Rundfunksendestelle Burg_Bild 1
2014 Norbert Gilson
25.02.2020

Rundfunksendestelle Burg

Brehm, 39288 Burg b. Magdeburg

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Die Rundfunksendestelle Burg ist ein Dokument des Aufbaus des Rundfunks in der DDR zu Beginn der 1950er Jahre. Die Sendestelle repräsentiert die bis zum Beginn der 1990er Jahre noch praktizierte Ausstrahlung von Mittel- und Langwellensignalen. Nach der weitgehenden Demontage der technischen Einrichtungen zeugt noch die gut erhaltene Gesamtanlage von der einstigen Bedeutung der Rundfunksender in der DDR, die auch mit militärischen Mitteln gesichert wurden.

Beschreibung


erbaut: 1953 / 1978

Die Rundfunksendestelle Burg, nach ihrer Lage in einem Ortsteil von Burg auch als »Funkamt Brehm« (Foto 5) bezeichnet, wurde zu Beginn der 1950er Jahre errichtet und war damals für Langwellenausstrahlung konzipiert. Bei der Inbetriebnahme diente die Anlage jedoch zunächst als Mittelwellensender. Die beiden baugleichen 250 kW-Sender befanden sich in dem 1953, zusammen mit dem Verwaltungsbau und Pförtnerhaus (Fotos 1 und 2), errichteten Sendegebäude. Zur Ausstrahlung diente der gleichzeitig aufgestellte, 324 m hohe Zentralmast (Foto 3).

Bei dem Zentralmast handelt es sich um einen Stahlgittermast, der ursprünglich als »ARRT-Antenne« (Abkürzung aus dem Russischen, übersetzt: »Antenne mit regulierbarer Stromverteilung«) betrieben wurde. Dabei wurden senkrecht entlang des am Fußpunkt geerdeten Mastes, in Form einer Reusenantenne, Antennendrähte geführt, die in 108 m und 216 m Höhe rundum wie mit einem Gürtel zusammengeschnürt waren. Durch diese besondere Anordnung der Dipole und eine entsprechende Speisung ließ sich eine flache, schwundmindernde Abstrahlung der Lang- bzw. Mittelwellensignale erreichen. 1995 wurde die Antennenkonstruktion so weit demontiert, dass nur noch der Tragmast übrig blieb. Anschließend wurde dieser saniert und es wurden sechs senkrecht montierte Rhombusantennen daran befestigt, die einen neuen Langwellensender bildeten. Auf der Frequenz 261 kHz wurde von dort aus bis 2000 das Programm von »Radioropa Info«, einer bis 2008 bestehenden Sendekette von mehreren deutschsprachigen privaten Hörfunkprogrammen, ausgestrahlt.

Als weitere Antennen waren ursprünglich zwei 210 m hohe Rohrmaste aufgestellt, von denen einer im Juni 2006 gesprengt wurde, da für diesen Mast kein Bedarf mehr vorhanden war. Ebenso wie der gesprengte steht der noch vorhandene Mast (Foto 4) auf riesigen Isolatoren, so dass er als fußpunktgespeister selbststrahlender Antennenmast für Lang- und Mittelwelle betrieben werden kann.

Von außen nicht sichtbar sind drei Steilstrahlantennen, die an zwei frei stehenden, 70 m hohen Stahlfachwerktürmen aufgehängt sind sowie eine Dreieckflächenantenne für Mittelwellenausstrahlung. Ein ursprünglich in einiger Entfernung vom Sendergelände vorhandener, 350 m hoher Stahlgittermast, der zur Rundfunkversorgung der sowjetischen Truppen in Deutschland mit »Radio Wolga« auf 261 kHz diente, stürzte infolge eines Materialfehlers Anfang 1976 ein und wurde nicht wieder aufgebaut.
Die Sendertechnik der Anlage - die beiden 250 kW-Sender von 1953 und der 1978 in Betrieb genommene, aus der Sowjetunion importierte 1.000 kW-Sender - wurden inzwischen demontiert.

Entsprechend seiner Bedeutung war das gesamte Gelände zu DDR-Zeiten militärisch gesichert und bewacht. Zahlreiche Nebengebäude, unter anderem Befestigungsanlagen und Wachtürme, lassen diese Situation heute noch deutlich werden (Fotos 6 bis 8).

Informationsstand: 02.05.2016
Schlagworte: Sendeanlagen; Informations- und Kommunikationstechnik (IKT); Nachrichten- und Kommunikationstechnik
Stichworte: Funkamt Brehm; Langwellensender; Mittelwellensender; Stahlgittermast; ARRT-Antenne; Antenne mit regulierbarer Stromverteilung; Reusenantenne; schwundmindernde Abstrahlung; Rhombusantenne; Radioropa Info; Rohrmast; Steilstrahlantenne; Dreieckflächenantenne; Radio Wolga; DDR; Bewachung; Befestigungsanlage; Wachturm
 

Quelle(n)

  • Gerd Klawitter (Hrsg.), 100 Jahre Funktechnik in Deutschland. Funksendestellen rund um Berlin, Berlin 1997

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