Stadtmuseum Wedel_Bild 1
2016 Norbert Gilson
25.02.2020

Stadtmuseum Wedel

Rosengarten 10, 22880 Wedel (Holstein)

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik


Die technikgeschichtliche Sammlung des Stadtmuseums Wedel präsentiert den Ort nicht nur als bedeutenden Industriestandort Schleswig-Holsteins, auch die Lebensgeschichte von Eduard Schüller, des Pioniers der Tonbandtechnik und Videoaufzeichnung, der in Wedel begraben ist, wird hier ausführlich gewürdigt.


Beschreibung


Das Stadtmuseum Wedel präsentiert in seinem Standort auf dem Gelände der Firma Möller-Wedel GmbH (Rosengarten 10) seine industrie- und technikgeschichtliche Sammlung. Wedel war und ist heute noch ein bedeutender Industriestandort in Norddeutschland. Hier gründete Diedrich Möller 1864 eine kleine optische Werkstatt, die sein Sohn Hugo zu einem führenden Unternehmen der Präzisionsoptik ausbaute. Die bei Möller-Wedel ausgestellte Sammlung bietet aus den Bereichen der Akustik und Optik sowie der Solartechnik eine „Technikgeschichte zum Anfassen″, bei der verschiedene technische Geräte selbst betrieben und damit Experimente durchgeführt werden können. Für Technikinteressierte und Nostalgiker, aber auch für Kinder und Jugendliche wird der Besuch zu einem ganz besonderen Erlebnis!


Auf dem Wedeler Friedhof liegt das Grab von Eduard Schüller, dessen Name nur noch wenigen Spezialisten bekannt ist, der aber für Wedel und für die Geschichte der elektrischen Nachrichtentechnik eine große Bedeutung hatte. Schüller hatte nach einer praktischen Ausbildung bei der Berliner Aktiengesellschaft Mix & Genest, Telephon- und Telegraphen-Werke das Abitur nachgeholt und 1926 das Studium der Fernmeldetechnik, Feinmechanik und Akustik an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg aufgenommen. Am Heinrich-Hertz-Institut fertigte er seine Diplomarbeit über das Thema der »magnetischen Schallaufzeichnung« an, das seinen weiteren Lebensweg bestimmte. Bei seinen Arbeiten zur Magnettontechnik am Heinrich-Hertz-Institut lernte er den Erfinder Fritz Pfleumer kennen, der vorschlug, zur Tonaufzeichnung anstelle von Stahlband ein mit Eisenpulver bestäubtes Papierband zu verwenden. Schüllers Experimente damit waren vielversprechend. Nachdem Pfleumer sein Pulverband-Patent an die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) verkauft hatte, erhielt Schüller im August 1933 von der AEG den Auftrag zur weiteren Grundlagenentwicklung auf dem Gebiet der Magnettontechnik. Die gerätetechnische Arbeit zur Entwicklung eines „Geräts zur Aufnahme und Wiedergabe von Sprache und Musik″ lag bei der AEG, die Badische Anilin- & Sodafabrik (BASF) entwickelte die Tonbänder auf Kunststoffbasis. Durch die Erfindung des „Ringkopfs″, eines „Magnetisierungskopfes für Längsmagnetisierung von Magnetogrammträgern″ gelang es Schüller 1933, den bis dahin schwächsten Punkt dieses Aufnahme- und Wiedergabeverfahrens zu beseitigen. Schüller wurde daraufhin zum technischen Leiter der Magnetophonfabrik der AEG ernannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete Schüller unter abenteuerlichen Bedingungen aus Berlin nach Hamburg. Die Geschichte kann man auf der Website des Museums (siehe unten -> zur Biografie von Eduard Schüller - PDF-Datei) nachlesen. Schüller baute zunächst in Hamburg eine Tonbandgeräte-Fertigung auf, vornehmlich für die deutschen Rundfunkanstalten. Nachdem die AEG die Tonbandtechnik 1954 an ihre Tochtergesellschaft Telefunken AG abgegeben hatte und eine Erweiterung der Produktion anstand, fand Schüller 1955 in Wedel einen geeigneten Standort für ein neues Werk. Inzwischen hatte Schüller ein weiteres Patent über das Schrägaufzeichnungsverfahren mit rotierendem Magnetkopf angemeldet, das den entscheidenden Beitrag für den Fortschritt der Bildaufzeichnungstechnik (Videotechnik) bildete und seitdem als Basistechnik aller analogen Videorecorder weltweit angewendet wurde.

Informationsstand: 29.03.2017
Schlagworte: Elektroindustrie; Nachrichtentechnik
Stichworte: Stadtmuseum Wedel; Möller-Wedel GmbH; technikgeschichtliche Sammlung; Wedel; Industriestandort; Diedrich Möller; optische Werkstatt; Hugo Möller; Präzisionsoptik; Akustik; Optik; Solartechnik; Eduard Schüller; Nachrichtentechnik; Aktiengesellschaft Mix & Genest, Telephon- und Telegraphen-Werke; Fernmeldetechnik; Feinmechanik; Technische Hochschule Berlin-Charlottenburg; Heinrich-Hertz-Institut; magnetische Schallaufzeichnung; Magnettontechnik; Fritz Pfleumer; Tonaufzeichnung; Pulverband-Patent; Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft; AEG; Magnettontechnik; Badische Anilin- & Sodafabrik; BASF; Tonband; Ringkopfs; Magnetisierungskopf; Magnetophonfabrik; Zweiter Weltkrieg; Tonbandgeräte-Fertigung; Telefunken AG; Schrägaufzeichnungsverfahren; Bildaufzeichnungstechnik

Quelle(n)

  • Gerhard Kuper, Eduard Schüller, ein bedeutender Erfinder, bringt AEG und Telefunken nach Wedel; PDF-Datei auf www.wedel.de/fileadmin/user_upload/media/pdf/Kultur_und-Bildung/Stadtmuseum/Eduard-Schu__ller-Wedel-Variante2.pdf (Stand: 14.03.2017)
  • Kurt Jäger / Friedrich Heilbronner, Lexikon der Elektrotechniker, 2. Aufl., Berlin / Offenbach 2010



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