Fernsehturm Schwerin_Bild 1
2018 Norbert Gilson
14.10.2020

Fernsehturm Schwerin

Hamburger Allee 72–74, 19063  Schwerin

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik

Der 1964 in Betrieb genommene Fernmeldeturm in Schwerin-Zippendorf dokumentiert die Ausweitung des Richtfunkverkehrs in der DDR zur Übermittlung von Bild- und Tonsignalen für Rundfunk und Fernsehen sowie für den Fernsprech-Weitverkehr. Eine Besonderheit ist der Querschnitt von Turmschaft und Kanzel, der nicht rund, sondern in Form eines Reuleaux-Dreiecks gestaltet wurde.


Beschreibung


erbaut: 1957-64
Architekt: Günther Kollmann
Bauherr: Deutsche Post - Funkamt Schwerin
Betreiber (heute): Deutsche Funkturm GmbH

Der Schweriner Sendeturm wird zwar immer „Fernsehturm” genannt, jedoch ist diese Bezeichnung nur bedingt richtig. Die UKW-Hörfunk- und Fernsehprogramme wurden vielmehr früher von dem neben dem Turmbauwerk errichteten, 273 m hohen, abgespannten und geerdeten  Stahlrohrmast abgestrahlt. Heute gehören der Sendemast als Antennenträger und die Antenne der Media Broadcast GmbH, die von dort aus die DAB+- sowie UKW-Hörfunk- und DVB-T2-HD-Fernsehprogramme abstrahlt. Der Mast trägt den Namen »Sender Schwerin-Zippendorf«.

Bei dem 136 m hohen Turm handelt es sich dagegen um einen Fernmeldeturm, der im Zusammenhang mit dem Aufbau eines Richtfunknetzes in der DDR errichtet wurde. Über das Richtfunknetz wurden auch Bild- und Tonsignale für Rundfunk und Fernsehen übertragen, aber sie wurden nicht von dort aus ausgestrahlt. Mit den Bauarbeiten für Fernmeldeturm und Stahlrohrmast wurde 1957, damals noch inmitten eines Waldgebiets im Schweriner Ortsteil Zippendorf, begonnen. Der Turm ist ein Stahlbetonbau, der auf einem bis sechs Meter unter die Erde reichenden Fundament von 12,60 m Durchmesser gegründet ist. Im Unterschied zu den meisten anderen Fernsehtürmen haben Turmschaft und Kanzel keinen kreisrunden Querschnitt, sondern ist in Form eines Reuleaux-Dreiecks gestaltet. Dabei ist der Abstand jedes Punktes einer Dreieckseite vom gegenüberliegenden Eckpunkt konstant. Als Antennenträger fungierte ursprünglich ein auf das Bauwerk aufgesetzter 32 m hoher Stahlgittermast, der 1971 durch einen Mast aus glasfaserverstärktem Polyester ersetzt wurde.

 Der Schweriner Fernmeldeturm erhielt - ebenso wie der seit 1965 erbaute Fernsehturm Alexanderplatz in Berlin oder der Fernmeldeturm Kulpenberg im thüringischen Kyffhäuserkreis - eine mit Aluminium verkleidete Kanzel, die außer den Betriebsräumen auch ein Restaurant in 100,80 m Höhe und eine Aussichtsplattform in 97,50 m Höhe erhielt. Die sechs Techniketagen befinden sich in 75 m bis 93,75 m Höhe und darunter wurden in 60 m, 78,50 m, 82,50 m, 90 m und 93,75 m Höhe fünf Antennenplattformen für die Richtfunkantennen platziert. Am Boden entstand das Verwaltungsgebäude.

Architekt der Anlage war Günther Kollmann (1923-1991), damals als Gleitbauspezialist tätig beim VEB Industrieprojektierung (Ipro) Berlin. Er hatte seine Erfahrungen im Betongleitbau unter anderem beim Bau der Kühltürme der Kraftwerke Jänschwalde und Trattendorf erworben. Der Funkbetrieb konnte 1964 aufgenommen werden. Anfang Juli 1964 wurden auch das von den  HO-Gaststätten betriebene Café »Perle der Gastronomie« und die Aussichtsplattform eröffnet.

Nach der Wiedervereinigung wurde der Funkbetrieb zunächst von der Deutschen Bundespost weitergeführt. Heutiger Funkbetreiber ist die Deutsche Funkturm GmbH, eine Tochtergesellschaft der  Deutschen Telekom AG. Mit der Auflösung der HO-Gaststätten wurde das Café 1991 geschlossen. Technik und baulicher Zustand der Gebäude entsprachen nicht mehr den damaligen Sicherheitsanforderungen. In umfangreichen Umbau- und Sanierungsarbeiten wurde der Turm ertüchtigt. Das 1999 wiedereröffnete Turm-Café wurde jedoch aus wirtschaftlichen Gründen im November 2017 geschlossen. Seitdem ist der Turm nicht mehr öffentlich zugänglich.
 
Informationsstand: 30.06.2018
Schlagworte: Sendeanlagen
Stichworte: Deutsche Post - Funkamt Schwerin; Günther Kollmann; Media Broadcast GmbH; Deutsche Funkturm GmbH; UKW-Hörfunkprogramm; Fernsehprogramm; Stahlrohrmast; Antennenträger; Media Broadcast GmbH; DAB+-Hörfunkprogramm; DVB-T2-HD-Fernsehprogramm; Sender Schwerin-Zippendorf; Fernmeldeturm; Richtfunknetz; Stahlbetonbau; Turmschaft; Kanzel; Reuleaux-Dreieck; Stahlgittermast; glasfaserverstärktes Polyester; Aluminiumverkleidung; Betriebsräume; Restaurant; Aussichtsplattform; Techniketage; Antennenplattform; Richtfunkantenne; Gleitbauspezialist; VEB Industrieprojektierung (Ipro) Berlin; Betongleitbau; Funkbetrieb; HO-Gaststätten; Deutsche Bundespost; Deutsche Funkturm GmbH; Deutschen Telekom AG; Turm-Café
 

Quelle(n)

  • siehe Linksammlung

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