01.06.2012 Fachbeitrag 920 0

VDE-Studie: Demand Side Integration - Lastverschiebungspotenziale in Deutschland

Integration erneuerbarer Energien erfordert Paradigmenwechsel im Lastmanagement

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Welchen Beitrag können Stromnutzer liefern, erneuerbare Energie dann zu nutzen, wenn diese dargeboten wird? In der Studie wurden theoretische und technische Lastverschiebungspotenziale für die Bereiche Haushalte, Gewerbe / Handel / Dienstleistungen und Industrie ermittelt.

  • „Demand Side Integration“ (DSI) kann ungenutzte Lastverschiebungspotenziale erschließen
  • DSI wird wichtiges Werkzeug zur Integration erneuerbarer Energien
  • VDE empfiehlt Investitionen in Smart Meter, Geräte, Anlagen und IT-Infrastruktur der Stromnetze, Smart Meter sowie wirtschaftliche Anreize für die Lastverschiebung in Industrieanlagen

VDE fordert massive IT-Aufrüstung der Stromversorgung

Die fluktuierende Einspeisung der erneuerbaren Energien wird zukünftig vermehrt zu großen Lastschwankungen führen, die aus Systemstabilitätsgründen großflächige Abschaltungen von Anlagen oder aber das Zuschalten von Regelkraftwerken nötig machen können. Um erneuerbare Energien weitreichend zu integrieren, sind daher neue technische und ökonomische Maßnahmen zur Flexibilisierung des Energieversorgungssystems erforderlich. Dazu zählen der Netzausbau, flexible Kraftwerke, Energiespeicher und steuerbare Lasten (DSI - Demand Side Integration). Welche Potenziale ein flexibles Lastmanagement eröffnet, um verfügbare Kapazitäten zu verschieben, Lastschwankungen zu minimieren, Lastspitzen zu reduzieren und eine regenerativ verursachte Stromüber- bzw. Stromunterproduktion zu vermeiden, zeigt die neue VDE-Studie „Demand Side Integration – Lastverschiebungspotenziale in Deutschland“. Ein wichtiges Ergebnis der Studie: Schon jetzt besitzt Deutschland ein theoretisches DSI-Leistungspotenzial von zirka 25 GW (2010), welches sich bis 2030 verdoppeln kann. Das technische über einen Tag nutzbare DSI-Leistungspotenzial beträgt nach den Simulationen und Analysen allerdings 8,5 GW (2010). Hiervon entfällt ca. die Hälfte auf den Haushaltsbereich und den Bereich Gewerbe, Handel und Dienstleistung (GHD), was dem Leistungsbedarf von zirka 4 Mio. Haushalten entspricht. Ein praktischer Einsatz von DSI erfolgt heute jedoch nur in der Industrie, während die Lastverschiebungspotenziale in Privathaushalten und im GHD-Bereich bisher noch kaum genutzt werden. Um die erheblichen und weiter wachsenden Lastverschiebungspotenziale auszuschöpfen, sind geeignete technische und wirtschaftliche Voraussetzungen zu schaffen. Dazu empfiehlt der VDE eine entsprechende Optimierung der Geräte und Anlagen sowie den Ausbau einer Informations- und Kommunikationsinfrastruktur, die zügige Ausstattung der Haushalte mit Smart Metern für variable Tarife mit spezifischen Marktanreizen sowie für neue Investitionen in der Industrie unter wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Die VDE-Studie „Demand Side Integration“ wurde von Experten der Energietechnischen Gesellschaft im VDE erstellt. Sie ist für 250 Euro im InfoCenter unter shop.vde.com erhältlich. VDE-Mitglieder und Journalisten erhalten sie kostenlos.