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Vertrauen in Technik entsteht nicht von selbst. Es entsteht dort, wo Technik nachvollziehbar geprüft, gemeinsam genormt und unabhängig bewertet wird.
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Ob Künstliche Intelligenz, Medizintechnik, Stromnetz, Elektromobilität oder Normung: Immer stellt sich dieselbe Frage. Woran erkennt man, dass man sich auf eine Technologie verlassen kann?

Ein Medizinprodukt, das mitlernt. Ein Stromnetz, an das täglich neue Verbraucher angeschlossen werden. Eine Norm, die festlegt, was als sicher gilt. In all diesen Fällen geht es längst nicht mehr darum, was technisch möglich ist. Entscheidend ist, woran sich erkennen lässt, dass etwas funktioniert, welchen Regeln es folgt und auf welcher Grundlage es bewertet wird.

Darüber wird nicht erst entschieden, wenn ein Produkt auf den Markt kommt. Die Grundlagen entstehen deutlich früher, wenn Anforderungen formuliert, Normen im Konsens erarbeitet, Prüfverfahren entwickelt und Ergebnisse nachvollziehbar gemacht werden. Genau daran arbeitet der VDE, von Forschung und Standardisierung über Prüfung und Zertifizierung bis in die Anwendung. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft entsteht Orientierung für technische Fragen, die immer komplexer werden.

Elf Fragen zeigen, wo Vertrauen gerade auf dem Spiel steht. Jede führt weiter zu den Menschen, Institutionen, die daran arbeiten.


Warum dauert es oft so lange, bis neue Medizintechnik beim Patienten ankommt? Diese Woche diskutiert die Biomedizinische Technik in Augsburg darüber öffentlich. Prof. Christian Johner lenkt den Blick dabei auf die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Branche. 

Prof. Dr. rer. nat. Christian Johner, CEO Johner Institut GmbH

Prof. Dr. rer. nat. Christian Johner, CEO Johner Institut GmbH

| Privat

Wer nicht auf Technologie setzt, verliert doppelt

„Medizinprodukte-Hersteller stehen unter Druck. Zum einen durch eine überbordende Regulierung und Bürokratie. Zum anderen durch einen Wettbewerb, der längst nicht mehr nur von etablierten Herstellern kommt, sondern von neuen Unternehmen, die systematisch neue Technologien nutzen. Wer mithalten will, muss selbst konsequent auf Technologie setzen – in den Produkten genauso wie in den eigenen Prozessen, etwa der Entwicklung und Zulassung.“

Prof. Dr. rer. nat. Christian Johner, CEO Johner Institut GmbH

Mehr zur BMT Augsburg

Health & Medical Technologies

Kann man einem Medizinprodukt trauen, wenn es KI enthält?

Das entscheidet sich über den gesamten Lebenszyklus des Produkts, vom ersten Konzept bis zur Überwachung im Betrieb. Wer ein Medizinprodukt in Verkehr bringen will, muss die regulatorischen Anforderungen von Anfang an berücksichtigen. Schon der erste Schritt, die Festlegung der Zweckbestimmung, entscheidet maßgeblich darüber, was genau zu dokumentieren ist, wie streng geprüft wird und ob eine Benannte Stelle erforderlich ist. Kommt Künstliche Intelligenz dazu, gelten zusätzliche Anforderungen. Medizinprodukte haben unmittelbaren Einfluss auf die Gesundheit von Menschen. Daher sind sie streng reguliert und werden sorgfältig dokumentiert und geprüft. Der VDE unterstützt Hersteller dabei, die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Prüfung und Zertifizierung zu schaffen.

Unterstützung für Hersteller von Medizinprodukten

Warum dauert es so lange, bis neue Medizintechnik beim Patienten ankommt?

