VDE|FNN definiert Technische Anschlussregeln für den Netzanschluss elektrischer Anlagen am Niederspannungsnetz, z.B. Speicher.
08.03.2019 Anwendungsregel

Technische Anschlussregeln Niederspannung (VDE-AR-N 4100)

Wichtigste Neuerungen im Bereich Ladeeinrichtungen für Elektromobilität, Speicher und Struktur der TAR Niederspannung

12.02.2020: Neuer FNN Hinweis "Anforderungen für den symmetrischen Anschluss und Betrieb nach VDE-AR-N 4100" ist jetzt kostenlos im VDE-Shop verfügbar.

16.09.2019: Berichtigung Abschnitt 7.2 „Ausführung der Zählerplätze“ und Datenblatt für Speicher. (zur Berichtigung)

Das Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE (FNN) definiert mit der Anwendungsregel TAR Niederspannung (VDE-AR-N 4100) neue Anforderungen an Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge. So müssen etwa Ladeeinrichtungen beim Netzbetreiber angemeldet werden. Außerdem wird ein netzdienliches Verhalten der Ladeeinrichtung gefordert, zum Beispiel eine Blindleistungsregelstrategie. Mit diesen neuen Anforderungen schafft VDE FNN Voraussetzungen für eine Integration größerer Stückzahlen von Elektroautos in die Niederspannungsnetze.

Neu aufgenommen wurden technische Anforderungen an Speicher, die bisher als FNN Hinweis „Anschluss und Betrieb von Speichern am Niederspannungsnetz“ (2016) vorlagen. So sind jetzt in der TAR Niederspannung beispielsweise die zulässigen Grenzwerte für Netzrückwirkungen auch für Speicher und Erzeugungsanlagen beschrieben. Der FNN Hinweis Speicher beschreibt dagegen die verschiedenen Messkonzepte und bleibt daher weiterhin gültig.

Einheitliches Regelwerk für die Niederspannung

Wichtig für alle Anwender: Die neue TAR Niederspannung bietet ein neues, einheitliches Basisregelwerk für diese Spannungsebene. Derzeit sind für den Netzanschluss von Kundenanlagen an Niederspannungsnetze folgende bundesweit gültige Regelwerke im Einsatz:

Die neue TAR Niederspannung gilt für Bezugsanlagen und – in Verbindung mit der Anwendungsregel Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz (VDE-AR-N 4105) – auch für Erzeugungsanlagen. Die Anforderungen an Erzeugungsanlagen wurden ebenfalls überarbeitet. Die Anwendungsregel Erzeugungsanlagen am Niederspannungsnetz wurde notifiziert und am 19. Oktober 2018 in das VDE Vorschriftenwerk aufgenommen. Langfristig ist ein Zusammenfließen beider Unterlagen in eine Anwendungsregel vorgesehen. Beide Unterlagen sind Teil der Aktivitäten von VDE FNN, innovative Technologien wie Speicher und Elektromobilität schneller alltagstauglich und systemkompatibel zu machen.

Mit der Inkraftsetzung der VDE-Anwendungsregel wurden ersetzt und außer Kraft gesetzt:

  • Anforderungen an Zählerplätze in der Niederspannung (VDE-AR-N 4101), 2015
  • Anschlussschränke im Freien (VDE-AR-N 4102), 2012
  • VDN-Richtlinie Notstromaggregate, 2004
  • Technische Anforderungen an den Zugang zu Niederspannungsnetzen des DistributionCode 2007
  • DIN VDE 0100-732 (VDE 0100-732) Hausanschlüsse in öffentlichen Kabelnetzen
  • VDN-Richtlinie Überspannungs-Schutzeinrichtungen Typ 1
  • VDEW-Materialie M-38/97 Anforderungen an Plombenverschlüsse, Ausgabe 1997
  • Technische Anschlussbedingungen für den Anschluss an das Niederspannungsnetz, TAB 2007 (Bundesmusterwortlaut)

Zielgruppen

  • Netzbetreiber
  • Elektrohandwerk
  • Hersteller

Nutzen und Verbesserung

  • Neue Anforderungen an Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge
  • Technische Anforderungen an Speicher in der Niederspannung
  • Anwenderfreundliches Regelwerk, da die TAR Niederspannung mehrere Dokumente ablöst

