Automatische Letztmaßnahmen sichern den Netzbetrieb in kritischen Situationen
18.09.2019 2535 0

Automatische Letztmaßnahmen (VDE-AR-N 4142)

Automatische Letztmaßnahmen werden bei Störungen und Gefährdungen angewendet, wenn keine ausreichende Zeit für manueller Maßnahmen zur Verfügung steht. Die vorliegende Vorabversion wurde der EU-Kommission zur Notifizierung vorgelegt. Die Notifizierung wird bis Ende 2019 erwartet. Die Veröffentlichung der Anwendungsregel und damit Aufnahme ins VDE-Vorschriftenwerk ist frühestens für Februar 2020 geplant. Die Anwendungsregel ersetzt den FNN-Hinweis zur automatischen Frequenzentlastung (AFE).

Das Wichtigste in Kürze

  • Anwendungsregel setzt Vorgaben des europäischen Network Codes on Emergency and Restoration (NC ER) um
  • Aktualisierung beim unterfrequenzabhängigen Lastabwurf stellt dessen Wirksamkeit auch zukünftig sicher

Manuelle oder automatische Letztmaßnahmen spielen bei Störungen und Gefährdungen eine große Rolle. Sie leisten in kritischen Netzsituationen einen entscheidenden Beitrag für den sicheren und zuverlässigen Betrieb des europäischen Elektrizitätsversorgungssystems.
In der Regel reichen manuelle Letztmaßnahmen aus, die von Übertragungs- und Verteilnetzbetreibern durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sind bereits in den Anforderungen zur Kaskade (VDE-AR-N 4140) definiert. Dazu gehört zum Beispiel die Absenkung von Erzeugungsanlagen bei Netzengpässen. Automatische Letztmaßnahmen kommen nur in Ausnahmefällen zur Anwendung, wenn keine ausreichende Zeit für die Durchführung manueller Maßnahmen zur Verfügung steht.

Der Network Code on Emergency and Restoration (EU Verordnung 2017/2196) legt europaweit verbindliche Anforderungen an automatische Letztmaßnahmen fest. Die VDE-Anwendungsregel VDE-AR-N 4142 setzt die Anforderungen für Deutschland um. In der Anwendungsregel wird dem Network Code entsprechend unterschieden zwischen

  • Maßnahmen zum unterfrequenzabhängigen Lastabwurf
  • Maßnahmen bei Überfrequenz
  • Maßnahmen zur Vermeidung eines Spannungskollapses

Automatische Letztmaßnahmen gegen Unterfrequenz wurden bereits mit der Einführung des Verbundbetriebes festgelegt („5-Stufenplan“). Dieses Konzept war Bestandteil des Transmission Codes 2007, eine Anpassung ist 2012 mit dem FNN-Hinweis „Technische Anforderungen an die automatische Frequenzentlastung“ erfolgt. Darin wurden Maßnahmen beschrieben, um die Wirksamkeit des Lastabwurfs auch bei einer zunehmenden Anzahl dezentraler Erzeugungsanlagen in den Verteilnetzen sicherzustellen. Dazu gehörten die wirkleistungsrichtungsabhängige Unterfrequenzauslösung und die geeignete Ermittlung der Lasten je Abwurfstufe. Die neue Anwendungsregel aktualisiert Vorgaben aus dem FNN-Hinweis auf und berücksichtigt die neuen Anforderungen aus dem europäischen Network Code ER.

Konkrete Neuerungen

  • Ermittlung der Abwurfleistung auf Grundlage der Gesamtlast
  • Erweiterung auf zehn Frequenzstufen
  • Option von Gruppenabwurfkonzepten mit mehreren Netzbetreibern
  • Detailliertes Monitoring und Reporting

Zielgruppen

  • Übertragungsnetzbetreiber
  • Verteilnetzbetreiber
  • An öffentliche Netze angeschlossene Netzkunden

Nutzen und Verbesserung
Die Anwendungsregel legt automatische Letztmaßnahmen fest, die vorsorglich umzusetzen sind, um Systemzusammenbrüche zu verhindern. Sie beschreibt das Monitoring, um die Wirksamkeit der automatischen Letztmaßnahmen zu überprüfen. Die Anwendungsregel ist Grundlage für eine einheitliche und verbindliche Umsetzung der automatischen Letztmaßnahmen in Deutschland.

Bezugsquelle
Die Anwendungsregel VDE-AR-N 4142 liegt als Vorabversion vor. Nach Notifizierung durch die EU-Kommission und Verabschiedung soll sie Teil des VDE-Vorschriftenwerks werden.

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Status
Vorabversion, vorbehaltlich der Notifizierung gem. RiLi (EU) 2015/1535
Einspruchsfrist
31.10.2018
Erscheinungsdatum
18.09.2019
Sprache
Deutsch
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