Umspannwerk Dornheimer Weg_Bild 1
2017 Norbert Gilson
23.12.2020

Umspannwerk Dornheimer Weg

Dornheimer Weg 24, 64293 Darmstadt

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VDE Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Beschreibung


erbaut: 1926
Architekten: Eugen Seibert, Georg Markwort
Bauherr: Hessische Eisenbahn AG (HEAG)

Nachdem die 1888 im Zentrum von Darmstadt in Betrieb genommene Centralstation mehrfach erweitert worden war, fehlte 1905 der Platz für nochmalige Erweiterungsbauten in der Innenstadt. Die Darmstädter Stadtverordnetenversammlung bewilligte daher im Sommer 1907 einen Betrag für die Errichtung eines neuen Drehstrom-Kraftwerks am Rande des Stadtzentrums am Dornheimer Weg. Im Oktober 1909 konnte das neue Kraftwerk seiner Bestimmung übergeben werden.

 1912 brachte die Stadt Darmstadt ihre Straßenbahn und die Elektrizitätswerke in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft ein, die die Nahverkehrsbetriebe in der Umgebung von Darmstadt beherrschte. Daraus entstand die Hessische Eisenbahn AG (HEAG), die ihren Namen 1941 in Hessische Elektrizitäts AG änderte. Nachdem sich die wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland nach dem Ende der Inflation seit Mitte der 1920er Jahre wieder erholten, stieg auch die Nachfrage nach elektrischem Strom wieder deutlich an. Die HEAG hatte inzwischen ihr Versorgungsgebiet in die Umgebung von Darmstadt und in den Odenwald ausgedehnt. Zur Deckung der Nachfrage war das Unternehmen immer stärker auf den Bezug von Fremdstrom angewiesen. Bereits 1922/23 übertraf die Menge des Fremdstrombezugs mit 14,5 Mio. kWh die in den Darmstädter Werken selbst erzeugte Menge von nur 8 Mio. kWh. Hauptlieferant von Fremdstrom war die Gewerkschaft Gustav mit ihrem Braunkohlekraftwerk in Dettingen. Es zeichnete sich immer stärker ab, dass die beiden ehemals städtischen Kraftwerke künftig nur noch zur Spitzenlastdeckung und als Phasenschieber dienen würden.

Zur Erweiterung des Fremdstrombezugs wurde daher auf dem Gelände am Dornheimer Weg nach Plänen der Architekten Eugen Seibert und Georg Markwort ein neues Umspannwerk mit einem in expressionistischen Formen gestalteten 110-kV-Schalthaus errichtet, das 1926 in Betrieb ging. Die Eigenerzeugung sank nun auf 4,5 Mio. kWh, während der Fremdstrombezug auf 27,5 Mio. kWh anstieg. Die ehemaligen Kraftwerksbauten wurden 1975 abgerissen.

Auf dem Gelände ist heute weiterhin ein Umspannwerk in Betrieb, das Schalthaus ist jedoch seit 1965 stillgelegt und wurde Ende der 1990er Jahre in ein Veranstaltungszentrum umgewandelt.

Informationsstand: 10.02.2018
Schlagworte: Elektrizitätsübertragung / -verteilung; Umspannwerk / Umspannanlage; Energy; Energie; Energienetze
Stichworte: Eugen Seibert; Georg Markwort; Hessische Eisenbahn AG; HEAG; Darmstadt; Drehstromwerk; Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft; Gemeinschaftsunternehmen; Hessische Elektrizitäts AG; Fremdstrom; Gewerkschaft Gustav; Braunkohlekraftwerk; Dettingen; Spitzenlastdeckung; Phasenschieberbetrieb; Umspannwerk; Expressionismus; 110-kV-Schalthaus; Umspannanlage
 

Quelle(n)

  • Wissenschaftsstadt Darmstadt [Hrsg.], Route der Industriekultur Rhein-Main. Darmstadt Süd. Hauptbahnhof bis Eberstadt, Frankfurt am Main 2007
  • Fritz Dietz (Redaktion), 50 Jahre HEAG. 1912 - 1962, Stuttgart 1962
  • Hinweistafel am Objekt


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