Eckdaten
Mit der Erstellung der TAR Niederspannung wurde im Mai 2014 begonnen. Die verantwortliche Projektgruppe – die mit Fachleuten von Netzbetreibern, Herstellern (z. B. Zählerplatzhersteller), Elektrohandwerk und Berufsgenossenschaft besetzt war – erstellte bis Juni 2016 einen ausgereiften Entwurf. Dieser Entwurf wurde von den betroffenen Herstellerkreisen bis Oktober 2016 intensiv geprüft. Die letzten Einwände der Herstellerverbände konnten im Dezember 2016 in einem zweitägigen Workshop zusammen mit allen betroffenen Fachkreisen einvernehmlich geklärt werden.

Die Entwurfsveröffentlichung der TAR Niederspannung (E VDE-AR-N 4100) erfolgte im April 2017. Die ca. 2800 eingegangenen Stellungnahmen wurden bis Januar 2018 von der zuständigen Projektgruppe vorbehandelt. Im Februar 2018 fand die Einspruchsberatung mit ca. 50 Teilnehmern statt. Bis Juli 2018 war das gesamte Verfahren zur Mitwirkung der Fachöffentlichkeit abgeschlossen und die Anwendungsregel von der verantwortlichen Projektgruppe im Konsens verabschiedet.

Die Verabschiedung im zuständigen VDE FNN Lenkungskreis erfolgte mehrheitlich im August 2018. Die Freigabe durch das Forum erfolgte ebenfalls mehrheitlich im August 2018. Nach der erfolgreichen Notifizierung durch die EU-Kommission veröffentlichte VDE FNN am 15. Oktober 2018 eine Vorabversion der TAR Niederspannung. Diese wurde mit der Aufnahme in das VDE Vorschriftenwerk am 8. März 2019  abgelöst. Die TAR Niederspannung ist seitdem in Kraft.

Status
Aktuell
Erscheinungsdatum
08.03.2019
Sprache
Deutsch

Kontakt

Steffen Schostan

FAQ zur VDE-AR-N 4100

Diese VDE-Anwendungsregel "TAR Niederspannung" fasst die technischen Anforderungen zusammen, die bei der Planung, bei der Errichtung, beim Anschluss und beim Betrieb von elektrischen Anlagen an das Niederspannungsnetz des Netzbetreibers zu beachten sind. Um weitergehende Hilfestellung bei der Nutzung der Anwendungsregeln zu geben, veröffentlichen wir an dieser Stelle einen Teil der uns erreichenden Fragen nach Abschnittsnummern der VDE-AR-N 4100 geordnet als FAQ.

10.6 Besondere Anforderungen an den Betrieb von Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge - Blindleistung

Erfordert die Installation einer Ladeeinrichtung mit 11 kW Bemessungswirkleistung die Zustimmung des Netzbetreibers?

Erfordert die Installation einer Ladeeinrichtung mit 11 kW Bemessungswirkleistung die Zustimmung des Netzbetreibers?

Antwort:

Im Abschnitt 4.1 steht: Wenn die Summen-Bemessungsscheinleistung aller Ladeeinrichtungen in einer Kundenanlage 12 kVA überschreitet, sind diese zustimmungspflichtig.

Bei der Ermittlung der Summen-Bemessungsscheinleistung sind bestehende Ladeeinrichtungen mit einzubeziehen.

Aus dem Abschnitt 10.6.3 lassen sich folgende ergänzende Aussagen ableiten:

  • Bei der Bemessungsleistung Pn ist ein cos φ von ≥ 0,95 einzuhalten.
  • Bei kleineren Leistungen als der Bemessungsleistung (oberhalb von 5 % Pn) ist ein cos φ ≥ 0,90 einzuhalten.
  • Hieraus ergibt sich, dass eine Ladeeinrichtung mit 11 kW Bemessungswirkleistung eine Bemessungsscheinleistung von 12 kVA in der Praxis nicht überschreitet und somit nicht zustimmungspflichtig ist.
  • Die Summenbemessungsscheinleistung am Netzanschlusspunkt/Kundenanlage ist für die Beurteilung, ob eine Zustimmung des Netzbetreibers erforderlich ist, entscheidend. Eine einzelne Ladeeinrichtung mit einer Bemessungsleistung von 11 kW am Netzanschlusspunkt ist anmelde- aber nicht zustimmungspflichtig.