Bevor ein Produkt entsteht, wird ausgehandelt, woran überhaupt gearbeitet werden soll. In der Deutschen Gesellschaft für Biomedizinische Technik im VDE (VDE DGBMT) tun das Kliniken, technische Forschung und Hersteller gemeinsam. Woran es hakt, schätzt die VDE DGBMT selbst ein: Die gewählte Umsetzung der europäischen Regulierung wird als zusätzliche Belastung erlebt, kleine und mittlere Hersteller binden Kraft in Rezertifizierungen, und das kann die Entwicklung neuer Produkte verlangsamen. Diese Debatte führt die DGBMT offen und über ein ganzes Jahr hinweg, und sie stellt die Frage auf die eigene Hauptbühne: Eine der Keynotes der Jahrestagung in Augsburg heißt „Medizinprodukte, raus aus dem regulatorischen Würgegriff?“. Und die DGBMT sagt, was gelten müsste, bevor es jemand vorschreibt: offene und standardkonforme Schnittstellen, Security by Design über den ganzen Lebenszyklus und regulatorische Klarheit für Medizinprodukte mit künstlicher Intelligenz.

Zur Fachgesellschaft VDE DGBMT

Standardization

Wie prüft man eine Technik, für die es noch keine Norm gibt?

Das entscheidet sich, bevor es Normen gibt. In der VDE ITG schauen Forscherinnen und Forscher aus Hochschulen und Industrie auf Techniken, die noch nicht etabliert und noch nicht geprüft sind, und schreiben auf, was sie leisten und wo es hakt, zuletzt zu großen Sprachmodellen und ihrem Reasoning. Was sich bewährt, wird weitergereicht. Beim neuromorphen Computing ist daraus eine Spezifikation geworden, die den Wettbewerb um die effizientesten Schaltungen messbar und validierbar machen soll, und bei der Quantenschlüsselverteilung sagt die ITG selbst, wohin ihr Wissen geht: in das CERT@VDE, in die Normung und in das VDE Prüfinstitut.

Alle Kurzinformationen der VDE ITG

Woran erkennt man, dass eine Norm nicht der Wunsch eines einzelnen Herstellers ist?

Wer einer Norm widerspricht, wird nicht überstimmt. Er wird eingeladen. Eine Norm entsteht im Konsens unabhängiger Fachleute, ihre Anwendung ist freiwillig, und sie wird regelmäßig überprüft. Normen schreiben Ehrenamtliche: Über 10.000 Expertinnen und Experten machen Deutschland zum größten Nationalen Komitee innerhalb der IEC. Im November verständigt sich die Welt in Hamburg über elektrotechnische Standards, und Vertrauen ist eines der Fokusthemen. Rund 3.500 Gäste kommen dafür zusammen.

Die 10 Grundsätze der Normung

Woran erkennt man, dass ein Produkt wirklich geprüft und zertifiziert wurde?

Zu jedem VDE Zeichen gibt es einen Eintrag in einem öffentlichen Register. Über die Produktsuche finden Sie zu einem Gerät das erteilte Zeichen und das zugehörige Zertifikat. Wer prüft und zertifiziert, muss sich selbst prüfen lassen: Das VDE Institut ist von der Deutschen Akkreditierungsstelle akkreditiert und für den EU-Binnenmarkt unter der Kenn-Nummer 0366 notifiziert. Ein Prüfergebnis endet dabei nicht an der Grenze. Über das CB-Scheme der IECEE erübrigt ein VDE Prüfbericht in aller Regel weitere Prüfungen im Ausland.

Unterstützung für Hersteller beim Marktzugang

Wird meine Wallbox fachlich korrekt und sicher angeschlossen?

Wer eine Wallbox, Photovoltaikanlage oder sonstige elektrische Anlage betreiben möchte, muss sich auf eine normgerechte und sichere Installation verlassen können. Anschließen dürfen solche Anlagen daher ausschließlich Installationsbetriebe, die vom lokalen Netzbetreiber zugelassen sind.

