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VDE FNN
03.02.2026

Vorausschauende Steuerung in der Niederspannung: mit dem Flexband Netz und Markt verbinden

Mit einem neuen Impuls konkretisiert VDE FNN, wie eine prognosebasierte Steuerung über intelligente Messsysteme in der Niederspannung künftig umgesetzt werden kann. Kern des Konzepts ist ein so genanntes Flexband, das auf Netzprognosen basiert und Marktakteuren frühzeitig verfügbare Netzkapazitäten anzeigt. Dadurch werden kritische Netzsituationen proaktiv vermieden, kurative Eingriffe nach § 14a EnWG reduziert und im Ergebnis Flexibilitäten besser integriert. Der Impuls dient als Diskussions- und Erprobungsgrundlage für Pilotprojekte sowie der Weiterentwicklung regulatorischer Rahmenbedingungen. 

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Laura Woryna

Mit dem neuen Impuls „Konzeptbeschreibung zur prognosebasierten Steuerung zwischen Netz und Markt via iMSys und Flexband“ stellt VDE FNN ein Konzept vor, das die Vereinbarkeit der Integration von Flexibilitäten und des sicheren Betriebs der Niederspannungsnetze künftig deutlich verbessern kann. Ausgangspunkt ist die zunehmende Einspeisung aus erneuerbaren Energien und der steigende Einsatz marktlich gesteuerter Verbrauchseinrichtungen. Diese Entwicklungen führen lokal zu stärkeren Leistungsschwankungen.  

Vorausschauende Steuerung verbessert die Integration von Flexibilitäten 

Während der Gesetzgeber bislang primär kurative Eingriffe nach § 14a EnWG in der so genannten roten Phase vorsieht, konkretisiert das Impulspapier ein vorausschauendes Steuerungsinstrument, das in der gelben Phase aus dem 2. Teil des VDE FNN Hinweises „Netzbetrieb mit Flexibilitäten“ genutzt werden kann. Mit der Konzeptbeschreibung der prognosebasierten Steuerung wird ein konkretes, evolutionär einführbares Steuerungsinstrument vorgeschlagen, das Netz und Markt frühzeitig miteinander verbindet. Kritische Netzsituationen werden proaktiv vermieden, kurative Eingriffe nach § 14a EnWG reduziert und im Ergebnis Flexibilitäten besser integriert. 

Flexband informiert über erwartete Kapazitätsengpässe 

Im Mittelpunkt steht das so genannte Flexband, welches von Verteilnetzbetreibern auf Basis von Netzprognosen erstellt wird, damit diese frühzeitig über erwartete Kapazitätsengpässe informieren können. Diese Information wird über die bestehende Infrastruktur der intelligenter Messsysteme (iMSys) an steuerbare Verbrauchseinrichtungen oder Energie‑Management‑Systeme sowie über vorhandene Schnittstellen des Messstellenbetreibers an berechtigte Marktakteure übermittelt. Die Idee: Durch Kenntnis des Flexbands und somit der Kapazitäten eines Netzbereiches können sich die Flexibilitäten beim Kunden – etwa Elektromobile, Wärmepumpen oder Batteriespeicher – bereits vorausschauend netzdienlich verhalten und somit proaktiv ihren Beitrag leisten, kritische Netzsituationen zu vermeiden. Ziel ist es, marktliche Optimierungen zu ermöglichen, aber dabei Netzkapazitäten effizienter zu nutzen und kurzfristige Eingriffe möglichst vollständig zu vermeiden.

Der Impuls beschreibt, wie Flexbänder wirken sollen und über standardisierte Prozesse übertragen werden können. Technisch setzt das Konzept konsequent auf die digitale Schnittstelle nach der VDE-Anwendungsregel "Technischer Informationsaustausch an der Schnittstelle zur Liegenschaft und den darin befindlichen Elementen der Kundenanlagen" (VDE‑AR‑E 2829‑6‑1) und die Weiterentwicklung des EEBUS‑Use‑Cases POEN. Damit kann das Verfahren mit geringen Anpassungen in bestehende Steuerungsprozesse integriert werden.  

Netz- und Messstellenbetreiber: Testen Sie das Flexband 

Der Impuls ist ein Aufruf, das Konzept in der Branche zu diskutieren und auf Basis des erhaltenen Feedbacks weiterzuentwickeln. Dabei ist wünschenswert, dass das Konzept auch Pilotprojekten erprobt wird. Die Ergebnisse sollen helfen, technische und regulatorische Rahmenbedingungen weiterzuentwickeln, insbesondere im Zusammenspiel mit der kommenden Netzentgeltsystematik und dem AgNeS‑Prozess. Das vorgestellte Flexband bietet damit einen praxistauglichen Ansatz, um die Energiewende effizienter, planbarer und kundenorientierter zu gestalten.