Mikrochip wird mithilfe einer Pinzette gehalten
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01.01.2026

Mikroelektronik: Deutschland startet Aufholjagd

Sechs Wochen nach Erscheinen des VDE Positionspapiers „Hidden Electronics IV“ veröffentlicht die Bundesregierung eine Mikroelektronik-Strategie und will verlorenen Boden im globalen Wettbewerb gutmachen.

Von Martin Schmitz-Kuhl

Mit der Mitte Oktober beschlossenen Mikroelektronik-Strategie will die Bundesregierung das Comeback Deutschlands in der Halbleiterwelt einleiten. Das Ziel ist ehrgeizig: Nach Jahren der Abhängigkeit von Asien und den USA sollen hierzulande wieder mehr eigene Technologien entwickelt und gefertigt werden. Die neue Strategie ist Teil der „Hightech Agenda Deutschland“, die die Regierung im Sommer vorgestellt hat – ein politisches Versprechen, technologische Schlüsselkompetenzen im Land zu halten. „Mikroelektronik ist die Grundlage jeder digitalen Wertschöpfung“, heißt es aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Forschung, Design und Produktion sollen künftig enger verzahnt werden, um Deutschland aus der Zuschauerrolle zu holen.

Die Strategie setzt auf drei Pfeiler: Forschung stärken, Fachkräfte sichern und Fertigung ausbauen. Besonders im Chipdesign, in der Sensorik und in der Produktion von Leistungshalbleitern sollen gezielte Investitionen fließen. Der Staat will den Transfer von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen beschleunigen und neue Fertigungskapazitäten in Deutschland aufbauen. Auch die Kooperation mit europäischen Partnern – etwa im Rahmen des European Chips Act – soll intensiviert werden. Damit reagiert Berlin auf einen globalen Subventionswettlauf: Die USA und Asien investieren längst Milliardenbeträge, während Deutschland bislang nur rund drei Prozent zur weltweiten Chipproduktion beiträgt.

Keine sechs Wochen vor der Veröffentlichung hatte der VDE sein Positionspapier „Hidden Electronics IV“ herausgebracht. Darin warnte der Verband vor wachsenden Abhängigkeiten in der Mikroelektronik und forderte eine nationale Gesamtstrategie, die Forschung, Industrie und Politik enger verzahnt. Zwar war das Papier keine Vorlage der Bundesregierung – doch es hat den politischen Druck erhöht, endlich zu handeln. Beide Konzepte, das VDE Papier und die neue Strategie, teilen ein Ziel: technologische Souveränität. Und beide betonen, dass Europa die Mikroelektronik nicht länger anderen überlassen darf.

Ob der Aufbruch gelingt, hängt nun von der Umsetzung ab. Viele Maßnahmen bleiben noch vage, Zeitpläne fehlen, und die bürokratischen Hürden sind hoch. Ob der Aufbruch gelingt, hängt nun davon ab, ob die Regierung ihre Pläne in konkrete Projekte überführt und Forschung und Industrie enger verzahnt. Denn Mikroelektronik ist längst mehr als ein Wirtschaftssektor, sie ist strategische Infrastruktur. Oder, wie Ansgar Hinz, Vorstandsvorsitzender des VDE es sagt: „Die Strategie ist ein Schritt in die richtige Richtung. Die operative Umsetzung darf jedoch kein Spaziergang sein, sie muss ein herausfordernder Sprint sein, um Deutschland schnell wieder auf Kurs zu bringen.“


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