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02.06.2017 Fachinformation 62465 0

Brauchen Gebäude Blitzschutz? Darf man bei Gewitter duschen?

Wie funktioniert ein Blitzschutzsystem? Was muss ich bei Gewitter in Gebäuden beachten? Alle Infos zu den wichtigsten Fragen.

Fahrradfahren, Fußballspielen, Wandern, Wassersport: bei Gewitter besser nicht
VDE

Welche Gefahren von Blitze ausgehen, wo Schutz gegeben ist und welches Verhalten (beim Sport, in den Bergen, in Gebäuden ...) richtig ist, allgemein gültige Informationen dazu sind kurz und knapp auf der Webseite "Blitze: So können Sie sich schützen" und in der gleichnamigen Broschüre zusammengefasst.

Hier finden Sie diese und weitere Informationen zu den oben genannten Fragen.

aus: "Blitze: So können Sie sich schützen"

Gebäude mit Blitzschutzsystem

In Gebäuden

In Gebäuden mit Blitzschutzsystemen besteht für Mensch, Tier und Technik prinzipiell keine Gefahr.

Gebäude mit Blitzschutzsystem

In Gebäuden mit Blitzschutzsystemen besteht für Mensch, Tier und Technik prinzipiell keine Gefahr.

In Gebäuden ohne Blitzschutzsystem sollten bei nahendem Gewitter bestimmte Verhaltensregeln beachtet werden:

  • den Kontakt mit allen metallenen Leitungen meiden, die von außen ins Haus führen: Wasser-, Gas-, Strom- und Telefonleitung, Fernwärmeversorgung, Antennenkabel
  • nicht duschen oder baden
  • nicht über ungeschützte Telefonanlagen telefonieren

Gebäude ohne Blitz- und Überspannungsschutz

In Gebäuden ohne fachgerechten „Überspannungsschutz“ können auch weiter entfernte Blitzschläge hohe Spannungen in Leitungen verursachen. Ziehen Sie bei aufkommendem Gewitter alle Stecker (Stromversorgung, Antennen-, Daten-, Telefonleitung etc.) an Fernsehgeräten, HiFi-Anlagen, DVD-Recordern, SAT-Empfängern, PCs und deren Peripheriegeräten.

Handys und schnurlose Telefone können Sie gefahrlos benutzen.

Einen gewissen Schutz vor Überspannungen bieten spezielle Geräte, die an die Netz-, Antennen- und Signalleitungen angeschlossen werden. Sie ersetzen jedoch kein vollständiges Blitzschutzsystem.

In Holzhütten oder Scheunen aus Holz besteht Lebensgefahr - besser draußen das Gewitter abwarten. In Steinhütten ohne Blitzschutzsystem sollten Sie in der Mitte des Gebäudes mit geschlossenen Füßen in die Hocke gehen. In teilweise offenen Unterständen aus Metall wie Wartehäuschen wählen Sie die Mitte der offenen Seite, möglichst weit entfernt von den Wänden.

Gebäude mit Blitzschutzsystem

Schutz von Gebäuden, Technik und Menschen

Blitzschutzsysteme an Gebäuden leiten bei einem Einschlag den Blitzstrom gefahrlos zur Erde ab. Das vermeidet Brände und Gebäudeschäden und schützt die Personen im Gebäude.

Gebäude mit Blitzschutzsystem

Blitzschutzsysteme an Gebäuden leiten bei einem Einschlag den Blitzstrom gefahrlos zur Erde ab. Das vermeidet Brände und Gebäudeschäden und schützt die Personen im Gebäude.

Ein Blitzschutzsystem muss errichtet werden, wenn behördliche Auflagen oder andere Rechtsvorschriften wie beispielsweise die Bauordnung, Versammlungsstättenverordnung dies vorschreiben. Ansonsten ist die Errichtung eine freiwillige Entscheidung des Gebäudeeigentümers. Allerdings kann beim Abschluss einer Wohngebäudeversicherung ein Blitzschutzsystem durch den Versicherer gefordert werden.

Empfehlung

Unabhängig von behördlichen Auflagen sollten Gebäude auf jeden Fall ein Blitzschutzsystem haben, wenn z.B.

  • sie ihre Umgebung deutlich überragen wie Gebäude auf Bergkuppen, Hochhäuser, Türme
  • sie als Fluchtunterstand dienen
  • leicht entflammbare Materialien im Dachbereich verwendet wurden
  • explosive Stoffe gelagert werden oder explosionsgefährdete Bereiche vorhanden sind
  • EDV-Systeme mit wichtigen Daten oder Einrichtungen für die Energieversorgung besonders geschützt werden müssen
  • Menschen und Kulturgüter in besonderer Weise zu schützen sind.

