Doch trotz hoher technischer Ausstattung bleibt die Vernetzung bislang fragmentiert. Geräte verschiedener Hersteller arbeiten zumeist mit Schnittstellen, die das Gebot der Interoperabilität missachten. Dabei handelt es sich um ein klassisches Henne-Ei-Problem, das die Politik beheben muss: Es fehlt an der Nachfrage von Krankenhausbetreibern, da dort wiederum fachkundiges Personal für die Digitalisierung fehlt. Zwangsläufige Folge: Daten, die in den Einzelgeräten erfasst werden, bleiben ungenutzt. Hinzu kommen strukturelle Herausforderungen wie offene Haftungsfragen oder fehlende Investitionsanreize für die Krankenhäuser. Der Gesetzgeber ist gefordert, die vernetzte Medizintechnik zu unterstützen und die Versorgung zu verbessern. Fünf wesentliche Aufgaben aus Sicht des VDE:
- Interoperabilität verankern: Bestehende Standards wie HL7 FHIR und ISO/IEEE 11073 ermöglichen eine vernetzte Medizintechnik. Bei künftigen Beschaffungen müssen sie als Mindestanforderung gelten. Die digitale Transformation der Einrichtung an sich muss ermöglicht werden.
- Investitionen fördern: Krankenhäuser benötigen Geld insbesondere für Netzwerke, Server, Cybersecurity und die Beschaffung und Vernetzung von Medizintechnik. Entsprechende Förderprogramme sollten langfristig angelegt sein.
- KI-Fragen klären: Für KI-basierte Medizinprodukte braucht es Leitlinien zu Fragen der Erklärbarkeit, Validierung und Haftung. Eine entsprechende Regulierung schafft Sicherheit für Hersteller und Anwender.
- Qualifizierung ausbauen: Medizintechnik, IT, Pflege und klinisches Personal benötigen kontinuierliche Weiterbildung und Freiräume, um digitale Systeme aufzubauen und sicher zu betreiben.
- Anreize setzen: Krankenhäuser, die Interoperabilität, standardisierte und digitale Prozesse erfolgreich umsetzen, sollten finanziell profitieren.
Ergänzende Informationen:
VDE Positionspapier - Vernetzte und intelligente Medizintechnik
Artikel aus dem VDE Politikbrief 1/2025 - Bessere Gesundheitsversorgung ermöglichen