Die Zusammenarbeit zwischen Netzbetreibern und dem Elektrohandwerk basiert auf klaren Grundsätzen: Betriebe müssen u. a. die aktuellen DIN VDE Normen, VDE Anwendungsregeln und Technischen Anschlussbedingungen (TAB) kennen und sich kontinuierlich weiterbilden, um über Regeländerungen informiert zu sein.

Notwendiges Fachwissen für Elektrobetriebe: Das Elektrotechniker-Handwerk

  • Aktuelles Normenwissen
    Ein Komplettpaket mit allen als Werkstattausrüstung für Elektrohandwerks-Betriebe vorgeschriebenen DIN VDE Normen und Vorschriften bietet die Auswahl für das Elektrotechniker-Handwerk.
  • Laufende Fortbildung
    Kompakte Jahresunterweisungen für Elektrofachkräfte unterstützen Installationsbetriebe bei der Erfüllung ihrer Fortbildungspflichten Elektrofachkraft
  • Praxisnahe Anwendung
    Komplexe Normen werden in 90 Bänden der VDE-Schriftenreihe zu unterschiedlichsten Fragestellungen anschaulich und gut verständlich beschrieben, damit die Anwendung in der Praxis gelingt.
Zum Elektrotechniker-Handwerk

AI & Digital Trust

Woran misst man, ob man einer Künstliche Intelligenz trauen kann?

Daran, ob es einen Maßstab gibt, den man nachlesen kann. Wer ein KI-System in Verkehr bringt, muss seit August wissen, in welche Risikoklasse es fällt und was daraus folgt. Durch diesen Weg führt der VDE Hersteller in fünf Schritten. Woran dabei gemessen wird, steht offen da: Das VCIO-Modell übersetzt Vertrauenswürdigkeit in Kriterien, Indikatoren und beobachtbare Größen, nachzulesen in der frei verfügbaren VDE SPEC 90012. Auch der Qualitätsstandard aus MISSION KI bewertet danach.

Unterstützung für Hersteller von KI-Systemen

Kann man vernetzen Produkten trauen, wenn Cyberangriffe Alltag sind?

Das entscheidet sich lange vor dem Angriff, nämlich daran, wie offen mit Sicherheitslücken umgegangen wird. Schwachstellen verschwinden nicht dadurch, dass man sie verschweigt: CERT@VDE sorgt deshalb gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern aus der Industrie für Transparenz durch die koordinierte Veröffentlichung der Schwachstellen. Jede einzelne davon bekommt dabei eine weltweit eindeutige Nummer, eine Bewertung ihrer Kritikalität sowie eine Ursachenbeschreibung. Wer solche Nummern vergeben und andere Institutionen für das internationale CVE-Programm schulen, qualifizieren und aufnehmen darf, ist dafür von außen anerkannt: in Deutschland ist das nur das CERT@VDE. Entscheidend ist, Schwachstellen im Produktkontext zu bewerten, um Risiken abzuleiten. Zudem muss klar kommuniziert werden, welche Produkte und Versionen betroffen sind. Beides zeigen die CERT@VDE Advisories, und beides stärkt das Vertrauen entlang der Wertschöpfungskette bis zum Endanwender

Unterstützung für Hersteller vernetzter Produkte

Energy

Wenn es um die Energiewende geht: Müssen die Stromnetze wirklich so stark ausgebaut werden, wie häufig dargestellt?

Wie viel neu gebaut werden muss, hängt davon ab, wie gut das vorhandene Netz genutzt wird. Die VDE ETG Studie „Das zellulare Verteilnetz“ beschreibt Wege, die vorhandenen Stromnetze effizienter zu nutzen und dadurch den Bedarf an kostenintensivem Netzausbau zu reduzieren. Daran hängt auch der Preis: Die Netzentgelte für private Haushalte sind zwischen 2015 und 2025 um rund 65 Prozent gestiegen, und das VDE ETG Impulspapier vom März 2026 benennt die Treiber und zeigt Handlungsoptionen, die Kosten der Verteilnetze zu senken. An dieser Rechnung arbeitet die ETG seit 2015. Die Studie vom Juli 2026 ist die jüngste aus einer ganzen Reihe.