Ist kein Blitzschutz vorhanden

Dann treten bei einem Einschlag häufig Schäden (z.B. durch Feuer) sowohl am Gebäude als auch an Fernsehgeräten, Telefonanlagen usw. auf. Im deutschsprachigen Raum sind in der Regel nur Schäden in Folge von direkten Blitzschlägen (Brände, Explosionen, Krafteinwirkungen) durch die Feuerversicherung versichert. Für indirekte Blitzschäden und daraus resultierende Kurzschluss- und Überspannungsschäden an elektrischen Einrichtungen und Geräten ist meist eine separate Versicherung abzuschließen.

Die Planung und Installation von Blitzschutzsystemen dürfen nur von Blitzschutzfachkräften durchgeführt werden. In Deutschland finden Sie Fachleute z.B. im Verzeichnis "VDE geprüfte Blitzschutz-Fachkräfte".

Wie viel kosten Blitzschutzsysteme?

Wird ein Blitzschutzsystem bereits beim Bau mit eingeplant, ist es für ein Einfamilienhaus ab 2.500 € zu realisieren. Wird ein Blitzschutzsystem nachträglich eingebaut, sind die Kosten in der Regel höher.

 

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Äußerer Blitzschutz

Der Äußere Blitzschutz hat die Aufgabe, die Blitzschläge in das Gebäude „einzufangen“ und den Blitzstrom vom Einschlagspunkt zur Erde abzuleiten. Das bewahrt das Gebäude vor Schäden und schützt die Menschen im Inneren vor Verletzungen durch stromführende Teile oder Schrittspannungen.

Der Äußere Blitzschutz hat die Aufgabe, die Blitzschläge in das Gebäude „einzufangen“ und den Blitzstrom vom Einschlagspunkt zur Erde abzuleiten. Das bewahrt das Gebäude vor Schäden und schützt die Menschen im Inneren vor Verletzungen durch stromführende Teile oder Schrittspannungen.

Zum Äußeren Blitzschutz gehören die Fangeinrichtung auf dem Dach, die Erdungsanlage (meist ein Fundamenterder) und die Ableitungen als Verbindungen dazwischen.

Alle metallenen Einrichtungen auf dem Gebäude (z. B. Dachrinnen) werden auf kürzestem Wege mit dem Blitzschutzsystem verbunden. Aus dem Dach herausragende Schornsteine, Antennenmasten, Lüftungsrohre, Lichtkuppeln und dergleichen werden mit getrennt angeordneten Fangstangen versehen, die ebenfalls mit den Fangleitungen verbunden werden. Von den Fangeinrichtungen führen Ableitungen an (oder in) den Gebäudewänden den Blitzstrom senkrecht nach unten zur Erdungsanlage.

Überspannungsschutzgeräte (früher: Blitzstromableiter, Überspannungsableiter)

Innerer Blitzschutz und Überspannungsschutz

Um gefährliche Spannungen im Gebäude bei einem Blitzschlag zu vermeiden, werden die metallenen Einrichtungen an der Stelle, wo sie ins Gebäude eintreten, mit der „Haupterdungsschiene“ verbunden und Überspannungsschutzgeräte installiert.

Überspannungsschutzgeräte (früher: Blitzstromableiter, Überspannungsableiter)

Um gefährliche Spannungen im Gebäude bei einem Blitzschlag zu vermeiden, werden die metallenen Einrichtungen an der Stelle, wo sie ins Gebäude eintreten, mit der „Haupterdungsschiene“ verbunden und Überspannungsschutzgeräte installiert.

Zu den metallenen Einrichtungen gehören:

  • Gasleitungen
  • Warm- und Kaltwasserrohrleitungen
  • Heizungsrohrleitungen
  • der Erdungsanschluss am Fundament
  • Schirme und Erdungsleiter der informations- und kommunikationstechnischen Leitungen und Anlagen z.B. Telefon, Kabelfernsehen
  • der grün-gelbe Leiter der Stromversorgung
  • Stahlkonstruktionen

Überspannungsschutz

Überspannungen durch Blitzschlag in das Gebäude oder in der Nähe können durch mehrere hintereinander geschaltete Schutzgeräte unschädlich gemacht werden. So besteht selbst für empfindliche Elektronik keine Gefahr mehr.

