Abendveranstaltung zum Thema "IT-Sicherheit"

Sven Oswald (MEN IN TEXT), Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas (Bundesministerium für Bildung und Forschung), VDE-Präsident Dr.-Ing. Gunther Kegel (Pepperl+Fuchs) und RA Philipp Reusch (reuschlaw Legal Consultants)

| Hannibal / VDE
28.02.2018 Berlin Veranstaltungsrückblick 470 0

Aus IT-Risiken Geschäfts-Chancen machen

Die Digitalisierung wird in der Wirtschaft zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Probleme der IT-Sicherheit fordern dabei nicht nur die einzelnen Unternehmen heraus, sondern sie eröffnen bei breiter Kompetenzentwicklung auch eine Chance für den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt, wie der VDE in einem „Abend der Lösungen“ in Berlin verdeutlichte.

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Abendveranstaltung zum Thema "IT-Sicherheit"

Dr.-Ing. Gunther Kegel: „Die IT-Sicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der vernetzten digitalen Gesellschaft.“

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Die Ambivalenz der technischen Entwicklung sprach VDE-Präsident Dr.-Ing. Gunther Kegel, Geschäftsführer des Mannheimer Automatisierungsunternehmens Pepperl+Fuchs, in seiner Begrüßung an. „Ebenso wie sich Effizienz und Reichweite der Produktion mit zunehmender Vernetzung vervielfältigen, nimmt auch die Verwundbarkeit der IT-Gesamtsysteme zu“, sagte Kegel. Das hohe Risiko von gezielten Cyberangriffen und damit verbundener Schäden und Produktionsausfälle verlange nach neuen Konzepten im Umgang mit der IT-Sicherheit in der Industrie, vor allem im Mittelstand. So habe ein skandinavisches Logistikunternehmen durch Schadsoftware im vergangenen Jahr Lieferverluste von mehr als 300 Millionen Dollar verkraften müssen. Neben den Programmen müsse auch der Hardware, der Mikroelektronik, besondere Aufmerksamkeit zuteil werden. Kegel: „Die IT-Sicherheit ist ein zentraler Erfolgsfaktor in der vernetzten digitalen Gesellschaft“.

Die Abendveranstaltung des VDE stellte deshalb mit Impulsvorträgen hochkarätiger Referenten aus Politik, Wirtschaft und Recht einzelne konkrete Lösungsansätze für mehr IT-Sicherheit in den Mittelpunkt. Das Themenspektrum reichte dabei von Fragen wie der Verbreitung von Problembewusstsein und Maßnahmen der Weiterbildung über Normung und Regulierung bis zu Aspekten wie Security Engineering, modernen Schutzverfahren und spezifischen Lösungen für den Mittelstand wie CERT@VDE.

Abendveranstaltung zum Thema "IT-Sicherheit"

Mit Cyber-Sicherheitsstrategie und Weiterentwicklung der Hightech-Strategie Deutschland zu einem starken IT-Sicherheitsstandort ausbauen. Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas

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Deutschland soll IT-Sicherheitsstandort werden

Als Hauptredner umriss Prof. Dr. Wolf-Dieter Lukas, Leiter der Abteilung Schlüsseltechnologien – Forschung für Innovationen im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) die Lösungsbeiträge von Seiten der Politik. Mit der Cyber-Sicherheitsstrategie und der Weiterentwicklung der Hightech-Strategie, wie sie im neuen Koalitionsvertrag festgeschrieben sei, setze die Bundesregierung die Rahmenbedingungen, um „Deutschland zu einem starken IT-Sicherheitsstandort auszubauen“, betonte Lukas. Dazu zählten unter anderem der Aufbau einer dezentralen „Forschungsfabrik Mikroelektronik“ und von drei Kompetenzzentren für IT-Sicherheitsforschung in Saarbrücken, Darmstadt und Karlsruhe. Das Saarbrücker Zentrum solle zudem zu einem Helmholtz-Forschungszentrum ausgebaut werden.

Wie Kegel hervorhob, arbeite der VDE „unter Hochdruck“ an IT-Lösungen: in Wissenschaft und Technik, Normung und Standardisierung, Prüfung und Zertifizierung. „Als Partner der Bundesregierung härten wir durch Normung, Expertenkreise und Test Labs kritische Infrastrukturen gegenüber Cyber-Attacken“, so der VDE-Präsident, „damit sie Cyber-Stürmen genauso trotzen können wie realen Naturkatastrophen und dabei regenerations- und lernfähig sind.“ Unter anderem entwickele der VDE eine internationale Sicherheits-Charta pro IT-Sicherheit für Netze und Systeme und entwerfe Regeln für den sicheren IKT-Einsatz im Stromnetz.

