Jens Schüler im Austausch mit Dr. Ralf Petri über die Strategien im Aftermarket und Elektromobilität
| Schaeffler Vehicle Lifetime SolutionsVDE: Herr Schüler, vielen Dank für die Einladung zum Interview. Wie sind Sie heute angereist und welche Art der Mobilität bevorzugen Sie aktuell?
Schüler: Ich bin heute mit dem eigenen Auto gekommen, aktuell ist das eines mit Hybridantrieb. Bis vor Kurzem bin ich noch einen reinen Verbrenner gefahren, mein nächstes Fahrzeug wird aber vollelektrisch sein.
Mobilität der Zukunft: Elektromobilität im persönlichen Wandel
VDE: Wenn man Ihren Lebenslauf betrachtet, kann man Sie durchaus als ein „Schaeffler-Eigengewächs“ bezeichnen. Sie waren kurzzeitig und nur zu Beginn ihrer Karriere außerhalb des Konzerns bei der Deutschen Börse tätig, sind nun schon seit 23 Jahren ununterbrochen an Bord. Was verbindet Sie mit Schaeffler?
Schüler: Meine Zeit außerhalb von Schaeffler war nur von kurzer Dauer und spielt deshalb für meinen beruflichen Weg eine untergeordnete Rolle. Schaeffler war für mich immer spannend durch die große Technologievielfalt, kombiniert mit Innovation und der Möglichkeit, neue Dinge zu entwickeln und zu gestalten. Persönlich hat Schaeffler mir zudem immer neue Perspektiven eröffnet und ist als Gruppe breit international aufgestellt. Ich komme aus einem kleinen Ort in Nordhessen und wollte schon immer die Welt kennenlernen – genau das hat mir Schaeffler ermöglicht.
Vehicle Lifetime Solutions bei Schaeffler: Aftermarket über den Fahrzeuglebenszyklus
VDE: Die Schaeffler Gruppe beschäftigt weltweit über 110.000 Mitarbeitende an 250 Standorten und positioniert sich als führendes Unternehmen für Bewegungstechnologie mit klarem Fokus auf Technologie.
Schüler: Die Division Vehicle Lifetime Solutions verantwortet das globale Aftermarket-Geschäft der Schaeffler Gruppe und bietet Reparatur- und Servicelösungen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs. (Anm. d. Rd.: Unter Aftermarket versteht man das Reparatur- und Servicegeschäft) Vor zwei Jahren haben wir uns bewusst umbenannt in Vehicle Lifetime Solutions, um klarzumachen, dass wir dann ins Spiel kommen, wenn ein Fahrzeug bereits produziert ist und ein Teil ersetzt oder repariert werden muss. Der Begriff „Vehicle“ ist auch bewusst gewählt, da wir nicht nur im Pkw-Segment tätig sind, sondern auch bei Lkw, Nutzfahrzeugen wie Traktoren oder Two-Wheeler.
VDE: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?
Schüler: Durch die Neuaufstellung basiert unser Geschäft auf mehreren Säulen: Die größte ist Repair & Maintenance, also Reparaturlösungen für alle Antriebsarten – vom Verbrenner bis zum vollelektrischen Fahrzeug. Hinzu kommt der Geschäftsbereich Plattform Business, der sich mit digitalen Way-to-Market-Modellen beschäftigt. Außerdem betreuen wir das OE-gebundene Geschäft (OES, Anm. d. Rd.: OES steht für Original Equipment Supplier und meint Originalausrüster) für Fahrzeughersteller weltweit. Eine weitere Säule ist das Emerging Business, in dem wir neue Geschäftsmodelle rund um Reparatur und Instandhaltung entwickeln. Ziel ist es, ein zukunftsfähiges Geschäftsfeld zu entwickeln, das Trends im Mobilitätsökosystem ganzheitlich adressiert.
Automotive Aftermarket: Technologie, Ersatzteile und Wertschöpfung
VDE: Das Aftermarket-Geschäft wird manchmal belächelt. Dort wird zwar Geld verdient, es gilt aber nicht als besonders „spannend“. Ist das bei Schaeffler auch so?
Schüler: Vielleicht früher einmal. Heute sind wir eine anerkannte Division mit über drei Milliarden Euro Umsatz. Schaeffler hat bereits früh erkannt, dass das Aftermarket-Geschäft eigene Prozesse und ein eigenes Geschäftsmodell benötigt.