In der Hausstromversorgung werden folgende Schutzgeräte eingesetzt:

  • Blitzstromableiter (nicht zu verwechseln mit Blitzableitern); sie schützen die zentrale Stromversorgung im Bereich des Stromzählers.
  • Leistungsfähige Überspannungsableiter in der Stromversorgungs-Unterverteilung reduzieren die verbleibende Überspannung.
  • Zusätzliche Überspannungsableiter dienen dem Geräteschutz; sie werden direkt vor empfindlichen elektronischen Geräten als Zwischenstecker eingesetzt.

Es gibt auch Schutzgeräte, die gegen Überspannung sowohl in den Strom- als auch in Antennen-, Telefon- oder Datenleitungen wirksam sind.

So erhalten Sie einen umfassenden Schutz: lückenlos vom Hauptverteiler bis zur Steckdose, vom NTBA bis zum Computer, Fax, Modem, Telefon oder von der Antenne bis zum TV-Gerät.

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Weitere Informationen

Darf man bei Gewitter duschen?

"Dürfen?" - Ja natürlich, es gibt keinen, der das verbietet. Aber ...

"Dürfen?" - Ja natürlich, es gibt keinen, der das verbietet. Aber ...

Allerdings kann es unter Umständen zu einer Gefährdung der Person unter der Dusche kommen, und zwar dann, wenn das Gebäude über kein Blitzschutzsystem verfügt. Denn nur in Gebäuden mit Blitzschutzsystem sind Personen immer sicher, auch unter der Dusche.

Ohne Blitzschutz hängt es von der Ausführung der Wasser- und Elektroinstallation ab:

  • In einem modernen Wohngebäude sind die Wasserrohre aus Kunststoff. Sie leiten elektrischen Strom und somit auch den Blitz nicht. Das ist von Vorteil.
  • In älteren Gebäuden sind im Bereich der Bäder alle metallenen Einrichtungen wie z.B. Wasserleitungen und die Badewanne miteinander elektrisch verbunden und an den Haupt-Erdungsanschluss angeschlossen (der Fachmann spricht vom Potentialausgleich). Wenn diese Verbindungen vollständig und dauerhaft haltbar ausgeführt wurden, ist die Benutzung von Dusche oder Badewanne während eines Gewitters ungefährlich.

Wer nicht genau über die Ausführung informiert ist, sollte vorsichtshalber die Benutzung von Dusche oder Badewanne bis nach dem Gewitter verschieben.

Muss eine installierte Blitzschutzanlage geprüft und begutachtet werden?

Wenn ja, wer macht das? Muss der Nachweis protokolliert werden (Abnahmeprotokoll mit Bestätigung der Einhaltung geltender Vorschriften)?

Wenn ja, wer macht das? Muss der Nachweis protokolliert werden (Abnahmeprotokoll mit Bestätigung der Einhaltung geltender Vorschriften)?

Zunächst: In den Blitzschutznormen wird von Blitzschutzsystem gesprochen. Der Ausdruck Blitzschutzanlage wird in Zusammenhang mit einzelnen Teilen des Systems benutzt.

Hier muss unterschieden werden zwischen

  • Blitzschutzsystemen, die in gesetzlichen oder behördlichen Vorgaben oder von Versicherungen gefordert sind (z.B. bei öffentlichen Bauten)
  • und solchen, die vom Eigentümer, Betreiber ... freiwillig errichtet wurden (i.d.R. bei Wohngebäuden)

Wenn Blitzschutz gefordert wird, dann muss dessen Funktion sichergestellt werden, d.h. nach der Errichtung muss das Blitzschutzsystem regelmäßig gewartet und ggf. in Stand gesetzt werden.

Wird ein Blitzschutzsystem freiwillig errichtet, ist in der Konsequenz auch die Abnahme und die regelmäßige Überprüfung in die Verantwortung des Eigentümers, Betreibers … gelegt. Es macht aber natürlich Sinn und kann nur dringend empfohlen werden, eine Prüfung auch in diesen Fällen durchführen zu lassen, um eine dauerhafte Funktionsfähigkeit des Blitzschutzsystems zu gewährleisten.

Warum müssen Blitzschutzsysteme überprüft und gewartet werden?

Blitzschutzsysteme sollen Gebäude und die darin befindlichen Personen (und Tiere) vor Brand, Explosion usw. als Folge von direkten Blitzeinschlägen schützen. Wenn ein Blitzschutzsystem diese Schutzfunktion nicht ausübt, wägen sich die Personen in falscher Sicherheit.