Speziell auf die Bedürfnisse des Mittelstands zugeschnitten sei die Lösung „Computer Emergency Response Teams“ CERT@VDE als einer neutralen Informations- und Sicherheitsplattform gegen Cyber-Angriffe. „Was das einzelne KMU nicht leisten kann, bietet CERT@VDE durch Kooperation und Vernetzung“, erklärte Kegel. Dazu zähle der herstellerübergreifende Austausch auf einer neutralen, vertrauenswürdigen und sicheren Plattform, sowie der verbesserte Informationsaustausch zwischen allen Beteiligten mit schnellerer und strukturierter Reaktion auf Bedrohungen.

Abendveranstaltung zum Thema "IT-Sicherheit"

Regulierungen zur Produkthaftung bietet bereits einen funktionierenden Rechtsrahmen. RA Philipp Reusch 

| Hannibal / VDE

EU-Datenschutzgrundverordnung setzt neuen Standard

Was den rechtlichen Bereich beim Umgang mit Daten angehe, müsse man nicht bei Null anfangen, bemerkte der Rechtsanwalt Philipp Reusch von der Berliner Kanzlei reuschlaw Legal Consultants. Die Unternehmen seien durch die Regulierungen zur Produkthaftung seit Jahren in einen funktionierenden Rechtsrahmen eingebunden. Entsprechende Regeln sollten auch für den IT-Bereich und den Umgang mit Daten erreicht werden. Hier werde mit der EU-Datenschutzgrundverordnung ein neuer Standard gesetzt. Es sei auch damit zu rechnen, dass sich bei missbräuchlicher Verwendung von Daten Schadensersatzforderungen von Verbraucherseite ableiten ließen. „Es kann zu einem massiven Druck auf die Unternehmen kommen“, sah Reusch voraus. Noch in diesem Jahr sei mit „drakonischen Strafen“ zu rechnen, auch wenn sie nicht das Höchstmaß von vier Prozent des Umsatzes erreichen dürften.

Gerade der Umgang mit Daten stellt sich derzeit als sowohl rechtlicher Gestaltungsprozess wie auch als Neuland für wirtschaftliche Chancen dar. Wem gehören die Fahrinformationen der volldigitalisierten Kraftfahrzeuge? Dem Autohalter, dem Autohersteller oder dem Betreiber der Übertragungstechnik? Aus den Informationen lassen sich nicht nur wichtige Sicherheits-Informationen gewinnen, die vor einem bevorstehenden Ausfall der Technik warnen und damit Kosten sparen. Sie können aber auch für werbliche Zwecke eingesetzt werden und das Konsumentenverhalten beeinflussen. Auf diese Aspekte wurde in der Diskussion hingewiesen.

Potenziale für neue Geschäftsmodelle

„Wenn wir es richtig anpacken, entstehen neue Schlüsselkompetenzen“, unterstrich VDE-Präsident Kegel. Mit innovativen und robusten IT-Sicherheitslösungen könne sich Deutschland vom internationalen Wettbewerberfeld abheben. Kegel: „Unser Know-how für komplexe Smart Grids in Stromversorgung und Telekommunikation bieten die Chance, Cyber Security Made in Germany zu einer internationalen Qualitätsmarke zu machen.“ Dies gelte auch für das Thema Datenschutz, das in Deutschland auf hohem Niveau diskutiert werde. „Hier schlummern Potenziale für neue Geschäftsmodelle“.

Um diese neuen Geschäftsmodelle für die datenschutzkonforme Weiternutzung der Digitalinformationen zu unterstützen, werden im Umfeld der Komptenzzentren für IT-Sicherheitsforschung die Gründer von neuen Start-ups gezielt gefördert, berichtete Lukas. Das „Ökosystem“ von Forschungsumfeld und jungem Unternehmertum biete dafür günstige Voraussetzungen.

Aber auch etablierte Unternehmen und ihre Beschäftigten könnten in neuer Weise an die Einrichtungen der Wissenschaft angebunden werden, so ein weiterer Lösungsvorschlag des VDE-Abends. So plädierte Abteilungsleiter Lukas aus dem Bundesbildungsministerium für die Errichtung von „An-Instituten für Weiterbildung“ an den Fachhochschulen. So wie es seit Jahren „An-Institute“ für die Forschung gebe, die von Hochschulen und Unternehmen gemeinsam getragen werden, könnte mit einer entsprechenden Bildungs-Variante der starke Bedarf zur Schulung von Fachkräften gedeckt werden. In einigen Fällen, so eine weitergehende Anregung, könnte auch der VDE eine „Patenschaft“ für derartige An-Institute übernehmen. 

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