Durch den anhaltenden Zubau erneuerbarer Energien sowie die zunehmende Elektrifizierung des Verkehr- und Wärmesektors wird erwartet, dass zukünftig notwendige Steuerungseingriffe durch den Netzbetreiber auch vermehrt Anlagen in der Niederspannung betreffen. Dafür sind derzeit regulatorisch verschiedene Instrumente vorgesehen. Im neuen VDE FNN Impuls „Zielbild zur Steuerung in der Niederspannung“ wird die Wirkungsweise dieser auf Kundenanlagen genauer betrachtet. Es wird verdeutlicht, dass die unterschiedlichen Wirkungsweisen den Steuerungsrollout hemmen. VDE FNN unterstreicht die Notwendigkeit eines klaren Zielbilds für die Steuerung in der Niederspannung. Entscheidend: Die Steuerung muss gesamtheitlich gedacht werden.
Uneinheitliche Wirkungsweisen erschweren die Umsetzung
Je nach gesetzlicher Grundlage greifen Steuerungsmaßnahmen entweder direkt auf einzelne Anlagen, auf Gruppen von Anlagen oder auf den Netzanschlusspunkt zu. Diese unterschiedlichen Ansatzpunkte führen dazu, dass sich Steuerbefehle innerhalb einer Kundenanlage überlagern oder sogar widersprechen können. In der Praxis ist dies schwer handhabbar und verursacht hohe Komplexität für Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Installateure und Anschlussnutzer. Gleichzeitig entstehen Unsicherheiten bei der Umsetzung laufender Projekte.
Aus Sicht von VDE FNN hemmt diese Uneinheitlichkeit den notwendigen Rollout der Steuerung: Technische Systeme und Prozesse lassen sich nur mit erheblichem Mehraufwand anpassen, ohne dass daraus ein erkennbarer Mehrwert für den Netzbetrieb entsteht. Vielmehr steigt die Fehleranfälligkeit, während zentrale Anforderungen teilweise nicht gleichzeitig erfüllt werden können.
Konsistentes Zielbild für den Steuerungsrollout erforderlich
Für einen effizienten und massentauglichen Steuerungsrollout ist daher ein konsistentes Zielbild erforderlich. VDE FNN spricht sich dafür aus, die verschiedenen regulatorischen Ansätze zu harmonisieren und aufeinander abzustimmen. Im Mittelpunkt sollte dabei die Wirkung auf das Stromnetz stehen – unabhängig davon, ob es sich um Einspeisung oder Bezug handelt. Konkret plädiert VDE FNN für einen einheitlichen regulatorischen Rahmen, in dem sämtliche Steuerungsmaßnahmen konsequent am Netzanschlusspunkt wirken. Eine solche Fokussierung reduziert Komplexität, schafft klare Verantwortlichkeiten und ermöglicht eine effiziente Umsetzung über standardisierte Prozesse und Technologien. Gleichzeitig behalten Betreiber die notwendige Flexibilität, ihre Anlagen über Energiemanagementsysteme optimal zu steuern.
Um dieses Zielbild zu erreichen, bedarf es einer abgestimmten Weiterentwicklung der gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben. Nur so lässt sich die Steuerung in der Niederspannung zukunftssicher, praktikabel und skalierbar gestalten – als wesentliche Voraussetzung für das Gelingen der Energiewende.