Wasserkraftwerk Zülow_Bild 1
2018 Norbert Gilson
30.09.2020

Wasserkraftwerk Zülow

Am Kraftwerk 32, 19406 Zülow

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Die Inbetriebnahme des von den Mecklenburg-Schwerinischen Landes-Elektrizitätswerken erbaute Wasserkraftwerks Zülow im August 1924 war von großer Bedeutung. Es hatte eine tragende Funktion für die flächendeckende Elektrifizierung Nordwestmecklenburgs.


Beschreibung


erbaut: 1922-24
Bauherr: Mecklenburg-Schwerinische Landes-Elektrizitätswerke
Bauausführung: Philipp Holzmann AG
Betreiber: Wasserkraft Zülow GbR

Das Wasserkraftwerk Zülow nutzt die Wasserkraft der Mildenitz, eines eigentlich kleinen Flüsschens, das aber bei Zülo auf rund vier Kilometer Länge ein Gefälle von mehr als 22 m aufzuweisen hat. Das Kraftwerk wurde nicht direkt am Fluss errichtet, sondern an einen rund 4 km langen Oberwasserkanal angeschlossen. Dieser wird aus einem künstlich angelegten Stausee aus, dem Rothener See, gespeist. Der Oberwasserkanal endet in einem Wasserschloss, von dem ein 78 m langes Eisenbetonrohr von 1,50 m Durchmesser das Wasser den Turbinen aufgibt. Von den Turbinen gelangt das Wasser über einen 3 km langen, ebenfalls künstlich angelegten Unterkanal anschließend in den Sternberger See. Auf diese Weise war das Wasserkraftwerk ein Speicherwasserkraftwerk und hatte die Funktion eines Spitzenkraftwerks, das damals vorwiegend der Entlastung des Dieselkraftwerks in Neustadt-Glewe diente. In betriebsschwachen Stunden wurde das Wasser des Rothener Sees aufgestaut, um es in Zeiten der höchsten Belastung in vollem Umfang zur Stromerzeugung ausnutzen zu können.

Bei der Inbetriebnahme im August 1924 war das Kraftwerk mit zwei Francis-Spiralturbinen auf horizontaler Welle von je 675 PS ausgerüstet. Die mit den Turbinen gekuppelten Drehstromgeneratoren hatten eine Leistung von je 500 kW. Der im Kraftwerk mit einer Spannung von 6,3 kV erzeugte Strom wurde im Schalthaus (Foto 3) auf eine Spannung von 15 kV herauftransformiert und in die vom Schalthaus abgehenden vier Fernleitungen eingespeist. Über diese Leitungen bestand unter anderem eine Kupplung mit dem Dieselkraftwerk in Neustadt-Glewe und dem Wasserkraftwerk Hechtsfortschleuse bei Grabow.

Das Wasserkraftwerk Zülow hatte eine tragende Funktion für die flächendeckende Elektrifizierung Nordwestmecklenburgs, die von dem im Juni 1920 gegründeten staatlichen Unternehmen mit dem Namen Mecklenburg-Schwerinische Landes-Elektrizitätswerke (LEW) in die Hand genommen wurde. Die  LEW wurde 1931 von der Märkische Elektrizitätswerk AG übernommen. Die ursprüngliche Kraftwerkseinrichtung wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch die sowjetische Besatzung demontiert. Daher erfolgte 1953 ein kompletter Neubau der Stromerzeugungsanlage.

Heute wird das Kraftwerk als Laufwasserkraftwerk betrieben und erzeugt jährlich rund 3,5 Mio. kWh elektrische Energie. Das bis 2004 von der Westmecklenburgische Energieversorgung AG (Wemag) betriebene Kraftwerk ist heute immer noch das größte Wasserkraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern und nördlich von Berlin. Es wird inzwischen von einem privaten Besitzer unter dem Namen Wasserkraft Zülow GbR betrieben.
 
Informationsstand:
Schlagworte: Elektrizitätserzeugung; Wasserkraftwerke
Stichworte: Westmecklenburgische Energieversorgung AG; Wemag; Mecklenburg-Schwerinische Landes-Elektrizitätswerke; Philipp Holzmann AG; Wasserkraft Zülow GbR; Mildenitz; Rothener See; Sternberger See; Oberwasserkanal; Wasserschloss; Eisenbetonrohr; Unterwasserkanal; Elektrifizierung; Francis-Spiralturbine; Drehstromgenerator; Schalthaus; Spitzenkraftwerk; Laufwasserkraftwerk

 
Quelle(n)

  • Das Wasserkraftwerk Zülow; in: Die Wasserkraft 19(1924), Heft 22, S. 414
  • Georg Scheehl, Die Elektrizitätsversorgung Schleswig-Holsteins und West-Mecklenburgs; in: Elektrotechnische Zeitschrift 45(1924), Heft 29, S. 771-774
  • Informationszentrale der Elektrizitätswirtschaft e.V. (Hrsg.), Zwischen Lübeck, Rostock und Schwerin. Tips für Technik-Trips, (TechnikTouren, Nr. 15), Frankfurt am Main 1993
  • Ingo Sens, Geschichte der Energieversorgung in Mecklenburg und Vorpommern von ihren Anfängen im 19. Jahrhundert bis zum Jahr 1990, Rostock 1997
  • Wolf Karge [Mitarb.], Verschwunden - vergessen - bewahrt? Denkmale und Erbe der Technikgeschichte in Mecklenburg-Vorpommern, Rostock 1997
  • Hinweistafel am Objekt

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