Berlin/Frankfurt am Main, 23. Juni 2026. Der Digitale Produktpass (DPP) gewinnt für Unternehmen an Bedeutung, bei der Umsetzung stehen viele jedoch noch am Anfang. Nur knapp jedes fünfte befragte Unternehmen hat bislang konkrete Maßnahmen zur Einführung begonnen. Gleichzeitig sehen viele der Befragten noch Klärungsbedarf bei Standards, Datenstrukturen und den organisatorischen Rahmenbedingungen der Umsetzung. Das zeigen die Ergebnisse des 14. Deutschen Normungspanels, einer jährlichen Unternehmensbefragung von DIN und DKE mit mehr als 1.000 Unternehmen und Organisationen aus Industrie, Bauwirtschaft, Elektrotechnik, Dienstleistungen und weiteren Branchen.
Hohe Relevanz, Umsetzung bleibt anspruchsvoll
Mit der europäischen Ökodesign-Verordnung und der Batterieverordnung wird der DPP schrittweise für immer mehr Produkte relevant. Er soll wichtige Produktinformationen, etwa zu Materialien, Herkunft oder Reparierbarkeit, künftig digital verfügbar machen. Die Ergebnisse zeigen, dass von 1.092 befragten Unternehmen und Organisationen bislang lediglich 201 konkrete Maßnahmen zur Einführung des DPP ergriffen haben.
Als zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einführung nennen die Befragten vor allem einheitliche Anforderungen, interoperable Systeme sowie gemeinsame Datenformate und Schnittstellen. Diese sind entscheidend, damit Informationen entlang internationaler Liefer- und Wertschöpfungsketten effizient und zuverlässig ausgetauscht werden können. Gleichzeitig sehen viele Unternehmen noch offene Fragen bei rechtlichen Rahmenbedingungen, Konformitätsanforderungen und der praktischen Integration des DPP in bestehende Prozesse.
Gemeinsame Standards sind entscheidend für die DPP-Umsetzung
Die Befragung zeigt, dass Unternehmen der Normung eine wichtige Rolle für die Entwicklung des Digitalen Produktpasses zuschreiben. Gleichzeitig engagieren sich bislang nur rund 11 % der Befragten aktiv in DPP-relevanten Normungsgremien – vor allem aus den Branchen Konsumgüter, Elektrotechnik und Baugewerbe, überwiegend auf nationaler (46 %) und europäischer (39 %) Ebene.
Christoph Winterhalter, Vorstandsvorsitzender von DIN: „Der DPP wird zu einem zentralen Werkzeug für den digitalen Austausch von Produktinformationen. Unternehmen können Daten entlang globaler Wertschöpfungsketten einfacher, sicherer und effizienter nutzen, bürokratische Prozesse verschlanken und neue digitale Angebote entwickeln. Die deutsche Wirtschaft hat die Bedeutung des Digitalen Produktpasses früh erkannt und den Bedarf an international abgestimmten Standards deutlich gemacht. Deshalb haben DIN und DKE die strategischen Weichen gestellt, damit Deutschland die internationale Standardisierung aktiv mitgestalten kann. So kann der DPP über Länder- und Systemgrenzen hinweg funktionieren und für Unternehmen weltweit echten Mehrwert schaffen.“
Dr. Stephan Finke, Geschäftsführer der DKE, ergänzt: „Viele Unternehmen erkennen das Potenzial des Digitalen Produktpasses, wünschen sich aber mehr Orientierung bei der praktischen Umsetzung. Genau jetzt besteht die Möglichkeit, die dafür notwendigen Standards aktiv mitzugestalten. Je mehr Unternehmen ihre konkreten Anforderungen und Praxiserfahrungen in die Normung einbringen, desto besser entstehen Lösungen, die in der Praxis funktionieren und international anschlussfähig sind.“
Die Ergebnisse des 14. Deutschen Normungspanels liefern wichtige Impulse für die laufende Normungsarbeit auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene. Neben dem DPP befasst sich die Studie mit der Circular Economy, der europäischen Ökodesign-Verordnung sowie der Bedeutung von Normen und Standards für Unternehmen insgesamt. Die vollständigen Ergebnisse finden Sie unter www.normungspanel.de.
Was ist das Deutsche Normungspanel?
Für das Deutsche Normungspanel befragen Wissenschaftler*innen der Technischen Universität Berlin Unternehmen seit 2012 jährlich nach der Bedeutung von Normen und Standards. Unterstützt wird das Projekt vom Deutschen Institut für Normung (DIN e. V.) und von der Deutschen Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (DKE) unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.
In das Deutsche Normungspanel sind bisher die Angaben von mehr als 8.000 Unternehmen eingeflossen, darunter mehr als die Hälfte der DAX-Unternehmen sowie viele kleine und mittelständische Betriebe.