Fazit: Die Installation einer ersten Ladeeinrichtung mit maximal 11 kW Bemessungswirkleistung erfordert keine Zustimmung des Netzbetreibers, sofern die im Netzanschlussvertrag vereinbarte gleichzeitig benötigte Leistung nicht überschritten wird.

11.1 Auswahl von Schutzmaßnahmen - Allgemeines

Kann für neu zu errichtende Gebäude unabhängig vom Netzsystem eine zum Fundamenterder nach DIN 18014-2014-03 alternative Erdungsanlage errichtet werden?

Kann für neu zu errichtende Gebäude unabhängig vom Netzsystem eine zum Fundamenterder nach DIN 18014-2014-03 alternative Erdungsanlage errichtet werden?

Antwort:

Grundsätzlich sind gemäß Abschnitt 11.1 Fundamenterder nach DIN 18014 zu errichten. Von der Anforderung zur Errichtung eines Fundamenterders nach VDE-AR-N 4100:2019-04, Abschnitt 11 kann in begründeten Einzelfällen abgewichen werden, wenn dies zwischen Netzbetreiber und Anschlussnehmer, z. B. unter Verweis auf DIN 18015-1:2020-05, Abschnitt 7, vereinbart wird. Die abweichende Lösung muss – insbesondere im Hinblick auf Erdfühligkeit, Korrosionsbeständigkeit, thermische Beanspruchung und mechanische Festigkeit – gleichwertig sowie für die Erreichung der Schutzziele und Funktionen geeignet sein.

Der Normentwurf E DIN 18014:2021-01 beschreibt gleichwertige Ausführungen von Erdungsanlagen mit Erdern ausgeführt als Ringerder, Vertikalerder, Fundamenterder oder als Kombination dieser Erder.

Die VDE FNN Info "Erdungsanlagen von Gebäuden bieten Sicherheit und Kundennutzen" erläutert die Funktion und Installation von Erdungsanlagen.

12 Zusätzliche Anforderungen an Anschlussschränke im Freien

Wie ist Überspannungsschutz bei Zähleranschlussschränken außerhalb eines Gebäudes auszuführen?

Wie ist Überspannungsschutz bei Zähleranschlussschränken außerhalb eines Gebäudes auszuführen?

Antwort:

Die nach DIN VDE 0100-443 geforderte Maßnahme zum Schutz bei transienten Überspannungen, die über das Stromversorgungsnetz übertragen werden, muss durch die Errichtung von Überspannungsschutz nach DIN VDE 0100-534 Abschnitt 534.4.1 umgesetzt werden. Nach 534.4.1 müssen Überspannungs-Schutzeinrichtungen (Surge Protective Device, SPD) so nah wie möglich am Speisepunkt der Anlage errichtet werden. Diese Anforderung ist bei Zähleranschlussschränken im Freien durch eine Überspannungs-Schutzeinrichtungen Typ 2 im Stromkreisverteiler innerhalb des Gebäudes (siehe Bild 1: Beispiel für Überspannungs-Schutzeinrichtung (Surge Protective Device, SPD) im Stromkreisverteiler innerhalb des Gebäudes bei Zähleranschlussschrank außerhalb eines Gebäudes) erfüllt.

Wird ein Betriebsmittel eines intelligenten Messsystems im Zähleranschlussschrank im Freien installiert, empfiehlt sich der zusätzliche Einsatz von Überspannungs-Schutzeinrichtungen (siehe Bild 2: Beispiel für Überspannungs-Schutzeinrichtung (Surge Protective Device, SPD) im Hauptstromversorgungssystem bei Zähleranschlussschrank außerhalb eines Gebäudes). In diesem Fall müssen die Überspannungs-Schutzeinrichtungen zusätzlich die Anforderungen nach Absatz 11.2 der VDE-AR-N 4100 erfüllen. Bei der Umsetzung der Schutzmaßnahme sind darüber hinaus die Entfernung des Zähleranschlussschrankes zum Gebäude und das Vorhandensein einer äußeren Blitzschutzanlage am Gebäude zu berücksichtigen. Zu beachten ist, dass eine zusätzliche Erdungsverbindung von der Überspannungs-Schutzeinrichtung im Zähleranschlussschrank zur Haupterdungsschiene im Gebäude herzustellen ist.