Dass er mit 33 Jahren ein Unternehmen mit 25 Angestellten führen würde, hätte Lukas Liedtke zu Beginn seines Studiums nicht gedacht. Nun sitzt er in seinem Karlsruher Büro und exportiert von hier aus einen smarten Insektenstichheiler in die ganze Welt. Der Anstoß: Ein mückenstichreicher Italienurlaub und der COSIMA-Wettbewerb des VDE, ohne den „heat it“ wohl nicht so schnell Marktreife erlangt hätte. Erfahren hat Liedtke von der „Competition of Students in Microsystems Applications“ vom Betreuer seiner Bachelorarbeit, der dort selbst einige Jahre zuvor mitgemacht hatte. „Deshalb war ein gewisses Interesse da, teilzunehmen, und die passende Idee kam mir dann im Urlaub in Florenz“, so Liedtke, der am Karlsruher Institut für Technologie Maschinenbau und Medizintechnik studiert hat.
Seine Entwicklung nutzt ein etabliertes Verfahren in der Medizin: Der smarte Stick lindert den Juckreiz und Schmerz nach Stichen, indem die betroffene Hautstelle kurzzeitig auf 51 Grad erwärmt wird. Die nötige Stromversorgung kommt aus der USB-C-Schnittstelle des Smartphones, über die dazugehörige App ist die Behandlung individuell einstellbar, je nach Stichtyp, Körperregion oder Alter zum Beispiel.
Liedtke entwickelte also einen Prototyp samt ansprechendem User Interface und ging damit bei COSIMA ins Rennen. Man suchte die „technisch-intellektuelle Herausforderung“, wie Liedtke sich erinnert, eine Gründung stand damals noch längst nicht im Raum. „Bei der Präsentation haben wir gemerkt, dass das Interesse groß ist“, sagt der Ideengeber über die Vorstellung in München. Am COSIMA-Stand sei den Entwicklern der Prototyp nahezu aus den Händen gerissen worden. Aus dem Wettbewerbsnetzwerk folgte der Anstoß, sich um ein EXIST-Gründungsstipendium zu bemühen. Das wiederum war schließlich erfolgreich, 2018 wurde die Kamedi GmbH gegründet. Liedtke und das heat-it-Team tüftelten kontinuierlich weiter und brachten 2020 die erste Version auf den Markt. Inzwischen liefert die Firma viel in den DACH-Raum, zuletzt ist man aber auch in die USA expandiert und hat den asiatischen Markt im Blick. Insgesamt hat heat it bereits 1,5 Millionen Geräte verkauft.
Lukas Liedtke appelliert an Studierende, die eigenen Ideen zu verfolgen und bei COSIMA mitzumachen. „Ohne den Wettbewerb hätten wir das nicht durchgezogen“, sagt er heute. Angst vor einer Gründung müsse man nicht haben: Liedtke attestiert Deutschland und insbesondere der Fächerstadt Karlsruhe eine innovative Start-up-Szene. Bei heat it stehen die Zeichen nun auf Wachstum: Die Firma zieht derzeit in ein eigenes Gebäude um, möchte weitere Märkte erschließen: „Für heat it gibt es international noch ein gigantisches Potenzial“, versichert der Unternehmer. Ein eigener Exit des Gründerteams ist nicht geplant, man möchte langfristig weitermachen.