Motivation und Bedarf
Weltweit werden enorme Anstrengungen unternommen, einen ungebremsten Klimawandel zu verhindern. Dennoch werden die Durchschnittstemperaturen in Zukunft weiter zunehmen. Extremwetterereignisse wie vermehrter Starkregen und verlängerte Dürreperioden verdeutlichen diese Entwicklung. Es bedarf daher einer gesamtgesellschaftlichen Anpassung an die sich ändernden Gegebenheiten. Dabei gilt es, nicht nur die nationale Infrastruktur im Blick zu behalten, sondern auch die sich ändernden Anforderungen an Produkte und internationale Wertschöpfungsketten.
Der Normung kommt bei der Etablierung einer klimaresilienten Gesellschaft eine zentrale Rolle zu. So verweisen unter anderem das Klimaanpassungsgesetz sowie die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) ausdrücklich auf die Anwendung einheitlicher Normen. Zudem wird die Entwicklung messbarer Anpassungsziele angestrebt. Die Umsetzung des europäischen Klimagesetzes wird darüber hinaus durch das neue Normungsmandat M/617 gezielt unterstützt. Normen schaffen hierbei eine gemeinsame fachliche Grundlage, um klimabedingte Einwirkungen einheitlich zu bewerten, technische Anforderungen vergleichbar zu definieren und Anpassungsmaßnahmen nachvollziehbar umzusetzen.
Um das Thema Klimaanpassung auch in der Elektrotechnik gezielt voranzubringen, richtet die VDE ETG eine Task Force ein. In diesem Gremium sollen die vielfältigen Facetten und Fragestellungen der Klimaanpassung systematisch betrachtet werden. Im Unterschied zum Klimaschutz zielt die Klimaanpassung darauf ab, technische Systeme und Infrastrukturen an bereits eintretende und künftig erwartete klimatische Veränderungen anzupassen. Dabei kommt den bereits gesammelten Erfahrungen der unterschiedlichen Akteure entlang der energietechnischen Wertschöpfungskette eine besondere Bedeutung zu, da sie eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung branchenweiter Standards und deren einheitliche Umsetzung bilden.
Im Fokus stehen unter anderem die Versorgungssicherheit und -zuverlässigkeit bei Extremereignissen, die Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf Materialeigenschaften sowie deren Konsequenzen für Material- und Produktprüfungen. Darüber hinaus werden klimabedingte Einwirkungen wie Wind- und Eislasten, Starkregen, Hitzewellen und UV-Strahlung – insbesondere mit Blick auf die Erzeugung erneuerbarer Energien – analysiert. Ergänzend werden die Auswirkungen des Klimawandels auf Bestands- und Neuanlagen betrachtet.
Ziele und geplante Ergebnisse
Die Intention der Task Force besteht in erster Linie darin, ein breites Bewusstsein für die Notwendigkeit der Klimaanpassung im elektrotechnischen Sektor zu schaffen. Auf dieser Grundlage sollen kurzfristig neue Expertinnen und Experten gewonnen werden, um den steigenden fachlichen Anforderungen gerecht zu werden und insbesondere der in den kommenden Jahren erwarteten Novelle der DAS wirksam zu begegnen.
Mittelfristig soll die Task Force zudem als Plattform für den fachlichen Austausch elektrotechnischer Sachverständiger etabliert werden. Ziel ist es, eine zukunftsfähige Infrastruktur unter den sich durch den Klimawandel verändernden Rahmenbedingungen sicherzustellen. Unter Infrastruktur werden hierbei insbesondere Geräte, Komponenten und Systeme verstanden, die vor dem Hintergrund klimatischer Veränderungen geplant, installiert und betrieben werden müssen. Das frühzeitige Erkennen damit verbundener Herausforderungen und Chancen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen gezielt in die internationale Normungsarbeit eingebracht werden, um die Weiterentwicklung bestehender IEC Normen sowie die Initiierung neuer Normungsvorhaben im Kontext der Klimaanpassung zu unterstützen und deutsche sowie europäische Positionen frühzeitig im internationalen Konsensprozess zu verankern.
Eine weitere wesentliche Aufgabe der Task Force ist die Erarbeitung eines Impulspapiers. Dieses soll die vom Klimawandel betroffenen Bereiche innerhalb der Elektrotechnik identifizieren, relevante Risiken skizzieren und mit konkreten Lösungsansätzen sowie Handlungsempfehlungen versehen. Das Impulspapier richtet sich sowohl an die jeweiligen Fachexpertinnen und -experten der betroffenen Disziplinen als auch an verantwortliche Entscheidungsträgerinnen und -träger.
Mitglieder und Zeitplan
Eingeladen sind Mitarbeitende und Fachleute aus folgenden Bereichen:
- Klimaforschung und Klimawandelforschung
- Forschung, Entwicklung und Herstellung elektrotechnischer Betriebsmittel
- Planung, Errichtung und Betrieb elektrotechnischer Infrastruktur
- Normung
- Bundes- und Landesbehörden
Start: Q2 2026
Dauer: ca. 6 Monate