VDE|FNN konkretisiert die Europäischen Network Codes für Deutschland in VDE-Anwendungsregeln.
22.07.2019

Erstellung und Verhältnis zu Anwendungsregeln

Bei der Erstellung der Europäischen Network Codes sind im Wesentlichen die beiden europäischen Institutionen ACER und ENTSO-E beteiligt. VDE FNN spezifiziert die Codes für Deutschland in VDE-Anwendungsregeln aus. So entsteht ein nutzerfreundliches Regelwerk.

Zusammenwirken mit nationalen Regelwerken

Rechtlich: Network Codes unmittelbar verbindlich

Wichtigstes Ziel der Europäischen Network Codes ist es, mit einheitlichen Regeln für alle Marktteilnehmer die Umsetzung des europäischen Binnenmarktes für Strom zu fördern. Grundsätzlich gelten die Europäischen Network Codes nur für Angelegenheiten der grenzüberschreitenden Netze und der Marktintegration (Art. 8(7) (EG) Nr.714/2009). Sie berühren nicht das Recht der Mitgliedstaaten, nationale Regeln für die Netze aufzustellen. Durch die Verabschiedung der erstellten Network Codes durch die EU-Kommission werden diese im nationalen Recht zur übergeordneten Regelinstanz. Die Verordnung berührt jedoch nicht die Rechte der Mitgliedstaaten, Maßnahmen beizubehalten oder einzuführen, die detailliertere Bestimmungen enthalten (Art. 21 (EG) Nr.714/2009). Dies hat zur Folge, dass alle nationalen Regelungen den auf europäischer Ebene erstellten Anforderungen entsprechen müssen. Die Europäischen Network Codes definieren somit Mindeststandards für alle EU-Mitgliedsstaaten. Nationale Regelungen sind eine Ergänzung.

Technisch: Setzung von Mindeststandards für Energiebinnenmarkt

In den Europäischen Network Codes werden aus netztechnischer Sicht relevante Regeln zur Netzsicherheit, Sicherstellung der Netzbetriebssicherheit, Netzanschlussbedingungen, Regeln für den Austausch von Ausgleichsenergie und Energieeffizienz bei Stromnetzen erstellt. Die Erstellung der Network Codes erfolgt durch ENTSO-E, ACER und die EU-Kommission.

Erstellung der Europäischen Network Codes

An der Erstellung der Network Codes sind im Wesentlichen die Agentur für die Zusammenarbeit der europäischen Energieregulierungsbehörden ACER und der europäische Verband der Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-E beteiligt. VDE FNN begleitet den Prozess vor allem durch Stellungnahmen intensiv. Ausgangspunkt aller VDE FNN Stellungnahmen ist die Betrachtung der deutschen und europäischen Netze aus Systemsicht. VDE FNN beteiligt alle betroffenen Anspruchsgruppen an der gemeinsamen Meinungsbildung.

Die Ausarbeitung der entsprechenden Network Codes übernahm ENTSO-E im Rahmen der von ACER vorgegebenen Rahmenleitlinien (Framework Guidelines), für die wiederum von der EU-Kommission definierten verschiedenen Bereiche. Die fertiggestellten Network Codes werden durch die EU-Kommission als europäische Verordnung erlassen und treten mit der Veröffentlichung im EU-Amtsblatt in Kraft.

ACER: Agentur für die Zusammenarbeit der europäischen Energieregulierungsbehörden

Aufgaben:

  • Konstituiert durch die Verordnung (EG) Nr.713/2009  des Europäischen Parlaments und des Rates  
  • Soll gewährleisten, dass die Regulierungsaufgaben gemäß der europäischen Richtlinien auf dem Gas- und Elektrizitätsbinnenmarkt koordiniert und auf nationaler Ebene ergänzt werden (Mittel: Stellungnahmen / Empfehlungen an Regulierungsbehörden)
  • Überwachung/Monitoring ENTSO-E und ENTSO-G (Mittel: Stellungnahmen / Empfehlungen an ÜNB)
  • Ausarbeitung und Vorlage von nicht-bindenden Rahmenleitlinien (Framework Guidelines) an die Kommission als Grundlage für Netzkodizes. Der Vorgang muss transparent und öffentlich nachvollziehbar sein.
  • Überprüfung der Network Codes (bei Erstellung als auch bei Änderungen) um zu gewährleisten, dass Network Codes den Rahmenleitlinien entsprechen.
  • Stellungnahmen / Empfehlungen an Europäisches Parlament, Rat, COM