Zur Energietechnischen Gesellschaft ETG im VDE

Millionen neuer Wärmepumpen, Wallboxen und Speicher: Woran erkennt man, dass das Netz das aushält?

Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahr 2000 sind über 5 Millionen dezentrale Energie-Verbrauchs- und Speicheranlagen in Deutschland installiert worden. Gleichzeitig hat die Strom-Unterbrechungsdauer sogar abgenommen, das Netz ist heute also stabiler als früher. Die technischen Regeln für den Anschluss und die Steuerung dieser Anlagen schreibt VDE FNN, zum Beispiel die Anwendungsregel VDE-AR-N 4100 und den Hinweis „Netzbetrieb mit Flexibilitäten“. Ziel ist der jederzeit sichere Systembetrieb mit 80 Prozent erneuerbaren Energien.

Wie VDE FNN Regeln setzt

Mobility

Wer sorgt dafür, dass Fahrzeug, Ladepunkt und Stromnetz zusammenpassen?

Ein Fahrzeug, ein Ladepunkt und ein Stromnetz werden an ganz verschiedenen Stellen geregelt. Beim VDE hängen die Schritte zusammen: Die DKE normt, VDE FNN schreibt die Anschlussregeln, das VDE Institut prüft Bauteile und Systeme für Fahrzeuge und ist dafür vom Kraftfahrt-Bundesamt benannt, es prüft an Ladesäulen, ob alles sicher und eichrechtskonform ist, und die VDE ETG bewertet, welche Lösung trägt. Fahrzeug und Netz denkt der VDE nicht erst seit heute zusammen: Die erste Task Force zum Elektroauto gab es 2008 in der ETG, und seit diesem Jahr führt ein eigener Fachbereich Automobilindustrie und Energiewirtschaft unter gemeinsamer Leitung zusammen. Wer eine Branche prüft, darf ihr auch unbequeme Fragen stellen. In den VDE Mobility Interviews stehen Vorstände aus Automobil- und Energiewirtschaft öffentlich Rede und Antwort, bis hin zu der Frage, warum Laden im Alltag nicht überall gleich funktioniert.

Zu den Mobility-Themen im VDE

Hamburg wird zur Bühne für Vertrauen auf der IEC General Meeting 2026

Hamburger Hafen mit Elbphilharmonie mit Logo des IEC General Meeting 2026

IEC General Meeting 2026 in Hamburg

| Kara - stock.adobe.com
19.09.2025

Rund 3.000 Fachleute aus aller Welt kommen im November 2026 zum IEC General Meeting nach Hamburg, ausgerichtet von der DKE als nationalem Komitee. Trust ist eines der fünf Fokusthemen – neben Smart Solutions, Green Future, Consensus und Regulation.

Zur IEC General Meeting Seite

Wie entsteht Vertrauen in neue Technologien?

Die Beiträge zum Fokusthema „Trust“ des IEC General Meeting 2026 beleuchten aktuelle Herausforderungen, diskutieren die Rolle von Standards und Prüfungen und zeigen, warum Vertrauen eine zentrale Voraussetzung für Fortschritt und Akzeptanz ist.

VDE dialog 04/2026: Wird schon gut gehen – Über das Vertrauen in Technik und Technologien

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VDE
01.07.2026

Ob Wärmepumpe, KI-Anwendung oder digitale Inhalte: Unser Alltag basiert auf Technologien, die wir nicht bis ins Detail überprüfen können. Umso wichtiger ist die Frage, warum wir ihnen vertrauen.

In der neuesten Ausgabe des VDE dialog gehen wir der Frage nach, wie Vertrauen entsteht, welche Rolle unabhängige Prüfungen spielen und welche Herausforderungen neue Technologien mit sich bringen.

Zum VDE dialog

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