- Systemumbau bei sicherer Versorgung: Mit dem Rückgang konventioneller Kraftwerke müssen erneuerbare Anlagen und Speicher künftig deren Systemaufgaben übernehmen – also nicht nur Strom liefern, sondern auch Frequenz und Spannung stabilisieren. Die technischen Anforderungen dafür sind europäisch geregelt – in den Connection Network Codes. Diese stammen jedoch aus einer Zeit, in der das System noch von Großkraftwerken geprägt war. Eine überarbeitete Fassung (CNC 2.0) ist technisch bereits abgestimmt, doch die EU-Kommission hat eine Veröffentlichung auf unbestimmte Zeit verschoben. Das ist grob fahrlässig, CNC 2.0 ist zu veröffentlichen. Parallel müssen Marktmechanismen geschaffen werden, die Systemdienstleistungen verbindlich vergüten und Investitionssicherheit gewährleisten.
- Energiewende zum Kunden bringen: Die Energiewende findet zunehmend im Verteilnetz statt – also dort, wo der Strom Haushalte und Betriebe erreicht. Intelligente Messsysteme und Steuertechnik ermöglichen es, Millionen Anlagen flexibel einzubinden. In immer mehr Haushalten kommen heute mehrere Anlagen zusammen: Photovoltaik auf dem Dach, eine Wallbox für das E-Auto und eine Wärmepumpe. Netzbetreiber dürfen bei Engpässen eingreifen und Leistungen begrenzen. Für Wärmepumpen und Wallboxen sind die Zuständigkeiten und Abläufe in § 14a EnWG klar geregelt. Für PV-Anlagen greift dagegen § 9 EEG – ohne eine vergleichbar klare und durchgängige Steuerregelung. Die unterschiedlichen Vorgaben erzeugen unnötige Komplexität. Erforderlich ist eine einheitliche Regelung für Stromerzeugung und -verbrauch. Nur so lässt sich Flexibilität gezielt und effizient für die Netzstabilität nutzen.
- Netzbetrieb sicher und effizient gestalten: Mit wachsender Zahl dezentraler Anlagen schwanken Einspeisung und Last stärker – das System wird dynamischer. Netzbetreiber müssen daher jederzeit wissen, was im Netz passiert, und es aktiv steuern können. Dafür braucht es klare Verantwortlichkeiten und belastbare Eingriffsrechte – also eindeutig geregelte Befugnisse, um bei Engpässen oder Störungen schnell reagieren zu können. Zugleich wird die Verteilnetzebene mit Millionen steuerbarer Anlagen systemkritisch. Verbindliche Cybersicherheitsanforderungen sind deshalb unerlässlich.
Wo stehen wir bei Netzausbau und Digitalisierung?
Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE FNN) ist der technische Regelsetzer für sichere Stromnetze in Deutschland. Über 500 Mitglieder – Netzbetreiber, Hersteller, Anlagenbetreiber und wissenschaftliche Einrichtungen – identifizieren in 60 Gremien technische Herausforderungen bei der Energiewende und entwickeln gemeinsam Lösungen. Alle vier Jahre bildet VDE FNN mit einer Roadmap den Status quo bei Netzausbau und Digitalisierung ab.