Die Satzung des VDE e. V. verankert die Bezirksvereine ausdrücklich als diejenigen, die in ihrem Bereich die Zwecke des Verbandes vertreten. Übersetzt in den Alltag bedeutet das: Sie organisieren technisch-wissenschaftliche und gesellschaftspolitische Diskussionen, fördern den Austausch der Mitglieder untereinander und mit der Öffentlichkeit, ermöglichen berufliche Zusammenarbeit und tragen zur Weiterbildung bei. In der Praxis entstehen daraus Vortragsabende in regionalen Unternehmen, Seminare zu Normungsthemen, Exkursionen zu Netzbetreibern, Besichtigungen von Laboren oder Kraftwerken, aber auch ungezwungene Stammtische, bei denen Studierende, Berufseinsteiger und erfahrene Ingenieure miteinander ins Gespräch kommen.
Wie viel Gestaltungsspielraum in diesem Rahmen steckt, zeigt sich in Bezirksvereinen, die gezielt eigene Schwerpunkte setzen. In der Kurpfalz etwa hat der ehrenamtliche Vorstand in den vergangenen Jahren mit dem „Kurpfälzer Weg in der Energiewende“ eine Strategie entwickelt, die regionale Industrie, kommunale Akteure und Wissenschaft an einen Tisch bringen will. Unter der Flagge des VDE und gemeinsam mit der Energietechnischen Gesellschaft werden hier lokale Fragen der Energiewende verhandelt, mit der Expertise von Mitgliedern, die aus der Energiewelt kommen. Solche Initiativen machen sichtbar, was sonst leicht abstrakt bleibt: dass Ehrenamt im VDE nicht nur Vereinsverwaltung ist, sondern inhaltliche Arbeit zu gesellschaftlich relevanten Themen.
Viele derjenigen, die sich in den Vorständen der Bezirksvereine engagieren, bringen Führungsverantwortung aus ihrem Berufsleben mit oder haben sie früher getragen. Dennoch geht das Engagement über die Übertragung bekannter Rollen hinaus. In den Regionen entstehen Räume, in denen sich auch jüngere und weniger erfahrene Mitglieder ausprobieren können. Solche Erfahrungen lassen sich schwer in ein Organigramm einzeichnen, sind für persönliche Entwicklung und Bindung an den Verband jedoch zentral. Genau hier liegt einer der Gründe, warum sich viele Aktive im VDE nicht über Titel oder Auszeichnungen definieren. Die Motivation ist meist intrinsisch: Freude an Themen, der Wunsch, Fachwissen weiterzugeben, Neugier auf neue Technologien sowie das Bedürfnis nach beruflicher Vernetzung. Formen der Anerkennung gibt es selbstverständlich. Sie reichen von Urkunden für Vertrauensdozenten über Ehrennadeln und Ehrenmitgliedschaften bis zur Mitarbeit in Jurys wie bei den MINT-Sternen, mit denen Engagement von Lehrkräften ausgezeichnet wird. Vieles ist jedoch leiser: ein Dank nach einer gelungenen Veranstaltung, das Feedback von Studierenden, die über ein Praktikum Kontakt zu einem Unternehmen bekommen haben, oder der Moment, in dem eine Exkursion ausgebucht ist.
Strukturell sind die Bezirksvereine in Regionen gebündelt, die intern als Cluster fungieren. Namen wie Hanse, Südwest, West, Bayern oder Ost-Mitte tauchen zwar nicht in der Satzung auf, schaffen aber eine zusätzliche Ebene des Austauschs. Gemeinsam mit den Regionalleitern sollen die Vereine besser miteinander kommunizieren, sich abstimmen und weiterentwickeln. Hintergrund ist der demografische und strukturelle Wandel: sinkende Mitgliederzahlen, Veränderungen in der Arbeitswelt, neue Anforderungen an ehrenamtliches Engagement. In Strategierunden und Klausurtagungen tauschen sich Delegierte darüber aus, wie der Verband auf diese Entwicklungen reagiert. Diskutiert werden Fragen wie die Höhe und Struktur der Mitgliedsbeiträge, die Zukunft der dezentralen Struktur mit vielen eigenständigen Vereinen und die Frage, wie viel Autonomie vor Ort nötig ist, um das Engagement lebendig zu halten.
Hauptamt und Ehrenamt stehen dabei nicht in Konkurrenz, sondern in einem Spannungsverhältnis, das produktiv sein kann. Auf der einen Seite sind die hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Zentrale in Offenbach, auf der anderen Seite all die ehrenamtlich Aktiven, die quer über die Republik verteilt sind. Im Alltag bedeutet das gemeinsame Projektarbeit, Abstimmungen zu Veranstaltungen, Entscheidungen über Förderbudgets oder die inhaltliche Ausgestaltung von Programmen für den Nachwuchs. Wenn Delegierten-Taskforces Weichenstellungen für die Zukunft des Verbandes vorbereiten, ist jeder Vorschlag, jede Zahl und jede Formulierung auch Ausdruck regionaler Erfahrungen: Wie lassen sich junge Menschen gewinnen, wenn Studienpläne immer dichter werden und Berufseinsteigerinnen unter permanentem Leistungsdruck stehen; welche Formate funktionieren in ländlichen Regionen, welche in Metropolräumen.
Die Ergebnisse dieser Diskussionen sind ambivalent, aber ermutigend. „In unserer Mitgliederumfrage von Anfang letzten Jahres haben mehr als die Hälfte der Befragten der Aussage zugestimmt, dass der VDE ein Verein zum Mitmachen ist und dass sie mit den Möglichkeiten zum Mitmachen zufrieden sind“, sagt Rick. Zugleich beschreibt er einen Trend, den viele Organisationen kennen: „Unser Ehrenamt wird älter, und die Nachwuchsgewinnung wird immer herausfordernder.“ Die klassischen Ämter in traditioneller Vereinsstruktur, das langfristige Übernehmen einer Funktion über Jahre hinweg spricht jüngere Generationen oft weniger an. Gefragt sind zeitlich begrenzte Projekte, klar umrissene Aufgaben und digitale Beteiligungsformen, die sich mit Studium, Familie und Beruf vereinbaren lassen.