TAR fassen zusammen, was beim Anschluss von Kundenanlagen an die öffentlichen Energieversorgungsnetze wesentlich ist.
17.05.2018 Seite 3956 0

Allgemeines und Übersicht zu Technischen Anschlussregeln

VDE|FNN legt mit Technischen Anschlussregeln (TAR) eine wichtige Grundlage für den Erfolg der Energiewende. Die TAR stehen für eine sichere Netzintegration erneuerbarer Energien, Interoperabilität der Netze sowie Investitions- und Planungssicherheit.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die TAR fassen die wesentlichen Anforderungen für den Anschluss von Kundenanlagen an die öffentlichen Energieversorgungsnetze zusammen
  • Sie geben wichtige Informationen zum Betrieb der Anlagen
  • TAR legen Handlungspflichten von Netzbetreibern,  Anlagenbetreibern, Planern sowie Kunden fest
  • VDE|FNN hat alle vier TAR  - eine je Spannungsebene - und die Anwendungsregel Erzeugungsanlagen an der Niederspannung überarbeitet
  • Die neuen TAR setzen die europäischen Network Codes „Requirements for Generators“ (RfG) und „Demand Connection“ (DCC) für das nationale Regelwerk um
  • Aufnahme in das VDE-Vorschriftenwerk mit Übergangsfrist bis 26. April 2019

Notwendigkeit von Technischen Anschlussregeln

Die Stromversorgung wird aufgrund der Veränderungen durch die Energiewende komplexer. Besonders stark zeigt sich diese Veränderung bei der Anzahl an Kundenanlagen am Stromnetz. Durch die vielen, oft kleinen, Erneuerbare-Energien-Anlagen werden deutlich mehr Anlagen an das Netz angeschlossen als früher. Viele dieser Anlagen werden im Unterschied zu großen, konventionellen Kraftwerken am Nieder- und Mittelspannungsnetz angeschlossen. Die steigende Anzahl der Anlagen und die neuen Herausforderungen für die unteren Netzebenen machen bundesweit einheitliche Anforderungen  an Kundenanlagen für einen sicheren Netzbetrieb notwendig.

Betreiber von Elektrizitätsversorgungsnetzen sind gemäß § 19 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) verpflichtet, technische Mindestanforderungen an die Auslegung und den Betrieb von Kundenanlagen, unter Berücksichtigung der nach § 17 EnWG festgelegten Bedingungen, für den Netzanschluss von Erzeugungsanlagen, Elektrizitätsverteilernetzen, Anlagen direkt angeschlossener Kunden, Verbindungsleitungen und Direktleitungen festzulegen und im Internet zu veröffentlichen.

Die technischen Mindestanforderungen müssen die Interoperabilität der Netze sicherstellen sowie sachlich gerechtfertigt und nicht diskriminierend sein. Die Mindestanforderungen sind der Regulierungsbehörde mitzuteilen.

Modernisierung des Regelwerkes durch VDE|FNN

VDE|FNN hat das bestehende Regelwerk für die verschiedenen Spannungsebenen modernisiert und harmonisiert. Die neuen TAR wurden am 17. Mai 2018 als Vorabversion veröffentlicht und anschließend durch die EU-Kommission notifiziert. Die Aufnahme in das VDE-Vorschriftenwerk mit einer Übergangsfrist bis zum 26. April 2019 ist für Herbst 2018 geplant. Bisher gibt es für die einzelnen Spannungsebenen verschiedene Richtlinien von mehreren Verbänden. Ab April 2019 wird es je Spannungsebene nur noch ein beziehungsweise in der Niederspannung zwei Dokumente geben. VDE|FNN erarbeitet in interdisziplinären Projektgruppen für jede Spannungsebene Technische Anschlussregeln. Im Fokus der Erarbeitung standen neben der Modernisierung der Regeln mit Blick auf die Energiewende auch die nationale Umsetzung der europäischen Network Codes.

Modernisierung des Regelwerks

Nutzen für …

Kunden

  • Anwendungsregeln ermöglichen Kunden einen sicheren und funktionsfähigen Netzanschluss
  • Die Einhaltung der Anforderungen gewährleistet den Anschluss durch den Netzbetreiber

Anlagenhersteller und -betreiber

  • Die durch die Anwendungsregeln erhöhte Transparenz  der Anforderungen erleichtert den Marktzugang, vereinfacht Anschluss- und Auftragsverhandlungen und senkt bei Einhaltung das Haftungsrisiko aufgrund der Vermutungsregel
  • Anwendungsregeln schaffen Klarheit für alle Akteure und  dämmen daher auch Auseinandersetzungen über die Notwendigkeit von Anforderungen im Einzelnen ein

Netzbetreiber

  • Für Netzbetreiber ergibt sich erhöhte Sicherheit, da sich alle Kundenanlagen bei Einhaltung der Anwendungsregeln mindestens netzverträglich verhalten
  • Die bundesweit einheitlichen Anforderungen erleichtern dem Netzbetreiber das Erstellen seiner netzspezifischen Anforderungen, da viele Aspekte bereits durch das Regelwerk abgedeckt werden
  • Auf Grundlage der Anwendungsregeln können Anforderungen aus Netzsicht frühzeitig in europäische Normungsprozesse eingebracht werden und so die europäische Regelsetzung mitgestalten

Gesetzgeber

  • Stärkung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Selbstverwaltung und Entlastung des Gesetzgebers durch private technische Regelsetzung auf Basis der Freiwilligkeit

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