Rahmenleitlinien (Framework Guidelines):
Aufgabe: Vorgabe präziser und objektiver Grundsätze für die Network Codes
Grundsätze und Ziele:

  • Beitrag zur Nichtdiskriminierung, zu einem echten Wettbewerb und zum effektiven Funktionieren des Marktes
  • Unverbindlicher Charakter
  • Müssen mit relevanten Marktteilnehmern konsultiert werden, um Transparenz zu gewährleisten

ENTSO-E: Europäischer Verband der Übertragungsnetzbetreiber

Aufgaben:

  • Konstituiert durch die Verordnung (EG) Nr.714/2009 des Europäischen Parlaments und Rates 
  • Nach Aufforderung durch die Kommission Erstellung der Network Codes zu den Themen gemäß Art.8 (6)
  • Verpflichtung zur öffentlichen Konsultation während der Ausarbeitung der Network Codes (Art.10(1))
  • Weitergabe der erstellten Netzkodizes an ACER zur Stellungnahme 
  • Monitoring der Umsetzung der Network Codes
  • Entwicklung eines gemeinschaftsweiten zehnjährigen Netzentwicklungsplanes
  • Herausgabe eines Jahresarbeitsprogramms
  • Jährliche Sommer- und Winterprognosen zur Angemessenheit der Stromerzeugung

Netzkodizes:
Aufgabe: Network Codes müssen den Rahmenleitlinien (Framework Guideline) entsprechen
Grundsätze und Ziele:  

  • Gut funktionierender, effizienter und offener Binnenmarkt
  • Schaffung konkreter und transparenter Zugangsregeln zu grenzüberschreitenden Netzen 
  • Eine abgestimmte und zukunftsorientierte Planung ermöglichen
  • Erlauben ausdrücklich nationale Netzkodizes bzw. regionale Spezifika
  • Können via Komitologieverfahren verbindlich gemacht werden

VDE FNN: Konkretisierung der Network Codes für Deutschland

VDE FNN ist der nationale Regelsetzer für Netztechnik und Netzbetrieb in Deutschland. Die bei VDE FNN erstellten VDE-Anwendungsregeln ergänzen und konkretisieren die Europäischen Network Codes. Eine Hauptaufgabe besteht deshalb darin, mögliche Widersprüche und Schnittstellen zu identifizieren, um die nationalen Regeln mit den europäischen zu harmonisieren. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Spezifizierung technischer Details und Parameter, zu denen die Europäischen Network Codes eine Bandbreite an Lösungen vorgeben.

Bei beiden Aufgaben erarbeiten unter dem Dach von VDE FNN alle betroffenen Fachkreise aktiv zusammen, u.a. Hersteller, Erzeuger, Netzbetreiber und Wissenschaft.

VDE FNN hat ein nationales Umsetzungskonzept erstellt. Dieses sieht vor, dass VDE FNN die Anforderungen aus den relevanten Network Codes in die Technischen Anschlussregeln (TAR) für alle vier Spannungsebenen übernimmt und ggf. ausgestaltet. Dies geschieht in Form von VDE Anwendungsregeln und damit mit einer hohen Verbindlichkeit für die Energiewirtschaft in Deutschland.

Ziel ist ein einheitliches und nutzerfreundliches Regelwerk. Künftig gilt: Jeder, der Erzeugungsanlagen nach den Technischen Anschlussregeln des VDE an die Netze anschließt, erfüllt auch alle Anforderungen aus den Europäischen Network Codes.

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