Mal produziert Deutschland mehr Strom, als verbraucht wird, mal zu wenig. Volker Quaschning, Professor für Regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, verweist auf zwei Lagen: „Im solarreichen Sommer brauchen wir Speicher für den Tag-Nacht-Ausgleich, also für rund zwölf Stunden. Im Winter liefert die Sonne wenig, dafür weht der Wind kräftiger. Doch es gibt auch Phasen mit zwei Wochen Flaute.“
Um einerseits Engpässe zu überbrücken und andererseits keine Energie zu verschwenden, sind leistungsfähige Energiespeicher unumgänglich. Batterien gelten als Favoriten für kurze Energiespitzen, Gas und Wasserstoff für längere Phasen. Doch dazwischen liegt ein breites Feld weiterer Technologien von mechanischen über thermische bis zu elektrostatischen Speichern, die mal mehr, mal weniger effektiv sind.
Pumpspeicher: Wasser rauf, Wasser runter
Pumpspeicherkraftwerke (PSW) sind führend in Speicherkapazität und installierter Leistung – sowohl in Deutschland als auch weltweit. Ihr Wirkungsgrad liegt bei 75 bis 85 Prozent.
Das Prinzip ist simpel: Zwei Gewässer auf unterschiedlichen Höhenlagen sind über Druckrohre verbunden. Bei Stromüberschuss wird Wasser hochgepumpt und im oberen Becken gespeichert. Bei Energiebedarf fließt es zurück ins Tal und treibt dabei Generatoren an. PSW erreichen binnen weniger Minuten ihre volle Leistung und können das Stromnetz über mehrere Stunden stabilisieren. In Deutschland sind rund 30 Anlagen in Betrieb, viele seit Jahrzehnten. Sie wurden einst gebaut, um Spitzenlasten abzufangen. Im badischen Forbach entsteht bis 2027 das erste neue Werk seit 2003. Von zusätzlichen PSW in relevantem Umfang ist eher nicht auszugehen.
Volker Quaschning ist skeptisch: „Theoretisch gibt es Standorte. Praktisch brauchen wir die Speicher in fünf Jahren. Bei der Umsetzung solcher Projekte reden wir in Deutschland eher über 20 Jahre.“ Nachteil sind die aufwendigen Eingriffe in die Natur, was Genehmigungen verzögert. Und mit ein Grund, warum das Potenzial hierzulande als nahezu ausgeschöpft gilt.
Kugelspeicher: Pumpspeicher auf Tauchstation
Ein Projekt des Fraunhofer IEE verlegt das Prinzip des Pumpspeicherns auf den Meeresgrund. Schwere, mit Wasser gefüllte Betonkugeln übernehmen die Rolle des Unterbeckens. Bei Stromüberschuss werden sie leergepumpt; der Speicher ist „geladen“. Bei Bedarf öffnet sich ein Ventil: Wasser strömt unter hohem Umgebungsdruck in die Kugeln und treibt Turbine und Generator an. Mit dem Abtauchen in die Tiefe ließen sich „Platzprobleme umgehen und ökologische Eingriffe reduzieren“, erklärt Dr. Bernhard Ernst, Leiter beim Fraunhofer IEE für das Projekt „Stored Energy in the Sea“. Ganze „Kugelnester“ könnten in der Nähe von Offshore-Windparks verankert werden – direkt dort, wo Stromüberschüsse anfallen.
Erprobt ist das Konzept mit Kugeln von drei Metern Durchmesser im Bodensee. Als Nächstes stehen Tests vor Kalifornien in rund 600 Metern Tiefe an. Die optimale Größe der Kugeln liegt Projekt-Berechnungen zufolge bei rund 30 Metern. Einerseits gilt: Je größer die Kugeln, desto höher der Wirkungsgrad. Andererseits müssen solche Dimensionen auch erst einmal produziert und ins Meer gelassen werden. „30 Meter Durchmesser halten wir noch für machbar“, so Dr. Bernhard Ernst. Doch für dieses Wachstum braucht es noch Forschung. Mit ersten kommerziellen Anwendungen rechnet Ernst frühestens Anfang der 2030er-Jahre.
Konzept eines Tiefsee-Energiespeichers. Jede der Kugeln soll 20 Tonnen wiegen, einen Durchmesser von fast drei Metern haben und im Inneren ein Mini-Pumpspeicherkraftwerk verbergen.
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