Blitzschutzsysteme sollen Gebäude und die darin befindlichen Personen (und Tiere) vor Brand, Explosion usw. als Folge von direkten Blitzeinschlägen schützen. Wenn ein Blitzschutzsystem diese Schutzfunktion nicht ausübt, wägen sich die Personen in falscher Sicherheit.

Kommt es bei einem Blitzeinschlag zu Schäden im Gebäude, wird häufig die Sinnhaftigkeit des Blitzschutzes in Frage gestellt, und manchmal wird sogar ein freiwillig errichtetes Blitzschutzsystem wieder abgebaut, so dass gar kein Schutz mehr besteht.

Deshalb werden in den VDE-Normen zum Blitzschutz die Prüfung und Wartung von Blitzschutzsystemen in regelmäßigen Abständen vorgesehen. Im einfachsten Fall ist damit eine Überprüfung durch Besichtigung gemeint. Zusätzlich soll in größeren Zeitabständen eine umfangreichere Prüfung mit Messungen durchgeführt werden. Eine detaillierte Beschreibung ist im Beiblatt 3 der VDE-Norm 0185-305-3 zu finden.

Diese Arbeiten werden von einer Blitzschutzfachkraft ausgeführt, d.h. einer Person, die mit der Prüfung von Blitzschutzsystemen vertraut ist, den aktuellen Stand der Blitzschutznormung kennt und über eine entsprechende Berufsausbildung verfügt.

Typische maximale Zeitabstände

z.B. für Wohngebäude mit Blitzschutzsystemen der Blitzschutzklasse III sind:

  • Sichtprüfung alle 2 Jahre
  • detaillierte Prüfung alle 4 Jahre.

Für Gebäude mit Blitzschutzsystemen der Blitzschutzklasse I bzw. II betragen diese typischen Zeiträume:

  • Sichtprüfung jedes Jahrd
  • etaillierte Prüfung alle 2 Jahre.

Diese typischen Zeiträume können aber auch kürzer ausfallen, wenn das Blitzschutzsystem besonderen mechanischen Belastungen (starker Wind, Zerstörungen durch Personen), korrosiver Umgebung (See, besonders aggressiver Boden) oder ähnlichem ausgesetzt ist.

Bei der Prüfung werden die einzelnen Komponenten des Blitzschutzsystems auf ihre Funktionstüchtigkeit untersucht:

Sichtprüfung

  • Wurden im Bereich des Daches zusätzliche Aufbauten wie z.B. metallene Abgasanlagen (Schornstein), SAT-Antennen montiert, die noch nicht ordnungsgemäß in das Blitzschutzsystem eingebunden sind?
  • Wurden im Bereich der Ableitungen zusätzliche metallene Objekte oder Leitungen so dicht an den Teilen des Blitzschutzsystems montiert, dass es im Falle eines Direkteinschlags zu Überschlägen kommen kann?
  • Sind alle Leitungen noch vorhanden oder Teile durch thermische oder mechanische Einflüsse (Wind, Vibrationen, Gewalt) zerstört? Wie ist der Zustand der Leitungen, sind diese korrodiert und bereits stark beschädigt (z.B. bei nahen Industrieanlagen mit agressiven Abgasen)? Eventuell werden die Schrauben auf festen Sitz überprüft.

Messung

Gerade die Erdungsanlage kann unter ungünstigen Umständen (Korrosion, Streuströme) mit der Zeit stark beschädigt werden. Mit einer Messung wird die Erdungsanlage überprüft. Dazu werden die Verbindungen zwischen den sichtbaren metallenen Leitungen des Blitzschutzsystems ("Ableitungen") und der Erdungsanlage geöffnet. Falls die Messwerte auf einen schlechten Zustand der Erdungsanlage hindeuten, wird sogar ein Teil der Erder ausgegraben und per Augenscheinnahme überprüft.

Dokumentation

Zusätzlich wird die Dokumentation des Blitzschutzsystems überprüft und falls notwendig ergänzt.

Zum Abschluss wird ein Prüfbericht erstellt, in dem die durchgeführten Prüfungen und deren Ergebnis aufgelistet sind.

Schäden durch fehlende Wartung?

Es sind bisher noch keine Schäden bekannt geworden, die auf ein nicht gewartetes Blitzschutzsystem zurückzuführen sind. Wenn es zu Schäden kommt, handelt es sich häufig um nicht ordnungsgemäß ausgeführte Anlagen oder um Schäden an Teilen, die nicht durch das Blitzschutzsystem geschützt sind (z.B. Elektroschäden, wenn das Blitzschutzsystem nur aus dem Äußeren Blitzschutz besteht).