VDE-FNN-Erzeugungsanlagen-am-Niederspannungsnetz-4105
23.06.2017 3618 0 TOP

Erzeugungsanlagen in der Niederspannung bleiben künftig auch im Fehlerfall am Netz (E VDE-AR-N 4105)

Der Entwurf der überarbeiteten Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ (E VDE-AR-N 4105) enthält zahlreiche technische Neuerungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Höhere Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen sorgen für Integration künftiger Erzeugungsleistung mit neuen netzstützenden Eigenschaften
  • Anwendungsregel setzt Europäischen Network Code „Requirements for Generators“ für die Niederspannung um
  • Zusammen mit der „TAR Niederspannung“ (E VDE-AR-N 4100) entsteht ein neues Basisregelwerk für diese Spannungsebene

Die Systemrelevanz der Erzeugungsanlagen in der untersten Spannungsebene nimmt weiter zu. Daher müssen künftig neu errichtete Erzeugungsanlagen das Netz bei Störungen stützen. Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (VDE|FNN) hat hierzu die Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ (E VDE-AR-N 4105) überarbeitet. Die Anwendungsregel wird höhere Anforderungen an dezentrale Erzeugungsanlagen stellen als bisher. Mit den neuen vorausschauenden Anforderungen entsteht der Rahmen, um weitere Erzeugungsleistung in die Niederspannungsnetze integrieren zu können. Ein weiterer Treiber für die Überarbeitung ist die Umsetzung des Europäischen Network Codes „Requirements for Generators“ für die Niederspannung in Deutschland. Künftig gilt: Neuanlagen, die nach der Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen in der Niederspannung“ angeschlossen werden, erfüllen auch alle technischen Anforderungen aus diesem Europäischen Network Code.

Den größten Anteil von Erzeugungsanlagen in der Niederspannung machen Photovoltaik-Anlagen aus, viele davon in privaten Haushalten. Aber auch Blockheizkraftwerke (BHKW), Wasserkraftanlagen, Kleinwindenergie und Brennstoffzellen gehören dazu. Die neue Anwendungsregel umfasst erstmals auch Anforderungen an Speicher, die sich beim Ausspeichern wie Erzeugungsanlagen verhalten müssen.

Wesentliche Neuerungen sind unter anderem:

  • Dynamische Netzstützung: Neue Erzeugungsanlagen müssen künftig bei kurzzeitigen Spannungseinbrüchen oder -erhöhungen am Netz bleiben und es so stützen.
  • Einspeisung von Blindleistung in Abhängigkeit von der Spannung (Q(U)-Regelung) kann genutzt werden: je nach örtlichen Gegebenheiten lassen sich so mehr Erzeugungsanlagen in ein vorhandenes Netz integrieren.
  • Wirkleistungsabgabe bei Unterfrequenz: Wenn Leistung im System fehlt, speisen Erzeugungsanlagen und Speicher künftig verstärkt ein und stützen so das System.

Künftig ist vorgesehen, dass Erzeugungsanlagen in der Niederspannung die dynamische Netzstützung erbringen können. Das bedeutet, dass Anlagen auch bei kurzzeitigen Spannungseinbrüchen oder -erhöhungen am Netz bleiben, anstatt sich wie bisher abzuschalten. Damit wird eine ungewollte Abschaltung von Erzeugungsleistung und eine Gefährdung der Netzstabilität verhindert.

In der Niederspannung stützen Erzeugungsanlagen seit 2011 die Spannung wahlweise nach zwei bewährten Verfahren, die jedoch nicht auf die Spannung am Anschlusspunkt reagieren. Ein weiteres Verfahren, die Einspeisung von Blindleistung in Abhängigkeit von der Spannung (so genannte Q(U)-Regelung), hat sich bereits seit längerem in der Hoch- und Mittelspannung bewährt. In Zukunft soll sie auch in der Niederspannung genutzt werden können. Dadurch lassen sich, je nach örtlichen Gegebenheiten, mehr Erzeugungsanlagen an ein vorhandenes Verteilnetz anschließen. Mit dieser Anforderung sowie der dynamischen Netzstützung überführt VDE|FNN wesentliche Ergebnisse der FNN-Studien „Verhalten im Fehlerfall“ und „Statische Spannungshaltung“ von 2015/2016 in die Praxis.

Schließlich müssen Erzeugungsanlagen künftig einem Absinken der Netzfrequenz durch Erhöhen ihrer Einspeiseleistung entgegenwirken. Das gilt insbesondere auch für Speicher. Unterfrequenz bedeutet, dass es im Netz zu wenig Erzeugungsleistung bei gleichzeitig zu hohem Verbrauch gibt.

Zielgruppen

  • Planer, Errichter, Betreiber und Hersteller von dezentralen Erzeugungsanlagen für die Niederspannung: erhalten klare, bundesweit einheitliche Regeln und damit mehr Planungs- und Investitionssicherheit
  • Netzbetreiber: Erzeugungsanlagen in der Niederspannung verhalten sich dank weiterentwickelter Anforderungen künftig netz- und systemdienlicher

Zusammen mit den ebenfalls in Erstellung befindlichen „Technischen Anschlussregeln Niederspannung“ (E VDE-AR-N 4100) entsteht ein neues Basisregelwerk für die Niederspannung. Beide Unterlagen sind Teil der Aktivitäten von VDE|FNN, den jederzeit sicheren Systembetrieb bei steigender Aufnahme von Strom aus erneuerbaren Energien sicherzustellen. Bis zum 23. August 2017 konnten Änderungsvorschläge zur Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ abgegeben werden.

 

Bezugsquelle
Die Anwendungsregel „Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz“ liegt als Entwurf vor. Nach Verabschiedung soll sie Teil des VDE-Vorschriftenwerks werden.

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Status
Entwurf
Einspruchsfrist
23.08.2017
Erscheinungsdatum
23.06.2017
Sprache
Deutsch
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