatenstich zum Aufbau eines Ultrakurzwellen-Fernsehsenders getan. Noch bevor die Anlage fertig gestellt werden konnte, begann mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg.
Die Anlagen wurden nun - jedenfalls teilweise - für militärische Zwecke in Beschlag genommen, wobei Einzelheiten und Umfang dieser Nutzung nicht weiter bekannt sind. Zeitweise wurde im Zuge der 1940 bei der Deutschen Reichspost angestellten Überlegungen zum Aufbau eines Dezimeterwellennetzes für Weitverkehrs-Telefonieverbindungen auch erwogen, den Standort in eine geplante Funkverbindung von Berlin über Frankfurt nach Grewels (Luxemburg) und von dort weiter nach Paris einzubeziehen.
Der Fernsehturm wurde Anfang März 1945 von alliierten Bombern angegriffen und stark zerstört. Ein Großteil der Gesamtanlage blieb jedoch erhalten. Unter der Regie der Deutschen Bundespost wurden die Anlagen seit 1950 wieder aufgebaut. Im Umfeld des Funkturms baute auch der Hessische Rundfunk eine eigene Sendeanlage auf. Das Feldbergplateau ist heute nach wie vor ein wichtiger Standort für verschiedene Funkbetriebsdienste und deren Sendeanlagen.

Beschreibung

erbaut: 1937/39 / 1950 (Wiederaufbau)
Bauherr: Deutsche Reichspost / Deutsche Bundespost
architektonischer Entwurf: Hans Soeder

Ende Oktober 1937 wurde das Richtfest für den »Fernsehsender Großer Feldberg« gefeiert. Der auf dem mit 880 m höchsten Gipfel des Taunus installierte Sender war dazu gedacht, den Raum Frankfurt mit den neuen  Fernsehprogrammen zu versorgen.
Das neue Bauwerk entstand neben einem auf Initiative des Taunusklubs errichteten und 1902 eingeweihten Aussichtsturm. Dieser brannte im Dezember 1943 vollständig aus, nachdem ein deutsches Militärflugzeug den Turm gerammt hatte und anschließend explodiert war.

Die Vorgeschichte der Sendeanlagen auf dem Großen Feldberg reicht bis ins Jahr 1935 zurück. Nachdem die Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH auf der 9. Großen Deutschen Funkausstellung in Berlin im August 1932 den ersten leistungsstarken UKW-Fernsehsender vorgestellt und ihn in der Folgezeit als Versuchssender getestet hatte, wurde auf dieser Grundlage im März 1935 in Berlin der erste Fernseh-Rundfunk mit regelmäßiger Programmausstrahlung eröffnet. Damit fiel nach den USA und Großbritannien auch in Deutschland der Startschuss zum »Fernsehen«.
Um weitere geeignete Senderstandorte ausfindig zu machen, hatte die Deutsche Reichspost bei der  Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) und bei Telefunken eine fahrbare Sendeanlage in Auftrag gegeben. Diese auf 12 Lastkraftwagen untergebrachte Anlage wurde 1935 zunächst auf dem Brocken im Harz installiert, um von hier aus Versuchssignale auszustrahlen, mit denen Feldstärkemessungen in der Umgebung vorgenommen werden konnten. Im Oktober 1935 wurde die Anlage zum Großen Feldberg umgesetzt. Aufgrund der in beiden Fällen positiven Testergebnisse fiel die Entscheidung, auf beiden Gipfeln einen Fernsehsender zu errichten.

Wie für den Brocken wurde für den Großen Feldberg ein baugleicher, 53 m hoher Turm mit 16 Stockwerken für die Unterbringung der technischen Einrichtungen vorgesehen. Die unteren sechs Stockwerke wurden als Betonkonstruktion mit Bruchsteinverkleidung ausgeführt. Um die Antenne vor Witterungseinflüssen, insbesondere vor der Rauhreifbildung zu schützen, wurde sie in einem turmartigen Holzbauwerk untergebracht, das sich über den Basisstockwerken erhob. Der Turm wurde umgeben mit einem festungsartig wirkenden Rundbau mit Viertelkreis-Grundriss, um hier Bereitschaftsunterkünfte für die Bedienungsmannschaft und Fahrzeuggaragen unterzubringen. Abgeschlossen wird dieser Rundbau durch das so genannte »Diesehaus«, das eine Zusatzstromerzeugungsanlage auf Dieselmotor-Basis beherbergte. An das Dieselhaus schlossen sich die Transformatorenzellen an.

