Kuenstliche Intelligenz Industrie 4.0
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10.10.2018 Fachinformation 206 0

Den internationalen Anschluss bei KI nicht verpassen

Bei der KI-Fachtagung der IHK München und Oberbayern, dem VDE und dem deutschen KI-Bundesverband zeigte sich: Das digitale Zukunftsthema nimmt hierzulande jenseits des Hypes Fahrt auf. Jetzt geht es darum, in Projekte und Forschung zu investieren, um den internationalen Anschluss zu halten – so der Appell der Experten, die sich Ende September in München trafen.

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Sebastian Hallensleben

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Dr. Sebastian Hallensleben bei der KI-Tagung der IHK

Dr. Sebastian Hallensleben: „Wir hatten viele Anfragen gerade aus dem Mittelstand. Das Bewusstsein, die Digitalisierung mitgehen zu wollen, ist nun da."

| IHK München und Oberbayern

Dass Künstliche Intelligenz (KI) und Roboter schon bald den Menschen ersetzen könnten, davor hat Dirk Mühlenweg, Head of IoT for Government Industry bei IBM Global, keine Angst. Bei der Fachtagung Künstliche Intelligenz der IHK München und Oberbayern, die in Kooperation mit dem VDE und dem KI-Bundesverband Ende September in München stattfand, berichtete er unter anderem von einem Experiment mit dem Serviceroboter Pepper am Münchner Flughafen. Zwar habe es die freundlich wirkende Maschine geschafft, Reisende zu unterhalten und Auskünfte zu geben. Doch halte Pepper zum Beispiel noch keinen Achtstunden-Tag durch. „So etwas findet man nur durch Ausprobieren heraus“, sagt der IBM-Manager.

Die Tagung beleuchtete das digitale Zukunftsthema KI aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Welche Möglichkeiten KI für Unternehmen bietet, das zeigt der im Frühjahr gegründete KI-Bundesverband. „Bislang liegen Deutschland und Europa bei der strategischen und konzertierten Förderung der Technologie hinter den anderen Wirtschaftsräumen zurück. Wir möchten einen Beitrag dazu leisten, dass auch Deutschland die entstehende Dynamik bestmöglich nutzen kann“, so Bienert.

Einen wichtigen Meilenstein für die KI-Entwicklung in Deutschland sieht er in der Ausgestaltung der KI-Strategie der Bundesregierung, die im Dezember vorgelegt werden soll. Potenzial sieht Bienert dabei für die Industrial Artificial Intelligence – im Gegensatz zur Consumer AI, die von den USA und China bestimmt wird. „Diese Chance dürfen wir nicht verpassen“, mahnte Bienert, der auch die Gefahr sieht, dass die Universitäten in der Spitzenforschung abgehängt werden. Hier müsse es mehr finanzielle Unterstützung geben.

Diese Meinung stützte Prof. Dr. Burton Lee, Innovationsexperte an der Stanford University in Kalifornien. Er rief dazu auf, die deutschen KI-Investitionen deutlich zu erhöhen – nicht nur von der öffentlichen Hand, sondern auch aus den Unternehmen heraus. Dirk Mühlenweg sieht hier die Unternehmen ebenfalls in der Pflicht. Doch der Mittelstand stecke noch in der „Zufriedenheitsfalle“. Immer mehr Unternehmen starten nach einer längeren Beobachtungsphase jetzt jedoch in die Versuchs- und Projektphase, weiß Mühlenweg.

Den Mittelstand bei KI unterstützen

Gerade kleine und mittelständische Unternehmen stehen aber vor der Herausforderung, KI-Experten zu rekrutieren und zu halten. So wollen etwa Data-Scientists meist in größeren Teams arbeiten – was für KMU oft nicht möglich ist. Eine Chance, Spezialisten aus dem Ausland anzuwerben, sieht Thomas Staufenbiel, Geschäftsführer bei GESTALT Robotics Berlin, in den Anwendungsfällen aus der Industrie, die Deutschland zu bieten habe. „Das können wir auch für die Ausbildung nutzen.“ Eine große Hürde für die Unternehmen sei jedoch der berühmte erste Schritt, so die Experten. „Viele Innovationsmanager kommen zu uns und wissen nicht, mit wem sie starten können“, weiß Staufenbiel.

Diese Lücke will der VDE mit dem Praxisnetz Digitale Technologien schließen. „Stellen Sie sich vor, eine digitalkompetente gute Fee erfüllt Ihnen einen
Wunsch – sie beantwortet zuverlässig und ausführlich drei Fragen zur Digitalisierung spezifisch für Ihre Organisation. Welche Fragen stellen Sie?“ Dr. Sebastian Hallensleben, Portfolio Manager Digital Technologies and Applications im VDE, ermutigte die Fachbesucher, das neuen Praxisnetz Digitale Technologien des VDE mitzugestalten, das im Frühjahr 2018 gegründet wurde und bereits 300 Akteure zählt. Zwar kann die neue Plattform keine gute Fee ersetzen. Aber die Initiatoren wollen eine Anlaufstelle bieten, um Forschung und Anwender zusammenzubringen und erste Schritte in digitalen Projekten anzustoßen.

„Wir hatten viele Anfragen gerade aus dem Mittelstand“, berichtet Hallensleben. Das Bewusstsein, die Digitalisierung mitgehen zu wollen, sei nun da – doch es gebe zu viele Informationen, und die Unternehmer wüssten nicht, wo und wie sie anfangen sollten. Auf der anderen Seite wandten sich Universitäten, Forschungsinstitute und Ausgründungen an den VDE, die ihre Ergebnisse sinnvoll verwerten wollen. „Das Praxisnetz richtet sich primär an Experten und Entscheider in F&E-starken Unternehmen – vor allem auch an Mittelständler und Start-ups, an Behörden und Kommunen sowie an Wissenschaftler, die an digitalen Technologien forschen“, erklärte Hallensleben. Dabei arbeite das Netzwerk branchenübergreifend und wirtschaftlich sowie politisch neutral. Der VDE könne hier Brückenbauer sein und sich auch mit anderen Playern, wie etwa der IHK zusammentun. Der Einstieg gelingt leicht mit einem kurzen Fragebogen, der angeklickt werden kann – dort ist auch die „Gute-Fee-Frage“ zu finden.

Praxisnetz Digitale Technologien

VDE-Illustration zum Thema Industry
VDE
29.08.2018

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