Porträtfoto von Klaus Bayer
Rita Modl / VDE (Porträt-Illustration), master1305 / stock.adobe.com
01.04.2026 VDE dialog

„Nur gemeinsam!“

Der Vorsitzende des VDE Bayern, Klaus Bayer, ist schon seit Studienzeiten im Verein engagiert – aus Überzeugung und Leidenschaft. Sein Motto: Frag nicht, was der VDE für dich machen kann. Frag, was du für den VDE machen kannst.

Interview: Martin Schmitz-Kuhl

VDE dialog: Fangen wir vorne an: Wie kamen Sie überhaupt zum VDE?

Klaus Bayer: Ich bin tatsächlich schon im ersten Semester an der TU München auf den VDE aufmerksam geworden – durch eine Exkursion. Danach habe ich mich sehr schnell für die Hochschulaktivitäten interessiert und dort mitgemacht. Über den Jungmitgliederausschuss auf Bundesebene habe ich Gleichgesinnte kennengelernt und den Austausch über den eigenen Hochschulstandort hinaus sehr zu schätzen gelernt. Als studentischer Vertreter wurde ich regelmäßig in die Vorstandssitzungen des BV Südbayern eingeladen. So habe ich früh gesehen, wie Vereinsarbeit funktioniert. Seitdem bin ich dem VDE in verschiedenen Rollen treu geblieben – erst über das Studium, später als Jungmitgliederreferent und danach in Finanz- und Vorstandsrollen.

Seit drei Jahren sind Sie Vorsitzender des damals fusionierten Bezirksvereins VDE Bayern. Wie viel Zeit kostet Sie das so ungefähr?

Etwa einen Tag pro Woche – im Jahresdurchschnitt. In der Phase, in der wir die beiden bayerischen Vereine fusioniert haben, war es deutlich mehr. Da habe ich immer gesagt: „Ich habe einen unbezahlten Halbtagsjob.“ Allerdings hat das beruflich auch ganz gut gepasst: Ich war fast 30 Jahre im Airbus-Konzern, zunächst in der Technik, später in der Konzernstrategie. Vor rund dreieinhalb Jahren habe ich mich dann selbstständig gemacht. Heute arbeite ich als Unternehmensberater und helfe Start-ups und KMU beim Einstieg ins Verteidigungsgeschäft. Außerdem habe ich zwei Lehraufträge an der Hochschule München. Das ist auch alles sehr arbeitsintensiv, aber ich kann mir die Zeit besser einteilen als damals, als ich noch in Festanstellung war.

Warum investieren Sie so viel Zeit in ein Ehrenamt?

Weil es mir persönlich viel bedeutet, etwas weiterzugeben, vor allem an die nächste Generation von Ingenieurinnen und Ingenieuren. Ehrenamt ist Nonprofit: für die Community etwas tun. Und es motiviert mich, Zeit zu investieren, für Themen, für die ich inhaltlich brenne. Damit kann ich etwas zu meiner Disziplin beitragen und jungen Menschen zeigen, wie wichtig so ein Netzwerk ist. Und ich bin davon überzeugt: Der VDE ist dafür eine ideale Plattform – technisch-wissenschaftlich, politisch neutral, technologieoffen.

Delegierte stimmen mithilfe blauer Zettel ab.

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| Rita Modl / VDE

Welche Ihrer Ehrenamtsaufgaben machen Ihnen besonders Freude?

Vor allem unsere Leuchtturmprojekte. Zum Beispiel die VDE Bayern Awards im Bayerischen Hof, bei denen wir herausragende Abschlussarbeiten auszeichnen. Oder das Zukunftsforum, jedes Jahr an einem anderen Hochschulstandort – zuletzt zum Thema Halbleiter, mit dem Bayerischen Wirtschaftsminister als Schirmherr. Aber es macht mir auch Spaß und Freude, bisher weiße Flecken in Bayern mit einem VDE Footprint zu versehen, also Hochschulgruppen an allen Universitätsstandorten, an denen Elektrotechnik und Informatik gelehrt wird, zu installieren.

