Claudia Eckert ist Präsidentin von acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften, leitet als Expertin für Cybersicherheit das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC und ist Professorin an der TU München.
| © acatech / David AusserhoferDer Hightech Agenda liegt eine zentrale Einsicht zugrunde: Wirklich neue, disruptive Technologien bauen auf Deeptech-Forschung auf. Also auf Forschung an KI, aber auch an Quantentechnologien oder auch Kernfusion: Bereiche die bahnbrechende Entwicklungen und Geschäftsmöglichkeiten für eine Vielzahl von Branchen bewirken können und auch einen Nährboden für innovative Start-ups bilden. Durchbrüche bei umwälzenden Technologien können sehr schnell eine hohe Marktdurchdringung erzielen, wie an KI-Lösungen deutlich zu sehen ist. Oder es entstehen spezielle, technologische Lösungen, wie Quantensensorik oder spezielle Lasertechnologien, die ebenfalls rasch zu Markterfolgen führen können.
Disruptive Technologien benötigen einen langen Atem: Bis zu einem breiten und skalierenden Einsatz von Quantentechnologien und deren Anwendungen oder auch bis zu einem nachhaltig und wirtschaftlich zu betreibenden Fusionskraftwerk müssen einige wissenschaftliche und technische Herausforderungen gelöst werden. Auf dem Weg dorthin sind bereits viele kommerziell verwertbare Zwischenlösungen zu erwarten. Der Weg kann also selbst als Ziel gesehen werden. Langfristig zahlt sich intensive Forschung an den Schlüsseltechnologien von morgen immer aus. Diese Forschung brauchen wir, um souveräner agieren zu können und mit eigenen Spitzentechnologien eigene Standards zu setzen.
Die Hightech Agenda geht deshalb technologische Innovation von beiden Seiten an: Sie zielt auf beschleunigte Umsetzung guter Ideen in neue Wertschöpfung und zugleich auf langlaufende Initiativen im Deeptech-Bereich. Wichtig wird dabei sein, dass Deutschland auch seine Stärken in weniger sichtbaren, aber unverzichtbaren Technologie-Bereichen ausspielt und ausbaut. Beispielsweise in der Materialwissenschaft und Werkstofftechnik: Dort entstehen unverzichtbare Enabler für Fusionsreaktoren, Quantencomputing und andere Schlüsselindustrien von heute, morgen und übermorgen. Ebenso wird es auch darauf ankommen, Deutschlands Stärke im Entwickeln, Konstruieren und verlässlichen Betreiben komplexer, autonom agierender technischer Systeme auszubauen und mit innovativen Lösungen – unter anderem im System Engineering – den Produktions- und Entwicklungsstandort weiter zu stärken: Engineered in Germany.
18 Milliarden Euro hat allein das BMFTR von 2025 bis 2029 für die Hightech Agenda Deutschland in Aussicht gestellt – davon 5,5 Milliarden aus dem sogenannten Sondervermögen und knapp 4,5 Milliarden aus dem Klima- und Transformationsfonds. Damit zeigt die Politik eindrucksvoll den Willen, in Forschung und Innovation zu investieren. Klar ist aber auch: Die Politik macht keine Innovationen. Diese entstehen in einem wettbewerbsfähigen Innovations-Ökosystem, in dem exzellente Wissenschaftler, innovationsoffene große, aber insbesondere auch mittelständische Unternehmen und Startups eng zusammenarbeiten, um mit einem schnellen Transfer der innovativen Ideen zur Stärkung der Wirtschaft beizutragen.
Die Politik sollte dafür die Rahmen so setzen, dass Freiräume für Innovationen geschaffen, Infrastrukturen wie Rechenkapazitäten für KI-Nutzung bereitgestellt und auch Nutzungsmöglichkeiten von Daten erleichtert werden. Die HTAD benennt bereits Instrumente wie Reallabore oder die Einrichtung von Innovation Hubs – wichtige und richtige Ansätze. Die zentrale Rolle im Innovationssystem spielen aber die Wirtschaftsunternehmen. Bereits heute bringen forschende Unternehmen mehr als zwei Drittel der F&E-Ausgaben in Deutschland auf – hier liegt Deutschland weit vorn im EU- und auch weltweiten Vergleich. Über gezielt aufzubauende industrielle Hubs und Ökosysteme besteht die Chance, noch schneller Innovationen in wirtschaftliche Stärke zu überführen.
Die Bundesmittel müssen zu einem Hebel werden und private Investitionen anreizen: Wenn öffentliche mit privaten Investitionen in Forschung, Entwicklung und Innovationstransfer zusammenspielen, kann die Hightech Agenda Deutschland einen deutlichen Innovationsschub bringen. Es wird also auf die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Startups und Politik ankommen.