Stefan Eibl, Mareen Tiedemann und Michael Dopichaj

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14.10.2022 Pressemitteilung

Interviews zum Weltnormentag: "Große Aufgaben liegen vor uns, und wir lösen sie nur global“

In einer Gesprächsrunde erklären drei Young Professionals, warum Normung Brücken baut, welche Rolle Diversität spielt und warum für die Zukunft jedes Puzzlestück zählt. Mareen Tiedemann, Stefan Eibl und Michael Dopichaj sind Mitglieder bei Next Generation DKE und Teil des IEC Young Professional-Programms. Dieses Interview ist Teil einer gemeinsamen Interviewreihe Klimaschutz und Normung zum Weltnormentag am 14. Oktober 2022 von DKE, DIN und VDI.

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Wie können Normen und Standards aus Eurer Sicht die Verbreitung nachhaltiger Technologien fördern?

Stefan Eibl: Die Normung ist die Brücke zwischen regulatorischen Vorgaben und der Entwicklung eines Produkts. Speziell bei nachhaltigen Technologien braucht es zügig Aktualisierungen zum neuen Stand der Technik, damit Produkte zeitnah entwickelt und in den Markt eingeführt werden können.

Mareen Tiedemann: Bei Themen wie Windenergie oder erneuerbaren Energien generell brauchen wir weltweit einen gemeinsamen Nenner für die Entwicklung, denn Nachhaltigkeit und Klimaschutz sind globale Themen. Die Normung ist die Verständigungsbasis dafür, ohne sie kann es kein gemeinsames Konzept geben. Ganz nebenbei bemerkt ist es auch so, dass Normung internationale Zusammenarbeit fördert, denn Menschen arbeiten daran rund um die Welt – auch das ist ein Nachhaltigkeitsaspekt.

Michael Dopichaj: Vieles wurde schon gesagt. Neue Technologien brauchen Normen, das ist klar. Und egal, in welchem Bereich, wir müssen überall nachhaltiger werden. Das können und müssen wir mit der Normung fördern.

Ihr seid in der Next Generation DKE aktiv. Wie ist Euer Netzwerk in Sachen Klimaschutz unterwegs?

Mareen Tiedemann: Wir haben einen virtuellen Stammtisch, bei dem wir uns mit Zukunftsthemen auseinandersetzen und zusammen mit eingeladenen Experten diskutieren, wie wir diese in der Normung verankern. Dabei schauen wir uns zum Beispiel an, was uns auf dem Weg zur Dekarbonisierung fehlt, sowohl fachlich als auch von der Normung her. Es ist aus meiner Sicht sehr wichtig, über den eigenen Tellerrand zu schauen, denn Klimaschutz braucht möglichst offenes Denken und viele Perspektiven.

Michael Dopichaj: Für mich bedeutet Nachhaltigkeit auch, aktiv Nachwuchsförderung zu betreiben. In der Normung gibt es sehr viele erfahrene Kolleg*innen, von denen junge Menschen viel lernen können, und es kommen wichtige Impulse von Newcomern, die eine andere Sichtweise einbringen. Diese Dynamik und Team-Vielfalt brauchen wir, um die Dinge voranzubringen.

Stefan Eibl: Ich stimme Euch beiden zu. Auch für mich ist zentral, dass wir innerhalb des Netzwerks Kolleg*innen aus vielen verschiedenen Bereichen haben, die jeweils ihre Perspektive einbringen. So entsteht eine sehr gute Plattform für die Ideensuche, die sich für konkrete Projekte nutzen lässt.

Was wäre aus Eurer Sicht zu verbessern, damit die Normung das Thema Nachhaltigkeit noch besser unterstützen kann?

Michael Dopichaj: Wir brauchen dringend mehr Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit. In der Phase der öffentlichen Kommentierung kann jeder Mensch seine Aspekte einbringen; manchmal gibt es dann eine Einladung zu einer Gremiensitzung, oder die Expert*innen arbeiten die eingebrachten Kommentare ein. Das müsste viel bekannter sein, um die Gesellschaft mehr einzubeziehen.

Mareen Tiedemann: Diese Einschätzung teile ich. Zusätzlich sollten wir immer weiter die Barrieren reduzieren zwischen der jungen Generation und den erfahrenen Expert*innen, was Michael vorhin schon angesprochen hat. Nur durch den intensiven Austausch können wir Themen wie Circular Economy, Datenschutz oder erneuerbare Energien stemmen.

Stefan Eibl: Ich denke, alle Parteien müssen noch viel stärker miteinander auf gleicher Linie arbeiten. Wir brauchen einen stärkeren Konsens zwischen allen Ländern und müssen die Normungsarbeit so gestalten, dass sie in Richtung Nachhaltigkeit läuft. Das ist eine große Aufgabe, die wir nur global lösen können.

Welche Ziele verfolgt Ihr in Eurem eigenen beruflichen Schaffen mit Blick auf eine nachhaltige Zukunft?

Stefan Eibl: Ich möchte darauf hin arbeiten, dass Normung die Entwicklung nachhaltiger Produkte fördert. Daher beschäftige ich mich mit der Frage, was wir normativ tun müssen, damit Unternehmen nachhaltige Produkte auf den Markt bringen und nicht den Eindruck haben, dass sie mit zu vielen Hürden konfrontiert sind.

