(Frankfurt am Main, 29.10.2026) Dr. Dirk Biermann hält die weitere Elektrifizierung des Straßenverkehrs in Deutschland für technisch machbar – unter einer Bedingung. „Für das Jahr 2045 rechnen wir mit über 40 Millionen Elektro-Pkw in Deutschland. Energetisch ist das darstellbar“, sagt der COO für den Bereich Operations der 50Hertz Transmission GmbH im Gespräch mit Ralf Petri vom VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik. Allerdings setze das den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien voraus.
Die Herausforderung reicht dabei weit über die Elektromobilität hinaus. „Die zusätzliche Stromnachfrage entsteht nicht allein durch Elektromobilität, sondern auch durch die Dekarbonisierung von Wärmeversorgung und Industrie“, sagt Biermann. „Die größere Herausforderung ist somit nicht das Elektroauto selbst, sondern die gesamte Elektrifizierung der Wirtschaft und Gesellschaft.“
Bidirektionales Laden „technisch vielversprechend“
Laut Biermann können Elektroautos künftig zusätzlich zur Netzflexibilität beitragen und neue Möglichkeiten für Marktteilnehmer schaffen. „Technisch halte ich bidirektionales Laden für vielversprechend“, sagt der erfahrene Manager, der seit mehr als 15 Jahren für 50Hertz tätig ist. „Besonders im häuslichen Umfeld entstehen bereits interessante Anwendungen.“ Beim öffentlichen Laden sieht er dagegen noch Entwicklungspotenzial, etwa bei dynamischen Tarifen und Marktanreizen. Er fordert im Gespräch auch, die Anforderungen an die Verteilnetze zu berücksichtigen: „Das Laden von Elektrofahrzeugen erfolgt häufig zeitgleich und kann lokale Belastungsspitzen verursachen. Deshalb benötigen Verteilnetzbetreiber geeignete Steuerungsmöglichkeiten, um unnötigen Netzausbau zu vermeiden.“
Der VDE hat im September die Relevanz von Elektrofahrzeugen als Baustein der Energiewende in den Fokus gerückt und erforscht das Thema bidirektionales Laden derzeit in zwei geförderten Forschungsvorhaben.