Auswechseln eines E-Scooter-Akkus
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01.10.2025 VDE dialog

Akkusysteme: Ressourcen schonen statt Insellösungen

E-Bike, E-Scooter oder E-Motorroller: Wer leichte Elektrofahrzeuge kauft, bekommt meist ein proprietäres Akkusystem dazu – nicht kompatibel, tauschbar oder weiterverwendbar. Wie herstellerübergreifende Standards das ändern können, erklärt Ingenieurin und Fachautorin Elfira Blumenthal.

Porträtfoto von Elfira Blumenthal

Elfira Blumenthal ist Maschinenbauingenieurin und engagiert sich nach 40 Jahren in der Industrie als freie Autorin für Normen und Normung in der Standardisierungsarbeit. Die VDE SPEC 90035-Reihe entstand unter ihrer Sitzungsleitung.

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Wir reden viel über Nachhaltigkeit, über Ressourcenknappheit, über die dringend notwendige Elektrifizierung. Doch bei einem zentralen Baustein der Energiewende hinken wir immer noch hinterher: den Akkus. Sie sind das Herz moderner Mobilität und dezentraler Energienutzung – und gleichzeitig ein Paradebeispiel für technische Insellösungen, die kaum miteinander sprechen. Dieses Problem betrifft nicht nur Konsumenten, die bei einem Gerätewechsel regelmäßig zum Neukauf gezwungen werden. Es betrifft auch Entsorger, Werkstätten und Recyclingbetriebe, denen ein sinnvoller Wiedereinsatz intakter Energiespeicher oft schlicht verwehrt bleibt. Die Folge: unnötiger Elektroschrott, vergeudete Ressourcen, verschenktes CO2-Einsparpotenzial. Wenn Akkus nicht systemübergreifend gedacht werden, ist eine echte Kreislaufwirtschaft kaum zu realisieren.

Mit der DKE arbeiten wir daher daran, diesen Zustand zu ändern. Unser Ziel ist klar: Einheitliche Standards für modulare, wiederverwendbare Akkusysteme. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Industrie und Normung haben wir die VDE SPEC 90035 veröffentlicht – eine technische Spezifikation, die beschreibt, wie ein herstellerübergreifendes Akkusystem mit standardisierten Schnittstellen funktionieren kann. Die Dokumente sind öffentlich zugänglich und bilden eine praxistaugliche Grundlage für interoperable Lösungen.

Ich weiß aus vielen Gesprächen: Der Wille zur Zusammenarbeit ist da. Aber er steht im Spannungsfeld wirtschaftlicher Interessen, technischer Detailfragen und politischer Zielkonflikte. Genau deshalb ist Normung so wichtig: Sie bietet einen neutralen Raum, um komplexe Anforderungen zu klären, und zugleich einen verbindlichen Rahmen, in dem alle Beteiligten planen können. Natürlich ist dieser Prozess kein Selbstläufer. Aber er ist notwendig, wenn wir verhindern wollen, dass jedes neue Akkuprodukt ein neues, abgeschottetes System schafft.

Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, diese Fragmentierung zu überwinden. Die technischen Grundlagen liegen auf dem Tisch. Denn eins ist klar: Ohne gemeinsame Standards bleiben Akkus Einwegprodukte mit allen ökologischen und ökonomischen Folgen, die das mit sich bringt.

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