(Frankfurt am Main, 21.09.2026) Immer mehr junge Menschen aus dem Ausland studieren in Deutschland Elektro- und Informationstechnik. Die Anzahl der internationalen Erstsemesterstudierenden an den hiesigen Hochschulen hat sich in den vergangenen 20 Jahren in etwa verdoppelt, seit 2022 machen sie mehr als die Hälfte der Studienanfängerinnen und -anfänger aus. Gleichzeitig zeigt die Analyse des VDE, dass ein großer Teil dieser Studierenden dem deutschen Arbeitsmarkt nach dem Studium nicht dauerhaft zur Verfügung steht.
„Unsere Zahlen belegen die Attraktivität des deutschen Elektrotechnikstudiums“, sagt Michael Schanz, der beim VDE den Ausschuss Studium, Beruf und Gesellschaft betreut, und die Berechnungen durchgeführt hat. Das ist auch aus Sicht der deutschen Volkswirtschaft erfreulich, sagt Schanz: „Jeder in die Ausbildung eines internationalen Studierenden investierte Euro sorgt nach unseren Berechnungen im späteren Verlauf für rund 16 Euro Wertschöpfung.“
Herausforderungen während des Studiums
Doch diese Zahl könnte noch deutlich höher sein. Denn weniger als die Hälfte der internationalen Studierenden steht laut Berechnungen des VDE nach dem Studium dem hiesigen Arbeitsmarkt zur Verfügung. „Ein Studium im Ausland bringt immer besondere Herausforderungen mit sich: eine fremde Sprache, eine andere Kultur, und mitunter auch andere Anforderungen im Studium“, sagt Prof. Dr.-Ing. Kira Kastell, Vorsitzende des VDE Ausschusses Studium, Beruf und Gesellschaft und Präsidentin der Hochschule Hamm-Lippstadt. Nicht jeder zum Masterstudium berechtigende Bachelor-Abschluss sei vom Niveau her mit seinem deutschen Pendant vergleichbar. Insgesamt sind inländische Studierende nach VDE-Berechnungen zu etwa 7 Prozentpunkten erfolgreicher als ihre ausländischen Kommilitoninnen und Kommilitonen.
Hier schlagen die Expertinnen und Experten auch eine bessere Betreuung vor: „Mehr Coachings während des Studiums und beim Arbeitsmarkteintritt, Hilfe beim Spracherwerb und eine Stipendienvergabe nach klar definierten und transparenten Kriterien wären hier sinnvolle Maßnahmen“, sagt Thomas Hegger, Personalberater und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses. Um dies größtenteils zu finanzieren, könnte das Vorgehen von Baden-Württemberg anderen Bundesländern als Beispiel dienen: Hier werden bei Studierenden aus dem Nicht-EU-Ausland rund ein Drittel der Kosten als Studiengebühren verlangt, was im internationalen Vergleich eher moderat ist. Dieses Geld muss dann den Hochschulen für eine intensivere Betreuung bezogen auf die besonderen Bedarfe der internationalen Studierenden zur Verfügung stehen.
Einstiegshürden bei der Jobsuche
Mehr als die Hälfte (55,5 Prozent) der internationalen Master-Absolvierenden – das entspricht gut einem Drittel (35,5 Prozent) aller Absolventen und Absolventinnen –verlassen Deutschland nach dem Studium wieder.
Diejenigen, die hierbleiben, haben wiederum trotz ihres Abschlusses oftmals Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. Gerade bei mittelständischen Unternehmen stellen die unzureichenden Deutschkenntnisse nicht selten eine schwer zu überwindende Einstiegshürde dar. Trotz aller Internationalität ist dort Deutsch immer noch die häufigste Unternehmenssprache.
In einigen Fällen ist eine spätere Tätigkeit in Deutschland auch von vornherein nicht das Ziel des Studiums – und nicht immer ist das eine individuelle Entscheidung des oder der Studierenden. „Es gibt Staaten, die Stipendiatinnen und Stipendiaten bewusst nach Deutschland schicken, um hiesige Forschungsergebnisse und Technologien zu erhalten und selbst nutzen zu können“, sagt Schanz. Auf die Risiken eines gezielten Wissens- und Technologietransfers durch ausländische Akteure weisen auch die Verfassungsschutzbehörden seit Jahren hin. Und nicht umsonst dürfen Staatsangehörige einiger der wichtigsten Herkunftsländer der internationalen Studierenden etwa in der Rüstungsbranche oder der kritischen Infrastruktur nicht eingestellt werden.
Neue internationale Partnerschaften benötigt
Hier regt der VDE konkret an, mehr Partnerschaften zum Beispiel mit dem europäischen Ausland, den Mercosur-Staaten in Süd- und Mittelamerika oder dem globalen Süden zu schließen. „Dort gibt es oft Schulen, in denen schon die deutsche Sprache vermittelt wird und auch Hochschulen, die insgesamt oder in einzelnen Fachbereichen einen hohen Entwicklungsstand erreicht haben“, sagt Kastell.
Der Wirtschaftsstandort Deutschland benötigt in den kommenden Jahrzehnten mehr gut ausgebildete Arbeitskräfte. Expertinnen und Experten weisen immer wieder darauf hin, dass Zuwanderung hier eine große Rolle spielt. Auch Thomas Hegger vom VDE Ausschuss: „Wenn wir es hinbekommen, mehr internationale Studierende später in unseren Arbeitsmarkt zu integrieren, hilft das beim Schließen der Fachkräftelücke.“