Und die  ganze Verwaltungsarbeit, die mit so einem Ehrenamt verbunden ist, ist dann vermutlich eine nicht ganz so große Freude?

Das kann ich so eigentlich gar nicht  sagen. Ich mag Zahlenarbeit! Alles, was ich in Excel machen kann, finde ich spannend. Auch Organisationsaufbau und Strukturarbeit schätze ich sehr – weil sie notwendig sind, um den Verein zu professionalisieren.

Gibt es denn gar keine Pflichten, die Ihnen eher lästig sind?

Doch, sicher. Wenn Mitglieder zum Beispiel unfreundlich kündigen und man trotzdem freundlich reagieren muss, ist das natürlich eher etwas lästig. Oder wenn ungerechtfertigte Kritik kommt, gerade von Menschen, die selbst wenig aktiv sind. Das ist selten, aber man braucht dann schon etwas Frustrationstoleranz, wenn man da so viel Zeit und Herzblut reinsteckt und das dann nicht richtig gewürdigt wird.

Nicht jeder hat auf Vereinsarbeit Lust. Haben Sie in Bayern Nachwuchsprobleme?

Zu unserem eigenen Erstaunen relativ wenig. Beide bayerischen Vereine hatten früher häufig Probleme, ehrenamtliche Rollen zu besetzen. Mit der Neuaufstellung zu einem einzigen Bezirksverein Bayern im Jahr 2022/23 haben wir rund 30 bis 40 Funktionen geschaffen – und fast alle konnten wir besetzen, teilweise sogar mit sehr jungen Nachfolgerinnen und Nachfolgern. In der Satzung ist auch festgelegt, dass der Vorsitz nur einmal wiedergewählt werden kann – maximal vier Jahre. Denn die Gefahr ist bei solchen Vereinen ja oft, dass sie gerade an der Spitze überaltern. Das heißt, dass es uns auch dazu zwingt, rechtzeitig für eine gute Nachfolge für mich zu sorgen, denn ich bin schon im letzten Jahr. Das ist kein Selbstläufer, aber ich bin mir sicher: es gelingt.

Regionalleiter Julian Marberger und Klaus Bayer mit Prof. Dr. Eva-Maria Kern

Regionalleiter Julian Marberger und Klaus Bayer (m.) mit Prof. Dr. Eva-Maria Kern – Neumitglied im VDE Bayern Beirat.

| Rita Modl / VDE

Wie funktioniert das Zusammenspiel mit dem Hauptamt in Offenbach?

Als Vorsitzender eines Bezirksvereins müsste ich jetzt ja wohl eigentlich über Offenbach schimpfen. Aber ganz ehrlich: ich kann es nicht. Denn die Unterstützung ist hervorragend. Die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt läuft bei uns wirklich reibungslos, was nicht zuletzt daran liegt, dass wir mit Julian Marberger einen für Bayern zuständigen, hauptamtlichen Regionalleiter haben. Ich sage immer: „Wir sind der VDE.“ Nur gemeinsam geht es voran.

Welche Botschaft würden Sie Menschen mitgeben, die über ein Ehrenamt nachdenken?

Vielleicht sollte man nicht nur fragen: „Was bringt es mir?“, sondern: „Was kann ich anderen bieten?“. Denn das Netzwerk gibt ohnehin viel zurück: persönliche Weiterentwicklung, Sichtbarkeit, Freude am Vernetzen. Aber man sollte den Beitrag eben nicht gegen direkte Gegenleistung aufrechnen – es lohnt sich, über den eigenen Schatten zu springen.

Und wie lohnt es sich für Sie persönlich?

Ich habe durch das Engagement auch mein eigenes Netzwerk enorm stärken können – auch zum Beispiel in der Landespolitik. Als Vorsitzender des VDE Bayern öffnen sich Türen, die mir sonst verschlossen gewesen wären. Und so kann ich natürlich auch Ideen verwirklichen, was allein so nicht möglich wäre. Denn die Marke VDE ist überall absolut positiv besetzt und deshalb auch ein guter Türöffner.

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Jutta Waschke (Porträt-Illustration), master1305 / stock.adobe.com
01.04.2026 VDE dialog

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Porträtfoto von Andreas Geld
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