Michael Dopichaj: Ich habe mich mit Blick auf Nachhaltigkeit ganz bewusst für meinen Job bei im Bahnbereich entschieden. Dort ist die Elektrifizierung schon seit langer Zeit elementarer Bestandteil der Mobilität, und selbst eine Diesel-Lok hat dank höherer Aerodynamik und geringem Rollreibwiderstand eine deutlich höhere Effizienz als ein Diesel-LKW.

Mareen Tiedemann: In meiner Promotion habe ich mich damit beschäftigt, wie Windenergie kostengünstiger gestaltet werden kann. Das ist ein kleines Puzzlestück auf dem Weg zu meiner Vision, einer weltweit vernetzten Energiewirtschaft auf Basis erneuerbarer Energien. Vor diesem Hintergrund freut es mich sehr, dass Stefan, Michael und ich Teil des IEC Young Professional-Programms sind. Wir wollen erneuerbare Energien global voranbringen, und auf dieser Ebene können wir daran arbeiten.


Stefan Eibl hat 2016 seinen Master in Maschinenwesen absolviert und ist seitdem in verschiedenen Positionen für die Truma Gerätetechnik GmbH & Co.KG tätig. Seit 2022 hat er die Position eines Requirements & Compliance Engineer im Competence Center Air Conditioning Systems inne.

Mareen Tiedemann ist Beraterin für Erneuerbare Energien und Power-to-X-Technologien und studierte Windenergie-und Maschinenbauingenieurin. Sie moderiert seit 2021 den Normungsstammtisch bei der Next Generation DKE.

Michael Dopichaj hat Elektrotechnik studiert und ist HW-Entwickler für Zugelektronik bei Siemens mit einer großen Leidenschaft für Bahntechnik.


Weltnormentag 2022: Interviews zum Thema Klimaschutz und Normung

Die internationalen Normungsorganisationen und ihre nationalen Mitglieder feiern am 14. Oktober den Weltnormentag und verdeutlicht damit die Wichtigkeit von Normen und Standards.  Der Weltnormentag 2022 steht unter dem Motto „SHARED VISION FOR A BETTER WORLD“ und stellt den Nutzen der Normung für die Erreichung der Sustainable Development Goals – und hier insbesondere den Klimaschutz – in den Mittelpunkt. Mit einer Reihe von Interviews mit interessanten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik möchten die drei Regelsetzer DIN, DKE und VDI am Weltnormentag gemeinsam das Scheinwerferlicht auf die vor Wirtschaft und Gesellschaft liegenden Aufgaben im Kampf gegen den Klimawandel richten. Mit unseren Gesprächspartner*innen sprechen wir über die Herausforderungen ihrer Branchen, die Chancen der grünen Transformation und diskutieren Lösungen – wie z.B. Normen und Standards.

Weitere Interviews finden Sie hier:

Roland Bent, DKE Vorsitzender

Burkhard Holder, Geschäftsführer VDE Renewables

Prof. Dr. Mario Schmidt, Leiter des Instituts für Industrial Ecology (INEC) der Hochschule Pforzheim

Dr.-Ing. Reiner Härdtl, Leiter des Teams Normen, Patente, Information & Dokumentation im Global R&D Department von Heidelberg Materials

Dr. Franziska Brantner, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz

Harald Bradke, Vorsitzender des Interdisziplinären Gremiums Klimaschutz und Energiewende im VDI


Über DKE

Die vom VDE getragene DKE Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in DIN und VDE (DKE) ist die Plattform für rund 9.000 Expert*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zur Erarbeitung von Normen, Standards und Sicherheitsbestimmungen für die Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik. Normen unterstützen den weltweiten Handel und dienen u. a. der Sicherheit, Interoperabilität und Funktionalität von Produkten und Anlagen. Als Kompetenzzentrum für elektrotechnische Normung vertritt die DKE die Interessen der deutschen Wirtschaft in europäischen (CENELEC, ETSI) und internationalen Normenorganisationen (IEC). Darüber hinaus erbringt die DKE umfangreiche Dienstleistungen rund um die Normung und das VDE Vorschriftenwerk. 

Mehr Informationen unter www.dke.de  

Über den VDE

Der VDE, eine der größten Technologie-Organisationen Europas, steht seit mehr als 125 Jahren für Innovation und technologischen Fortschritt. Als einzige Organisation weltweit vereint der VDE dabei Wissenschaft, Standardisierung, Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach. Das VDE Zeichen gilt seit mehr als 100 Jahren als Synonym für höchste Sicherheitsstandards und Verbraucherschutz.

Wir setzen uns ein für die Forschungs- und Nachwuchsförderung und für das lebenslange Lernen mit Weiterbildungsangeboten „on the job“. Im VDE Netzwerk engagieren sich über 2.000 Mitarbeiter*innen an über 60 Standorten weltweit, mehr als 100.000 ehrenamtliche Expert*innen und rund 1.500 Unternehmen gestalten im Netzwerk VDE eine lebenswerte Zukunft: vernetzt, digital, elektrisch.
Wir gestalten die e-diale Zukunft.

Sitz des VDE (VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik e.V.) ist Frankfurt am Main. Mehr Informationen unter www.vde.com