Berlin/Frankfurt am Main, 1. Oktober 2026. Mit der zunehmenden Verbreitung von KI-Systemen und den Anforderungen des europäischen AI Acts gewinnt die Prüfung von KI-Systemen an Bedeutung. Insbesondere bei Hochrisiko-KI-Systemen müssen Unternehmen nachweisen, dass die geltenden Anforderungen erfüllt sind. Gleichzeitig verändern sich KI-Systeme und ihre Einsatzbedingungen laufend – Normanforderungen müssen deshalb immer wieder neu ausgewertet und in konkrete Prüfschritte übersetzt werden. Viele dieser Arbeitsschritte erfolgen bislang manuell.
Wie sich dieser wachsende Prüfbedarf mit digitalen Normen vereinfachen lässt, skizziert das neue Whitepaper Skalierbare Prüfung von KI-Systemen mit SMART Standards: Szenarien aus Anwendersicht der Initiative Digitale Standards (IDiS) von DIN und DKE. Das Whitepaper beschreibt einen stufenweisen Entwicklungsweg – von der heute weitgehend manuellen Prüfpraxis hin zu digital unterstützten und perspektivisch vernetzten Prüfprozessen.
Enormer Prüfbedarf manuell nicht zu bewältigen
Die Anwendung von KI-Normen erfordert viele manuelle Einzelschritte: Normen müssen identifiziert, bezogen und interpretiert, Anforderungen extrahiert und für den jeweiligen Prüfprozess operationalisiert werden. Ändert sich ein KI-Modell, sein Einsatzkontext oder die zugrunde liegenden Anforderungen, müssen Teile dieses Prozesses erneut durchlaufen werden. Hinzu kommen sektorale Produktvorschriften sowie Anforderungen aus Cybersicherheit und Datenschutz. Gefragt sind daher Verfahren, die diese wiederkehrenden Vorarbeiten konsistent und nachvollziehbar unterstützen. Die fachliche Bewertung durch einen Menschen bleibt dabei unverzichtbar.
SMART Standards als Grundlage für automatisierte Prüfung
SMART Standards schaffen dabei die Grundlage für die Automatisierung, sagt Wolfgang Niedziella, Sprecher der Geschäftsleitung der DKE: „SMART Standards machen Norminhalte so verfügbar, dass Maschinen sie zuverlässig verarbeiten können und lassen die Norm vom statischen Dokument zur aktiven Komponente im Prüfprozess werden. Das neueste Whitepaper überträgt die konzeptionelle Arbeit der vergangenen Jahre erstmals auf einen einzelnen, hochspezifischen Technologiebereich. Es wird eine Vision gezeigt, von der sich erste Stufen schon heute umsetzen lassen.“
„Wenn sich KI-Systeme über ihren Lebenszyklus fortlaufend weiterentwickeln und sich dadurch ihre Eigenschaften verändern, wächst der Aufwand, die Einhaltung von Normanforderungen kontinuierlich sicherzustellen“, sagt Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN. „Normen müssen deshalb stärker in digitale Entwicklungs- und Prüfprozesse eingebunden werden. Das Whitepaper zeigt, welche Schritte sich digital unterstützen lassen und wo die fachliche Bewertung unverzichtbar bleibt.“
Einladung zur Mitgestaltung
Am Beispiel eines fiktiven Unternehmens wird in dem Whitepaper gezeigt, wie eine automatisierte Prüfung mit SMART Standards in der Praxis eingeführt werden kann. Norminhalte werden über standardisierte Schnittstellen ausgeliefert und können von Maschinen gelesen werden. Das Whitepaper entwirft diesen Weg mit wachsendem Reifegrad: Am Ende steht ein gemeinsames Ökosystem für KI-Qualität, in dem Normen, Daten und Prüfwerkzeuge als für sich stehende Ressourcen verfügbar sind.
Die Publikation richtet sich an Akteure aus KI-Entwicklung, Normung, Prüfung und Qualitätsinfrastruktur sowie an Unternehmen, die Normanforderungen in digitale Prozesse überführen. DIN und DKE laden interessierte Organisationen dazu ein, die weitere Arbeit mitzugestalten. Das IDiS-Whitepaper 4 Skalierbare Prüfung von KI-Systemen mit SMART Standards: Szenarien aus Anwendersicht steht hier zum Download zur Verfügung.
Alle bisher erschienen IDiS-Whitepaper stehen ebenfalls weiterhin zum Download zur Verfügung:
IDiS-Whitepaper 3 Der betriebswirtschaftliche Nutzen von SMART Standards in Normenanwendungsprozessen
IDiS-Whitepaper 2 Anwendungsfälle von SMART Standards
IDiS-Whitepaper 1 Szenarien zur Digitalisierung der Normung und Normen
Über IDiS
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie und der Normung zu erhalten, müssen auch Normen und Standards digitalisiert werden. Mit dem Mandat von DIN und DKE fördert und beschleunigt IDiS (Initiative Digitale Standards) die Entwicklung und stufenweise Etablierung von SMART Standards – den Normen der Zukunft. IDiS bietet somit einen enormen Nutzen für die künftige Arbeit von Normenanwendenden, der Industrie, KMUs und der Normung. Die Initiative versteht sich als eine Community, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Nutzen von SMART Standards und der damit einhergehenden digitalen Transformation aufzuzeigen. Und das möglichst praxisnah. Innerhalb des Netzwerks sind bereits zahlreiche Konzepte und Arbeitsergebnisse entstanden. Zwei Drittel der teilnehmenden Akteure sind zudem Unternehmen, was die Relevanz von SMART Standards für die Industrie unterstreicht. Weitere Informationen finden Sie auf der IDiS-Website.