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Kamedi GmbH
01.04.2026 VDE dialog

Unternehmensgründung: „Man findet viele Vorbilder in Deutschland“

Ein eigenes Start-up zu gründen, ist der Traum vieler Studierender. Der Weg kann langwierig sein, aber der Aufwand lohnt sich, wie die Kamedi GmbH zeigt. Lukas Liedtke hat das Unternehmen 2018 als Start-up gegründet, inzwischen exportiert das Team sein Produkt, den smarten Insektenstichheiler heat it, in die ganze Welt. 

Interview: Julian Hörndlein

Liedtke

Lukas Liedtke, Erfinder von "heat it"

| Kamedi GmbH

VDE dialog: Dem Gründungsstandort Deutschland haftet ein eher negatives Image an: zu Recht?

Lukas Liedtke: Ich möchte da nicht ins gleiche Horn blasen. Als wir das Unternehmen gegründet haben, sind wir auf eine Szene getroffen, die sehr innovativ war und uns auch Unterstützung gegeben hat. Wir sitzen in Karlsruhe, das ist klein genug, dass man zu jedem schnell in Kontakt kommt, aber groß genug, dass man auch viele Vorbilder im Umfeld findet. Diese Diagnose würde ich sogar auf Baden-Württemberg und ganz Deutschland ausweiten. Ein wichtiges Mittel ist sicherlich das EXIST-Gründungsstipendium.

Das ihr auch selbst erhalten habt.

Genau. Das ist ein tolles Beispiel für die Vernetzung am Standort Deutschland. Wir sind mit unserer Idee, dem Insektenstichheiler heat it, beim VDE Studierendenwettbewerb COSIMA angetreten. Bei der Präsentation unseres Projekts in München haben wir nicht nur gesehen, dass ein großes Interesse an unserem Produkt besteht. Dort kamen bereits erste Professoren und Doktoranden auf uns zu und haben uns geraten, uns um ein EXIST-Stipendium zu bemühen.

Bei EXIST erhalten die Gründungsteams für die Dauer von zwölf Monaten finanzielle Unterstützung, um einen Businessplan auszuarbeiten und sich auf die Gründung vorzubereiten. Wie hat euch die Unterstützung weitergebracht?

Die war sehr wertvoll für uns. Durch die Zusammenarbeit mit dem Institut für Mikrostrukturtechnik am Karlsruher Institut für Technologie konnten wir unser eigenes Büro beziehen, Labore mitnutzen, vielfältige Unterstützung genießen und uns auf die „echte Selbstständigkeit“ vorbereiten. Es folgten dann erste Gespräche mit Investoren und Mitbewerbern zu einer möglichen Zusammenarbeit. Wir haben relativ schnell gemerkt, dass heat it ein zertifiziertes Medizinprodukt sein muss, das Geld, Zeit und vor allem harte Arbeit benötigt. Nach der Gründung 2018 haben wir 2019 eine Crowdfunding-Kampagne angestoßen und mit dem TÜV Süd die Zertifizierung durchgeführt, sodass wir 2020 die erste Generation unseres Stichheilers auf den Markt bringen und vertreiben konnten.

Das Prinzip von Insektenstichheilern, die auf Wärme basieren, ist bekannt. Warum hat euer Produkt trotzdem so schnell Anklang gefunden?

Uns ist sehr früh klar geworden, dass es sich um ein echtes Massenprodukt handelt und man mit der Idee ein kleines Team finanzieren kann. Wie viel davon dann aber wirklich Realität geworden ist, das hat uns selbst überrascht. Das eigentliche Prinzip hat einen „Aha-Effekt“, über den die Menschen reden. Das kommt uns zugute, auch wenn wir die Technologie selbst nicht erfunden haben. Hinzu kommen die neuen Aspekte von unserem Produkt: Die Kompaktheit, die Einfachheit, aber auch die Anbindung ans Smartphone: heat it wird in die Ladebuchse gesteckt und schon kann es losgehen. Über eine App können die Behandlungsparameter individuell angepasst werden.

Eine Mücke sticht zu

Wenn Insekten stechen, hilft ein kurzer, konzentrierten Wärmeimpuls, um Juckreiz, Schmerz und Schwellung zu lindern. Auf diesem Prinzip basiert auch "heat it".

| Mathias Weil / stock.adobe.com

Aus der Erfahrung mit heat it: Was ist dein Ratschlag an andere Gründerinnen und Gründer?

Es braucht letztlich gar keine Rieseninnovation, wenn man ein gutes Produkt baut, das an einigen wesentlichen Stellen einen deutlich sichtbaren Mehrwert bietet – sei es qualitativ, preislich oder vom Funktionsumfang. Wir profitieren davon, dass sich das Wirkprinzip bereits herumgesprochen hat – leisten jetzt aber auch zum Beispiel in den USA Aufbauleistung.

Wie sehen die nächsten Schritte für das Unternehmen aus?

Unser Kernprodukt heat it bietet noch großes Potenzial, gerade im Ausland. Wir beschäftigen uns auch mit anderen Anwendungsfällen für die Wärme, zum Beispiel bei Lippenherpes. Mit der Zeit möchten wir uns breit aufstellen, weil wir jetzt auch das Team, die Vertriebskanäle und die Erfahrung haben. Sukzessive möchten wir das Portfolio erweitern, aber dürfen dabei nicht den Fokus verlieren, sondern auch die Sachen, die funktionieren, erst einmal weiter ausbauen.

Eine Erfolgsgeschichte, die im COSIMA-Wettbewerb ihren Anfang fand. Würde es das Unternehmen und heat it ohne den Wettbewerb überhaupt geben?

Ohne COSIMA hätten wir das nicht durchgezogen. Durch den Wettbewerb hat man ein Ziel, auf das man hinarbeitet. Man muss sich im eigenen Beitrag auch viel mit Themen befassen, zu denen man vorher vielleicht keinen Bezug hatte – in unserem Fall war das das Marketing.

Was hat euch in der Arbeit motiviert?

Für mich war von Anfang an klar, dass das kein theoretisches Problem ist, für das irgendeine Lösung gefunden wird, sondern dass wir wirklich an etwas Konkretem arbeiten. COSIMA hat uns einen Rahmen gesetzt und uns gezeigt, wie wichtig Deadlines sind – nach dem Motto: „Wir müssen uns noch mal zusammensetzen, weil es nächste Woche auf der Messe schlicht funktionieren muss.“ Der Sieg bei COSIMA war dann wirklich die Initialzündung für das Unternehmen.

Zur Person: Lukas Liedtke (33) ist Mitgründer und Geschäftsführer der Kamedi GmbH mit Sitz in Karlsruhe, die den smarten Insektenstichheiler heat it entwickelt und vertreibt. Er hat Maschinenbau mit Schwerpunkt Mikrosystemtechnik und Medizintechnik am Karlsruher Institut für Technologie studiert und als Teil des heat-it-Teams 2018 den VDE Wettbewerb COSIMA gewonnen. Im gleichen Jahr wurde die Kamedi GmbH gegründet.

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