Die Reichweite des Senders entsprach der optischen Sicht und dementsprechend hätte die Ausstrahlung bis in die Gegend von Worms im Süden und Rüdesheim im Südwesten gereicht. Als Fernsehsender ging der »Funkturm« jedoch nicht in Betrieb. Nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden hier Sendeeinrichtungen der Wehrmacht untergebracht. Bis heute ist nicht restlos geklärt, ob sich darunter auch Störsender befanden, um den alliierten Flugfunkverkehr zu bekämpfen. Vermutlich wurde das Feldbergplateau aus diesem Grunde am 8. März 1945 von alliierten Bombern angegriffen und weitgehend zerstört. Auch vom Fernsehturm blieben nur die unteren fünf Stockwerke erhalten. Noch vorhanden ist auch der ursprüngliche Eingang mit den von dem Düsseldorfer Bildhauer Carl Moritz Schreiner geschaffenen Reliefs.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Funkturmruine zunächst von den amerikanischen Streitkräften als provisorische Richtfunkstelle genutzt und dann 1950 an die Deutsche Bundespost übergeben. Unter ihrer Regie begann der Wiederaufbau des Bauwerks und der Sendeanlagen. Dabei erhielt der Sendeturm sein heutiges Aussehen.

Die noch vorhandenen unteren, in Betonbauweise ausgeführten Stockwerke wurden als Betriebs- und Verwaltungsräume eingerichtet und um zwei weitere, achteckige Stockwerke in Stahlkonstruktion ergänzt. Darauf stützen sich zwei weitere Stockwerke in Stahlbeton für die Aufstellung von Richtantennen. Um die Antennenabstrahlung zu gewährleisten, sind die Außenwände aus Kunststoffplatten gestaltet. Darauf wurde ein 10 Stockwerke umfassender, vollständig aus Holz konstruierter und außen durch Eternitplatten geschützter Turm für die Unterbringung der Sende- und Empfangseinrichtungen der Post aufgebaut.

Zunächst kamen hier Richtfunkanlagen, unter anderem für die Übertragung von Telefongesprächen, zur Aufstellung. Für den Hessischen Rundfunk und für AFN (American Forces Network), den Sender der amerikanischen Streitkräfte, betrieb die Bundespost einen UKW-Rundfunksender. Die Anlage war auch ein Standort des Europäischen Funkrufdienstes, dem Vorgänger des »Eurosignals« oder »Europiepsers«, mit dem anfangs von jedem Telefon aus Teilnehmer des Dienstes zu einem Anruf aufgefordert werden konnten.

Neben dem ehemaligen Fernsehsendeturm stehen auf dem Feldberggipfel zwei weitere Bauwerke und ein kombinierter Rohr- und Gittermast. Nach dem Krieg bot der Hessische Rundfunk dem Taunusklub an, den oben schon erwähnten, 1943 zerstörten Aussichtsturm auf eigene Kosten wieder zu erneuern, wenn er gleichzeitig als Träger für eine UKW-Antenne genutzt werden könnte. So wurde 1949 von der Philipp Holzmann AG mit dem Umbau des Turms begonnen. Während Sockel und Turmschaft des Bauwerks erhalten blieben, wurde die ursprüngliche Turmspitze abgebrochen und zur Aufnahme der UKW-Sendeantenne durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Turmschaft und Aussichtskanzel erhielten zum Schutz vor Witterungseinflüssen eine Holzverkleidung, die später am Schaft durch eine Schieferabdeckung ersetzt wurde. Die Sendeantenne auf dem Aussichtsturm ist heute regulär nicht mehr in Betrieb, dient aber noch als Reserveanlage für die UKW-Ausstrahlung.

Gleichzeitig entstand neben dem Aussichtsturm ein neuer, kleinerer Turm in Stahlskelett-Bauweise, auf dem 1953 die Fernsehsendeantenne für das Erste Programm des Hessischen Rundfunks installiert wurde. Die Antenne war als Rohrschlitzantenne ausgeführt und wurde, wie der zugehörige 10 kW-Fernsehsender, von der C. Lorenz AG gebaut.

Das höchste Bauwerk mit heute 119 m ist der abgespannte Sendemast, über den der Hessische Rundfunk lange Zeit seine analogen UKW-Programme und das Erste Fernsehprogramm ausgestrahlt hat. Für die Umstellung des analogen Fernsehens auf die digitale DVB-T-Technik wurde der Sendemast auf seine heutige Höhe aufgestockt. Seit 2006 werden alle Rundfunkdienste, sei es Fernsehen oder Radio, nur noch von diesem Mast ausgestrahlt. Die nach dem Krieg auf dem Funkturm installierte UKW-Sendeantenne wurde anschließend abgebaut.

Informationsstand: 31.12.2013
Schlagworte: Sendeanlagen; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik
Stichworte: Funkturm; Radartechnik; Deutsche Reichspost; Deutsche Bundespost; Fernsehsender; Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH; Zweiter Weltkrieg; Störsender; Telefunken; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; AEG; Europäischer Funkrufdienst; Eurosignal;  Europiepser; Hessischer Rundfunk; UKW-Rundfunk; AFN; American Forces Network; Philipp Holzmann AG; analoges Fernsehen; DVB-T; Digitalrundfunk; C. Lorenz AG; Rohrschlitzantenne
 

Quelle(n)

  • Horst Wagner, Der Aussichtsturm auf dem Großen Feldberg im Taunus, Frankfurt am Main 2002
  • Michael Eschenauer, Wiege des deutschen Fernsehens. Feldberg-Turm ist Symbol des Taunus und ein Stück TV-Geschichte; in: Offenbach-Post, Nr. 295, 19.12.1995

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