Deutschlandweit fehlen aktuell pro Jahr etwa 5.000 Fachkräfte in Elektro und IT, um die Verrentungen auszugleichen – Tendenz massiv steigend. So studieren immer weniger Menschen an deutschen Hochschulen Elektrotechnik: Im letzten Jahrzehnt ging die Zahl um rund ein Drittel zurück. Studierende aus aller Welt verhindern, dass diese Negativentwicklung noch drastischer ausfällt. So hat der Anteil der internationalen Erstsemester 2025 erstmals die 50-Prozent-Marke übertroffen. Die Internationalisierung birgt allerdings andere Gefahren. Vor allem für den Verteidigungssektor – siehe VDE Politikbrief 1/2026.
Sicherheitsrisiko durch Ausspähen
Es ist wichtig, dass Deutschland ein attraktives Ziel für ausländische Studierende ist und weiterhin bleibt. Unternehmen suchen händeringend nach jungen Menschen mit Leidenschaft für die Elektro- oder Informationstechnik. Diese Entwicklung birgt enorme Herausforderungen. Erstens aus sicherheitspolitischer Sicht: Im Mai 2026 nahm die Bundesanwaltschaft mutmaßliche internationale Spione fest, die gezielt Forschende an militärnahen Lehrstühlen ausspähen sollten. Zudem sind Staatsstipendiaten aus bestimmten Ländern gegenüber ihrem Herkunftsstaat auskunftspflichtig und stehen dabei unter politischem Druck – beispielsweise zu technischem Wissen über militärisch nutzbare Technologie wie Elektronik, Sensorik und Kommunikationstechnik für Drohnen oder Luft- und Raumfahrt. Zweitens ökonomisch: Etliche internationale Absolventen kehren nach dem Studium in ihre Heimat zurück – zum Beispiel aufgrund fehlender Kontakte zu deutschen Unternehmen oder generellen Problemen mit der deutschen Sprache. Wesentliche Aufgaben aus Sicht des VDE:
- Inlandspotenzial heben: Die Hochschulen bzw. Bundesländer müssen dauerhaft für das Studium werben und deutlich mehr Ressourcen für eine jugendgerechte Ansprache aufbringen. Vor allem gilt es, junge Frauen gezielt für die Elektro- und Informationstechnik zu gewinnen. Ihr Anteil liegt aktuell nur bei 13 Prozent – Schlusslicht innerhalb der Ingenieurdisziplinen.
- Internationale Talente halten: Die Hochschulen sollten die Sprachförderung ausbauen und einen strukturierten Berufseinstieg insbesondere bei mittelständischen Unternehmen eröffnen.
- Anwerbung strategisch ausrichten: Der Nachwuchs sollte gezielt in befreundeten Demokratien wie EU- und Mercosur-Staaten angeworben werden. So sinkt auch die Abhängigkeit von einzelnen Herkunftsländern.
- Sicherheit priorisieren: Eine Pauschalisierung der Zulassungsbeschränkung von Staatsstipendiaten zum Studium wäre über das Ziel hinausgeschossen. Aber in sicherheitsrelevanten Feldern – und dies betrifft viele Gebiete der Elektro- und Informationstechnik – sind für Staatsstipendiaten aus sicherheitskritischen Ländern nach einer Prüfung von Projekten, Laborzugang oder Themenwahl Einschränkungen vorzunehmen.