Schiff am Liegeplatz festmachen, Maschine aus, Landstromkabel anschließen – für Sportboote ist das Standard, für die gewerbliche Schifffahrt hingegen noch die Ausnahme. Nur wenige Seehäfen weltweit bieten Fracht- und Passagierschiffen die Möglichkeit, ihren Strombedarf während der Liegezeit über einen Landanschluss zu decken und so Emissionen und Lärm zu vermeiden. Aber es werden immer mehr. Parallel dazu müssen auch die Flotten landstromfähig gemacht werden.
Derzeit nutzen die meisten Schiffe noch den besonders schmutzigen Treibstoff Schweröl. Ihr Anteil am globalen CO2-Ausstoß liegt zusammengenommen bei ungefähr drei Prozent. Diese Emissionen schaden nicht nur dem Weltklima, sondern verschmutzen auch die Luft in den Häfen massiv. Während der Liegezeit erzeugt ein Generator an Bord, in der Regel mit dem gleichen Treibstoff angetrieben wie die Hauptmaschine, den benötigten Strom. Im Falle von Kreuzfahrtschiffen kann dieser schon mal dem Bedarf einer Kleinstadt entsprechen.
International gilt das Ziel, die Treibhausgasemissionen aus der Schifffahrt sukzessive zu senken; Netto-Null-Emissionen sollen bis 2050 erreicht werden. Davon sind Emissionen in Häfen nur ein verhältnismäßig kleiner Teil: Bei Frachtschiffen entstehen nach Angaben des Verbands Deutscher Reeder (VDR) durchschnittlich sechs bis zehn Prozent der gesamten CO2-Emissionen im Betrieb während des Hafenaufenthalts. Bei Kreuzfahrten sind es hingegen wesentlich mehr: Der größte deutsche Anbieter AIDA Cruises gibt beispielsweise an, dass seine Schiffe im Schnitt 40 Prozent ihrer Reisezeit in Häfen verbringen. Zudem betreffen die Emissionen – neben Treibhausgasen sind das auch weitere Luftschadstoffe wie Stickoxide und Schwefeloxide sowie Lärm – in Häfen besonders viele Menschen direkt. Landstrom leistet daher einen Beitrag zur Reduktion an einer wichtigen Stelle.
Allerdings stellen bisher nach Informationen der Internationalen Schifffahrtskammer ICS (International Chamber of Shipping) nur drei Prozent der Häfen weltweit Landstrom zur Verfügung. Im Kreuzfahrtbereich sieht die Lage sogar noch schlechter aus: Nach Angaben aus der Branche gibt es weltweit nur etwas mehr als 20 Kreuzfahrthäfen mit Landstrom und damit weniger als ein Prozent. Allein drei der Häfen befinden sich in Deutschland: Hamburg, Kiel und Rostock-Warnemünde.
Im Kieler Hafen am Ostseekai bildet das Kabelfahrzeug eine flexible
Verbindung zur Landstromanlage.
| PORT OF KIEL