Kraftwerk Dörverden_Bild 3
2011 Norbert Gilson
30.07.2020

Kraftwerk Dörverden

Sympherallee 56, 27313 Dörverden

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VDE-Ausschuss Geschichte der Elektrotechnik
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Beschreibung

erbaut: 1907-14
Bauherr: Maschinenbauamt Hannover

Das Wasserkraftwerk Dörverden konnte nach Fertigstellung der seit 1907 in der Weser errichteten Stauanlage im Jahr 1914 in Betrieb genommen werden. Es war damals mit vier Francis-Turbinen (Nennleistung insgesamt 3.650 kW) ausgerüstet, die eine Fallhöhe am Wehr von 3,60 m ausnutzen konnten. Kurze Zeit später wurde ein Dampfreservekraftwerk mit zwei Kondensations-Turbogeneratoren von Brown, Boveri & Cie. (BBC) in Betrieb genommen. Diese Reserveanlage wurde später wieder abgebaut. Die Kraftwerksanlage diente zur Energieversorgung des 104 km stromaufwärts gelegenen Pumpwerks bei Minden, das den Mittellandkanal mit Betriebswasser versorgte. Die Energie wurde über eine 45 kV-Leitung von Dörverden über das Umspannwerk Nienburg nach Minden übertragen.

Das Kraftwerk in Dörverden kann - zusammen mit dem Kraftwerk Hemfurth I an der Edertalsperre - als Keimzelle der Preußischen Elektrizitäts-AG (Preußenelektra) angesehen werden, die bei ihrer Gründung 1927 die Nachfolge des staatlichen Elektrizitätsamtes Hannover antrat, das seinerseits das frühere Maschinenbauamt Hannover abgelöst hatte. Das Engagement des Preußischen Staates in der Elektrizitätswirtschaft hatte somit mit der Binnenschifffahrtspolitik begonnen. Die über den Bedarf des Mittellandkanal-Pumpwerks hinausgehenden, in Dörverden erzeugten Strommengen konnten in der Umgebung des Kraftwerks abgesetzt werden. Dies wurde in Stromlieferungsverträgen mit den Kreisen Verden, Hoya, Nienburg, Syke und Neustadt am Rübenberge festgeschrieben.

In den Jahren 1927/28 wurden zwei der Francis-Turbinen durch Kaplan-Turbinen ersetzt, die über Getriebe mit den Generatoren gekoppelt wurden. Die anderen beiden Francis-Turbinen blieben bis 1954 in Betrieb. An ihrer Stelle wurden 1954/55 zwei weitere Kaplan-Turbinen eingebaut, jetzt aber mit direkter Kupplung mit den Generatoren. Auch die Wehranlage wurde in den 1950er Jahren umgebaut. Die vier Kaplan-Turbinen sind, nach Modernisierung und Modifizierung der Regleranlage, heute weiterhin in Betrieb. Die Gesamtleistung des Kraftwerks liegt bei 4,2 MW.

Nachdem das Kraftwerk im Jahr 2000 mit dem Ende der PreussenElektra an E.ON übergegangen war, hat 2009 das norwegische Energieversorgungsunternehmen Statkraft AS den Betrieb übernommen.
 
Informationsstand: 02.05.2016 31.12.2013
Schlagworte: Laufwasserkraftwerke; Steinkohlenkraftwerke; Stromerzeugung; Energie; Energy
Stichworte: Statkraft AS; Kondensations-Turbogenerator; Brown, Boveri & Cie.; BBC; Francis-Turbine; Preußische Elektrizitäts-AG; Preußenelektra; Elektrizitätsamt Hannover; Pumpwerk Minden; Mittellandkanal; Binnenschifffahrtspolitik; Preußischer Staat; Preußen; Elektrizitätswirtschaft; Kaplan-Turbine; Maschinenbauamt Hannover; Preußenelektra; E.ON; Statkraft AS; Kraftwerk Dörverden


Quelle(n)

  • Volker Rödel, Reclams Führer zu den Denkmalen der Industrie und Technik in Deutschland. Bd. 1. Alte Länder, Stuttgart 1992
  • Preußische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft. Denkschrift anläßlich ihres 25jährigen Bestehens. 1927 - 1952, Hannover 1952


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