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01.04.2026 VDE dialog

Roadmap: 6G als strategische Infrastruktur

Die neuste Forschungsroadmap zu 6G ist weniger Technologieplan als industriepolitischer Rahmen. Im Fokus stehen Standardisierung, Resilienz und der Transfer in die Anwendung.

Von Martin Schmitz-Kuhl

Roadmap
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Zum Jahreswechsel und weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit legte das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) seine 6G-Forschungsroadmap vor. Das 23-seitige Dokument markiert weniger eine technische Detailplanung als eine strategische Setzung: 6G wird nicht als bloße Nachfolgetechnologie von 5G verstanden, sondern als infrastrukturelle Basis für KI-basierte Wertschöpfung, kritische Infrastrukturen und industrielle Echtzeitsysteme. Damit verschiebt sich der Fokus von höheren Datenraten hin zu Resilienz, Souveränität und industrieller Integration.

Die Roadmap ist in der Hightech Agenda Deutschland im Feld Sicherheits- und Verteidigungsforschung verankert. Mobilfunk wird damit explizit als sicherheitsrelevante Infrastruktur behandelt. Parallel laufen auf internationaler Ebene die Studien- und Vorstandardisierungsprozesse in Gremien wie ITU und 3GPP. Wer in dieser Phase Architekturvorschläge und technische Beiträge einbringt, beeinflusst die Spezifikationen der ersten kommerziellen 6G-Systeme ab 2030. Der strategische Hebel liegt somit weniger im späteren Netzausbau als in der laufenden Normungsarbeit.

Operativ setzt das Ministerium auf Transferstrukturen. Anfang 2026 sollen vier 6G-Transfer-Hubs entstehen, ausgestattet mit bis zu 200 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln. Sie sollen Forschungseinrichtungen, Industriepartner und Start-ups zusammenführen und bestehende Forschungsarbeiten stärker auf Validierung und vorkommerzielle Komponenten ausrichten. Ziel ist es, technologische Konzepte frühzeitig in praxisnahe Szenarien zu überführen.

Technologisch adressiert die Roadmap ein breites Spektrum, von KI-integrierten Netzen über verteilte Rechnerarchitekturen und Campusnetze bis hin zu (Sub-)Terahertz-Kommunikation und nicht-terrestrischen Netzen. Als Anwendungsfelder nennt das Papier unter anderem automatisierte Produktion, vernetzte Mobilität, Energieversorgung und digitale Gesundheitsanwendungen. Ob und in welchem Umfang diese Ansätze bis 2030 in marktfähige Systeme münden, wird maßgeblich von Standardisierungsfortschritten, Investitionen und internationaler Kooperation abhängen.


Zur Roadmap:

https://bit.ly/4tDUi99

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