Seit Beginn des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine Anfang 2022 wächst die Verteidigungsindustrie stärker als jede andere Hightech-Branche. Deutsche Unternehmen mit dem Schwerpunkt Verteidigung und Sicherheit melden Rekordaufträge und massive Neueinstellungen. Besonders gefragt sind Fachkräfte für Elektronik, Sensorik, Embedded Systems, Leistungselektronik und sichere Kommunikation. Auch Mittelständler und Start-ups expandieren rasant.
Engpass Fachkräfte
Die drastisch wachsende Nachfrage trifft jedoch auf einen seit Jahren stetig schrumpfenden Nachwuchspool. 2025 standen rund 12.700 Verrentungen nur 7.500 Absolventen in der Elektro- und Informationstechnik gegenüber, mit dramatischer Tendenz. Ebenfalls kritisch: 83 Prozent der Masterabsolventen an den F&E-lastigen Universitäten in Elektro- und Informationstechnik haben keinen deutschen Pass. Davon stammt die Hälfte aus Ländern wie China und Indien, die aus Sicherheitsgründen nicht für Projekte in der Landes- und Bündnisverteidigung zugelassen sind.
Ein weiterer Grund: verfehlte Hochschulpolitik. Mit drastischen Konsequenzen, wie das Beispiel Frankfurt University of Applied Science (UAS) zeigt: Innerhalb von fünf Jahren fallen dort 40 Prozent der elektrotechnischen Professuren Budgetkürzungen zum Opfer. Ganze Studiengänge werden künftig nicht mehr für Erstsemester angeboten. Ein weiterer Kahlschlag droht Ende 2026 in Nordrhein-Westfalen, wenn die Hochschulvereinbarung ausläuft. Mit Blick auf die Verteidigungsthematik fehlen gezielte Förderprogramme. Und die traditionelle Trennung zwischen ziviler und militärischer Forschung an deutschen Hochschulen verhindert zusätzlich eine höhere Innovationskraft. Immerhin: Bayern hat nach dem Vorbild USA die Trennung zwischen ziviler und militärischer Forschung als erstes Bundesland aufgehoben – praxis- und industrienah. Dringend benötigte Fachkräfte können nur gewonnen werden, wenn Bildungs-, Sicherheits- und Forschungspolitik gemeinsam gedacht werden:
- Fachkräftesicherung strategisch verankern: Verteidigungs- und Sicherheitstechnik sind in der Hochschul- und Forschungsplanung dauerhaft als Zukunftsfelder zu berücksichtigen.
- Inlandsnachwuchs fördern: Schulen und Hochschulen müssen mehr junge Menschen für Elektro- und Informationstechnik gewinnen und auf sicherheitsrelevante Tätigkeiten vorbereiten.
- Sicherheitsüberprüfungen vereinheitlichen: Die Verfahren für Forschungseinrichtungen und Unternehmen sind zu beschleunigen und zu harmonisieren.
- Hochschulfinanzierung stabilisieren: Lehrstühle und Studienangebote der Elektro- und Informationstechnik sind auch bei vorübergehender Unterauslastung zu erhalten.