(Frankfurt a. M., 30.09.2026) Laut internationalem Osteoporose-Report werden rund 90 Prozent der Fälle in Deutschland erst sehr spät diagnostiziert, in der Schweiz sind es sogar 95 Prozent (Stand 2021). Somit ist der Knochenschwund weit fortgeschritten und erste Knochenbrüche liegen meist schon vor. Prof. Dr. Jan Kirschke, Mitgründer von Bonescreen, stellt fest: „Bei einer frühen Diagnose können einfache Maßnahmen wie gesunde Ernährung, Vitamin D-Zufuhr oder ausreichend Bewegung den hormonell bedingten Knochenschwund stark verlangsamen. Wir haben in Deutschland zudem eine gute therapeutische Versorgung, aber sie erreicht viele Menschen zu spät. Das wollen wir mit unserer Lösung für möglichst viele Patientinnen und Patienten ändern.“
Die Idee, vorhandene Daten für ein KI-gestütztes Screening zu nutzen, hat die Jury der VDE DGBMT und der Stiftung Familie Klee überzeugt. Der mit 15.000 EUR dotierte Preis für Innovation in der Medizintechnik geht alle zwei Jahre an Lösungen für medizinische Fragestellungen, die durch technisch-naturwissenschaftliche Zusammenarbeit entstehen.
Hohes Vertrauen: Evidenz aus der Wissenschaft in die Praxis bringen
Prof. Dr. Jan Kirschke hat vor mehr als 25 Jahren in seiner Doktorarbeit begonnen, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Nach intensiver Forschung gründete er gemeinsam mit seinen Mitstreitern 2022 Bonescreen, um ein Screeningprodukt für Osteoporose zu entwickeln. Dominik Maurer, ebenfalls Mitgründer von Bonescreen, sagt: „Als Unternehmen haben wir in Kooperation mit Partnern wie der TU München, der Uniklinik Freiburg oder Ulm weitere klinische Studien durchgeführt. Denn wissenschaftliche Evidenz ist die Voraussetzung dafür, dass unser Produkt den hohen Ansprüchen in der Medizintechnik genügt.“
Hohe Effizienz: Vorhandene CTs mit CE-zertifizierter KI automatisiert auswerten
Um frühzeitige Diagnosen von Osteoporose zu ermöglichen und den Aufwand zu reduzieren, verwendet Bonescreen für die Analyse vorhandene Aufnahmen aus der Computertomographie (CT). So können radiologische Praxen oder Kliniken ohne zusätzliche Untersuchung auf Knopfdruck ein Screening durchführen. Die KI-gestützte Screeningsoftware eicht die Bilddaten und extrahiert quantitative Biomarker, so dass die Früherkennung auf den gleichen Parametern basiert wie bei der klassischen DXA (Dual-Röntgen-Absorptiometrie).
„Wir haben mehrere Algorithmen entwickelt, die Bilddaten strukturieren, klassifizieren und auswerten. Erkennungsmerkmale geben vor, was ausgewertet werden darf und was nicht“, erklärt Kirschke. Die Software arbeitet leitliniengerecht und ist CE-zertifiziert. „Als Firma sind wir nach der strikt regulierenden EU-Medizinprodukteverordnung (MDR) 2017/745 zertifiziert und der gesamte Entwicklungsprozess entspricht den vorgegebenen Qualitätskriterien, um höchste Zuverlässigkeit sicherzustellen“, ergänzt Maurer. Inzwischen arbeiten fast 100 radiologische Praxen in Deutschland mit der Lösung von Bonescreen.
Blick in die Zukunft: App für Patienten und Screenings für weitere Krankheiten
Die erfolgreiche Markteinführung und die Auszeichnung mit dem Innovationspreis bilden eine gute Basis für die Zukunft. Derzeit entwickelt Bonescreen eine App, mit der Patienten selbstbestimmt mit den Screeningdaten umgehen können. „Außerdem prüfen wir, ob unser Modell auf andere unterdiagnostizierte Volkskrankheiten adaptierbar ist. Die Integration beispielsweise von MRT-Bildern kann neue Möglichkeiten eröffnen – immer mit dem Blick darauf, die Versorgung für Patienten zu verbessern“, so Maurer.